Wie Zalando eine deutsche Mode-Bloggerin in die Abmahnfalle tappen liess

In Deutschland wurde eine Mode-Bloggerin abgemahnt, weil sie Fotos publizierte, die ihr von Zalando via Pressemitteilung zugesendet wurden.

theshopazine

Dass Fashion-Bloggerinnen Medienmitteilungen erhalten, ist normal. Dass sie sich in Zukunft zweimal überlegen werden, ob sie das Material publizieren, hingegen ein eher neues Phänomen. Welches – so könnte man meinen – nur im Abmahn-Paradies Deutschland möglich ist.

Der Fall, über den das Portal Meedia.de berichtet, lässt aufhorchen. Die Modedesignerin Berit Müller, die den Blog Shopazine betreibt, erhielt im November 2013 von Zalando eine Pressmitteilung über die neue Kollektion «Eleonora Carisi» mit der «Bitte einer Veröffentlichung». Angehängt waren auch Bilder der Kollektion.

Da der Fotograf die Fotos Zalando nur für eine Nutzungsdauer von sechs  Monaten zur Verfügung gestellt hatte, mahnte dieser die Bloggerin, die die Bilder veröffentlicht hatte, im Jahr 2018 ab. Dabei handelte es sich nicht um ein Versehen der Bloggerin, dass die Fotos nicht nach den sechs Monaten gelöscht wurden – sie wusste schlichtweg nichts von der eingeschränkten Nutzungsdauer. Denn ein Hinweis darauf fehlte in der Pressemitteilung. Gegenüber Meedia.de bedauert Zalando das Versäumnis: «Dafür entschuldigen wir uns ausdrücklich und haben unsere Prozesse nochmals überprüft und angepasst.»

Zalando sicherte Müller zu, die Sache zu klären. Die Bloggerin löschte die Fotos und erachtete den Fall damit als erledigt – ohne auf die Zahlungsaufforderung des Fotografen einzugehen. Doch scheinbar kam es zu keiner Klärung zwischen dem Modeversandhaus und dem Urheber der Bilder. Denn Ende Jahr erreichte die Bloggerin eine Klage wegen Zuwiderhandlung gegen einen Unterlassungsvertrag und eine für Jahresende anberaumte Gerichtsverhandlung. Auch wenn Müller beweisen kann, dass sie nicht über die eingeschränkte Nutzungsdauer informiert worden war, verstösst sie dennoch gegen das Urheberrecht. Oder in der Sprache der Juristen: Nichtwissen schützt vor Strafe nicht.

Wenig Grund, der Bloggerin zu Hilfe zu eilen, sieht scheinbar Zalando. «Die Bloggerin hat die von uns im Jahr 2013 zur Verfügung gestellten Bilder bis 2018 online gestellt», so eine Sprecherin gegenüber Meedia.de. «Eine derartige Nutzungsdauer ist nicht branchenüblich.»

Das Onlinehandelsunternehmen behauptet zudem, die Bloggerin habe einen Teil der beanstandeten Bilder nach Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung in 2018 – entgegen ihrer eigenen Zusicherung gegenüber dem Fotografen – nicht offline genommen und habe deshalb eine Vertragsstrafe an den Fotografen zahlen müssen.

Zalando hat die Zusammenarbeit mit dem entsprechenden Fotografen beendet. Und Müller, die eine vierstellige Summe bezahlen musste, beendet ihre Karriere als Bloggerin – ihr ist die Lust vergangen, wie sie in ihrem voraussichtlich letzten Beitrag schreibt.