Der Winter-Höhenflug im Tourismus geht weiter – Skigebiete suchen Alternativen für die Zukunft

Zum zweiten Mal in Folge sorgt die Wintersaison im Schweizer Tourismus für Erleichterung. Dennoch: Die Berggebiete wenden sich verstärkt dem Sommer zu und suchen Alternativen zum Skisport.

Skifahrer Matterhorn Zermatt

Die Saison 2016 hat gezeigt, wie schnell es zum Einbruch kommen kann. Der schwächste Winter seit 25 Jahren bescherte den Schweizer Skigebieten tiefe Sorgenfalten. Fast schon überraschend sorgte das letzte Jahr für die Wendung: Endlich wieder viel Schnee, endlich wieder schönes Wetter – das Wachstum gegenüber dem Vorjahr beachtlich: zehn Prozent.

Und auch dieses Jahr sieht es aus, als könnten die Wintersportgebiete an den Vorjahreserfolg anknüpfen: Schnee, Wetter und Gästezahlen stimmen bisher mehr als zuversichtlich.

Statistik

Nach dem fast ungebremsten Rückgang seit der Saison 2008/2009 und dem Tiefpunkt 2016/2017 ging es im vergangenen Jahr wieder aufwärts. Die aktuelle Saison dürfte die Trendwende fortsetzen. Dennoch: Auf das Niveau früherer Jahre dürfte der Skitourismus nicht mehr kommen (Grafik: Schweiz am Wochenende / Martin Ludwig, basierend auf Angaben von Seilbahnen Schweiz/Laurent Vanat).

 

Die beiden guten Jahre dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Bergebiete je länger je mehr nicht mehr auf den Wintertourismus verlassen können und wollen. Zu wenig kalkulier- und planbar sind die äusseren Bedingungen, welche den wirtschaftlichen Erfolg einer Saison entscheidend und direkt beeinflussen. Das ehemalige Zugpferd Winter verliert an Bedeutung.

Zwar mindern die Investitionen in Schneekanonen die Abhängigkeit vom Schneefall, doch für viele Gebiete wird es in Zukunft schwierig sein, diese überhaupt zu betreiben. So zeigte kürzlich eine lesenswerte Auswertung des Onlinemagazins Republik die Prognosen für verschiedene Skigebiete, was die Schneesicherheit und Schneekanonen-Einsatzmöglichkeiten in den nächsten Jahrzehnten betrifft, sollte die globale Erwärmung ungebremst voranschreiten. Fazit: Die Wintersaison wird immer kürzer, Skifahren wird zum Premiumprodukt und der Wintersport wird sich auf wenige, hochgelegene Gebiete konzentrieren. Zermatt gehört beispielsweise zu den wenigen Gebieten, in denen man 2085 überhaupt noch Kunstschnee produzieren kann, wenn der Klimawandel ungebremst weitergeht.

In Zermatt denkt man denn auch nicht daran, den Wintersport zu vernachlässigen, wie Sprecher Mathias Imoberdorf gegenüber der Schweiz am Wochenende sagt: «Wir geben bei den Skifahrern kein Stück nach, im Gegenteil, wir puschen immer weiter». Er räumt aber auch ein: «Die Zahl der Skifahrer wird nicht zunehmen». Wer wachsen will, muss daher den Marktanteil vergrössern – also der Konkurrenz Gäste abwerben. Und Zermatt will auch dort nachziehen, wo andere Gebiete seit Jahren investieren: bei den Aktivitäten abseits des Skisports. Nicht nur im Sommer mit Biken oder Wandern, sondern auch im Winter: In Zermatt werden in Zukunft durch eine Verbindung zwischen dem italienischen Skigebiet Cervina Valthournenche Tagestouristen ganzjährig und komfortabel eine Alpenüberquerung machen können. Im Visier sind besonders chinesische Gäste, die auf dem Weg von Italien nach Frankreich schnell und zuverlässig das Matterhorn besuchen können werden.

Im Allgemeinen gilt aber, dass der Sommertourismus an Bedeutung gewinnt. Nicht erst in Zukunft, wenn überhitzte Städter im Sommer in die kühlen Berge flüchten. Bei den Titlis Bergbahnen verbuchte man bereits 2018 erstmals in der Geschichte gleich viele Sommer- wie Wintergäste. Vor zehn Jahren war das Verhältnis laut Marketingchef Peter Reinle noch 40:60. Und auch im Winter zeige sich, so Reinle, dass immer mehr Gäste ohne Skis kämen.

Auch in Laax wollte man «angesichts des Klimawandels» die Abhängigkeit vom Winter reduzieren, sagt Sprecherin Christina Ragettli gegenüber der Schweiz am Wochenende. Die Region tut gut daran, sich Alternativen zu überlegen – laut Republik werden über 90 Prozent des Jahresumsatzes in Laax in der Wintersaison erzielt. Attraktionen in anderen Jahreszeiten sollen nun besser vermarktet, Ausflugstouristen in die Region gelockt werden. Eine neue Pendelbahn soll das Unesco-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona erschliessen.

 

Foto: Pascal Gertschen/Zermatt Tourismus