Nominiert zum «Werber des Jahres»: David Schärer, Rod Kommunikation

Nominiert zum «Werber des Jahres» 2019 ist David Schärer, Gründungspartner von Rod Kommunikation.

David Schärer Rod Kommunikation

Es ist nicht seine erste Nomination zum «Werber des Jahres»: Nach 2012 und 2017 ist der Basler, den die Weltwoche kürzlich als «Schweizer Meister im Generieren von Aufmerksamkeit» bezeichnete, zum dritten Mal für die wichtigste Personenauszeichnung der Schweizer Kreativbranche nominiert.

Schärer, als Teenager dank der Stop-Aids-Kampagne und der legendären Basler Agentur GGK früh von Werbung fasziniert, suchte den Weg in die Kommunikation über eine Ausbildung in der Schule für Gestaltung. «Weil ich dachte, Werbung machen bedeute Grafiker sein». Er war darin zwar nicht schlecht, musste sich aber eingestehen, dass andere talentierter waren. «Ich wäre wohl als mittelmässiger Gestalter in einer mittelmässigen Agentur gelandet».

Ist er nicht. Bei Jung von Matt, wo er zuletzt die PR-Unit leitete, lernte seine späteren Agenturpartner kennen, mit denen er 2007 Rod Kommunikation aus der Taufe hob . Die strategische Planerin, Regula Bührer Fecker, das «R» in Rod, bereits 2000, als die beiden als «blutjunge Assistenten» zur Agentur stiessen, wie Schärer erzählt. Bald zwei Jahrzehnte bestreiten die beiden ihren beruflichen Alltag nun schon Seite an Seite und führen Rod gemeinsam mit dem dritten Agenturpartner Pablo Koerfer, der als Geschäftsführer die Agentur leitet.  

Rod Kommunikation hat in den zwölf Jahren ihres Bestehens viele prägende Kampagnen kreiert. Prägend deshalb, weil die Rod-Kampagnen oft zu veritablen Medienereignissen werden und ihre Botschaften in der Öffentlichkeit breit diskutiert werden. Dies ist nicht dem Zufall geschuldet, sondern die Handschrift von David Schärer und seinem Team. Die Herstellbarkeit von öffentlicher Wirkung ist integraler Bestandteil der Rod Kampagnen. Kampagnen prägt und plant Schärer bei der Bewegung Operation Libero mit, wo er als Vorstandmitglied amtet. Das Engagement bedeutet neben dem intensiven Arbeitsleben zwar noch mehr Arbeit, für Schärer ist dies aber eine Herzensangelegenheit. 

Zwölf Jahre nach der Gründung erfindet sich Rod auch selber immer wieder neu und hat den Anspruch, «anders» zu sein, nie verloren. «Die Arbeitsweise wird immer kollaborativer»,  sagt der 44-Jährige. «Wir stellen uns darauf ein, indem  wir die Stärken von Rod heute in einem zeitgemässeren Modell anbieten.» So steuere man beispielsweise zu Gesamtkampagnen auch mal einfach den Publicity-Teil bei, was auch zu interessanter Co-Creation mit anderen Agenturen führe, erzählt Schärer. Im vergangenen Herbst arbeitete man auf diese Weise zum Beispiel mit Havas zusammen: Während die andere Seite für den Paid-Media-Teil der «Wie geht’s dir?»-Kampagne besorgt war, lancierte Rod eine Agenda-Setting-Kampagne zum Thema Psychische Gesundheit. Aber auch die Zusammenarbeit mit Kunden wird partizipativer, beobachtet Schärer. «Eine Kampagne wie LOVE LIFE entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber, heute bilden wir eher ein Kampagnenteam anstelle der klassischen Kunden- und Agenturbeziehung.» Für Schärer ist der permanente Wandel die Voraussetzung für langfristigen Erfolg und deshalb dürfe gerade die Kommunikation niemals prinzipiell sein, sagt er. «Kommunikation muss dem Zeitgeist gerecht werden, und das kann sie nur, wenn sie plastisch ist. Man soll die Zeichen der Zeit erkennen und darf sich darauf einstellen».

Kampagnen Rod Kommunikation 2018

No Billag

Nein zum Sendeschluss No Billag
Nein zu No Billag Operation Libero Visual
Nein zu No No Billag Medienresonanz

«No Billag hätte für die Werbetreibenden verheerende Folgen gehabt. Ich bin sehr stolz darauf, dass Rod einen wesentlichen Beitrag zu einem Nein von mehr als 70 Prozent geleistet hat und zwar mit der Kampagnenkonzeption für das Komitee «Nein zum Sendeschluss» und für Operation Libero.»

Swisscom TV: Füürabig

Swisscom TV Medienresonanz

«Diese Arbeit ist noch taufrisch, hat eine grosse Medienresonanz und rekordverdächtige Clickraten erzielt. Watson veröffentlichte sogar eine fulminante Filmkritik, und zwar unter dem Hinweis, dass es sich dabei nicht um ein bezahltes Native Ad handle, «was die euphorische Berichterstattung umso schlimmer macht.» Die Grundidee: Swisscom TV ist Digitalfernsehen in bester Qualität und sogar im kleinsten Detail immer ein bisschen besser, deshalb haben wir das langweiligste, was das Fernsehen zu bieten hat, mit dem derzeit besten Regisseur der Schweiz neu inszeniert: Das Cheminéefeuer.»

Love Life Safer Sex-Check

«Mit diesen Videos ist es Rod gelungen, mit dieser exponierten Kampagne eine weitere Spitze zu setzen. Die Videos wurden mit ADC Gold ausgezeichnet.»

Love Life Partner-Kampagne

Medienresonanz LoveLife

«Mittlerweile etwas mehr als ein Jahr alt, aber die allererste Kampagne, die mit Silber Edelmetall in meiner Stammdisziplin PR beim ADC gewann. Und sie hat letztes Jahr zu einem Gold-Effie beigetragen.»

Interview mit David Schärer

«Eine typische Rod-Kampagne bewegt die Schweiz und strahlt weit über die klassischen Werbeformate hinaus»

 

Werbewoche: David Schärer, was war Ihr erster Gedanke, als Sie von der Nomination zum Werber des Jahres erfuhren?

David Schärer: Freude. Und zwar Freude über die Anerkennung, die ich von Kolleginnen und Kollegen erfahren darf. Immerhin sind sie ja auch Konkurrentinnen und Konkurrenten, dieses Wohlwollen freut mich aufrichtig und macht mich auch stolz auf das, was ich zusammen mit Regula und Pablo und natürlich dem ganzen Team erreicht habe.

 

Generell: Was bedeutet Werbung für Sie?

Generell: Die Kunst, Aufmerksamkeit zu erzeugen und eine Botschaft sowohl ins Bewusstsein, als auch ins Herz möglichst vieler Menschen zu bringen. Für mich persönlich: Beruf und Berufung.

 

Zurückblickend auf 2018: Was war Ihr persönliches Highlight des Werbejahres?

Mein persönliches Highlight war, dass es Rod gelungen ist, die Ausschreibung um die LOVE LIFE-Kampagne wieder zu gewinnen. Diese Kampagne ist meine Herzensangelegenheit und eine meiner frühesten Werbeerinnerungen. Diese Kampagne hat mich letztlich in diesen Beruf geführt und ich bin sehr stolz darauf, sie seit einigen Jahren mitprägen zu dürfen. Besonders gefreut hat mich auch, dass ihre Wirksamkeit letztes Jahr mit einem Gold-Effie ausgezeichnet wurde. Das Highlight für unsere Branche war das deutliche Nein zu «No Billag», an dem Rod ebenfalls einen grossen Beitrag geleistet hat und ebenfalls meine Herzensangelegenheit war.

 

In welchem Bereich hat sich Ihre Agentur im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr gesteigert?

Gleich in drei Dimensionen: Rod hat sich erstens stark verändert, wir haben unser Angebot noch deutlicher auf unsere Stärken ausgerichtet und bieten Strategie, Content und Publicity nicht mehr nur im Rahmen von Gesamtkampagnen, sondern neu auch einzeln an. Dies führt zu einer stärkeren und konsequenteren Kollaboration mit Kunden, aber auch mit anderen Agenturen. Zweitens sind sehr tolle und profilierte Menschen an Bord gekommen. Allen voran Mateo Sacchetti mit seinem Einzug in die Geschäftsleitung, mit den Safer Sex Check-Filmen für Love Life haben wir gemeinsam nochmal eine Spitze gesetzt. Und drittens legt Rod seit jeher Wert auf die Wirksamkeit von Kampagnen, unsere Zusammenarbeit mit Love Life ist letztes Jahr mit einem Gold-Effie ausgezeichnet worden, unsere Zusammenarbeit mit der Credit Suisse mit einem bronzenen.

 

Worin ist Ihre Agentur ihrer Meinung nach besonders stark?

Eine typische Rod-Kampagne bewegt die Schweiz und strahlt weit über die klassischen Werbeformate hinaus. In den letzten fünf Jahren haben die Kampagnenbotschaften verschiedener Kunden eine Resonanz auf über fünfzig Frontseiten und Push-Alerts und in Form von hunderten von unbezahlten Artikeln und Beiträgen gefunden. Ich glaube, wir verstehen es sehr gut, mittels einer cleveren Strategie und einer minutiös geplanten Umsetzung die Botschaften unserer Kunden als eine Art Grossereignis zu inszenieren und maximale Agenda Setting-Effekte zu erzielen.

 

Wo sehen Sie die grössten aktuellen Herausforderungen der Werbe- und Kommunikationsbranche?

Die grösste Herausforderung ist, dass wir es schaffen, als Branche für die Talente von morgen attraktiv zu sein und attraktiv zu bleiben. Wenn es uns gelingt, die besten Talente für die Werbe- und Kommunikationsbranche zu gewinnen, dann lösen wir auch alle anderen Probleme.

 

Was stimmt Sie zuversichtlich, dass es auch in Zukunft Spass macht, in Ihrer Branche zu arbeiten?

Die Branche ist seit jeher vom ständigen Wandel geprägt und wahrscheinlich immer sehr früh am Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft dran. Unser Creative Director Mateo sagt immer, «Jetzt neu!» sei das Wichtigste in unserem Beruf und ich stimme ihm absolut zu. Dinge neu zu erfinden und Werte zu schaffen, benötigt eine immens grosse Vorstellungskraft – und auch den Mut und die Ausdauer, die neuen Wege auch konsequent zu gehen. Ich empfinde es als grosses Privileg, dass wir dies tun dürfen und die Chance zu haben, mit Menschen mit diesem Talent zusammenzuarbeiten.

 

Wie wird die Werbe- und Kommunikationsbranche Ihrer Meinung nach «von aussen» wahrgenommen? Ist ihr Ruf gut genug?

Dass unsere Arbeit das Schmiermittel der Wirtschaft und ein wichtiger Beitrag zum Gelingen unserer Demokratie ist, wird ungenügend anerkannt und wahrgenommen. Dies sollten wir unbedingt ändern.

 

Gibt es etwas, was Sie an Ihrer Branche stört?

Nein.

 

Wer hat Sie beruflich am meisten beeinflusst?

Im Alltag natürlich meine Partnerinnen und Partner Regula Bührer Fecker und Pablo Koerfer und die Freunde aus der GL Marco Meroni und Mateo Sacchetti. Historisch Edward Bernays und Howard Luck Gossage. Bernays Kampagnen würden heute noch, hundert Jahre später, in der Kategorie Content gewinnen und Gossage hat bereits in den sechziger Jahren Social Media vorweggenommen. Die Lektüre ihrer Werke ist für mich nach wie vor eine grosse Inspiration.

 

Welches war der bisher schwierigste Entscheid Ihrer Karriere?

Mit 32 eine Führungsposition in einer renommierten Agentur aufzugeben, um mit Regula und damals Oliver Fennel ohne Geld auf der hohen Kante und mit von den Eltern ausgeliehenem Geld für das Aktienkapital eine eigene Agentur zu gründen.

 

Und welches der Beste?

Mit 32 eine Führungsposition in einer renommierten Agentur aufzugeben, um mit Regula und damals Oliver Fennel ohne Geld auf der hohen Kante und mit von den Eltern ausgeliehenem Geld für das Aktienkapital eine eigene Agentur zu gründen.

 

Wo würden Sie arbeiten, wenn nicht in der Kommunikationsbranche?

Ich würde mich vielleicht als Schriftsteller oder als Theaterregisseur versuchen.

 

Was sind Ihre Stärken?

Ideen haben viele, aber ich glaube ich bin sehr gut darin, Ideen zum Leben zu erwecken. Und ich hab ein Händchen dafür, Menschen zusammenzubringen.

 

Und wo lassen Sie lieber anderen im Team den Vortritt?

Meetings.

 

Mit welchen drei Wörtern würden Sie sich selbst beschreiben?

Grosszügig, begeisterungsfähig, ernsthaft.

 

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Grosszügig und begeisternd mit einem grossen Vertrauensbonus.

 

Sie bekommen morgen einen freien Tag geschenkt: Wie gestalten Sie diesen?

Mit dem ersten Zug pünktlich zum Mittagessen nach Paris. Dann ein Spaziergang durch die Strassen und anschliessendem Apéritif im Marais. Dann auf den letzten Zug zurück. Die Zugfahrt wäre der Lektüre eines aktuellen Buchs gewidmet.

 

Welche Superkraft würden Sie wählen, wenn Sie die Wahl hätten?

Ich würde mir gerne alles merken und einprägen können.

 

Wieso wären Sie ein guter «Werber des Jahres»?

Ich glaube, mit fast zwölf Jahren unternehmerischer Erfahrung und mittlerweile fast 20-jähriger Tätigkeit durfte ich Kampagnen mitprägen, welche die Schweiz bewegt haben. Als Werber des Jahres würde ich mein grosses Netzwerk nutzen, um unsere Branche bestmöglich zu vertreten – und um jungen Talenten die Faszination unseres grossartigen Berufs näher zu bringen.

Das Wahlprozedere: Die Online-Wahl findet in der kommenden Woche (KW 13) statt. Wahlberechtigt sind alle Abonnentinnen und Abonnenten des Newsletter von MK Werbewoche Expodata. Das Votum der Leserschaft trägt 50 Prozent zur Entscheidung bei. Die anderen 50 Prozent steuert die Fachjury bei - jedes Mitglied darf eine Stimme für eine der drei Nominierten abgeben. Die Siegerin oder der Sieger wird am 17. April an der Best of Swiss Web Award Night in der Samsung Hall Zürich verkündet.