Kreativranking 2018: Jung von Matt/Limmat lässt nichts anbrennen

Auch 2018 führt im Kreativranking der Werbewoche kein Weg an Jung von Matt/Limmat vorbei.
 Die Agentur unter der kreativen Führung von Dennis Lück verteidigt den Titel souverän und mit grossem Vorsprung auf die Konkurrenz.

Jung von Matt/Limmat Gruppenfoto 2019

Jung von Matt erzielt 757 Punkte – so viele Zähler konnte seit zehn Jahren keine Agentur mehr verbuchen. Und damals durften sogar noch sämtliche gelisteten Wettbewerbe angerechnet werden: Die Y&R Gruppe erreichte 2008 im letzten Jahr des alten Modus 756 Punkte – und verteidigte im Jahr darauf den Titel mit lediglich 271 Punkten.

Jung von Matt/Limmat knackt in der jüngsten Ausgabe des Kreativrankings die 700er-Punktegrenze und steigert sich damit gegenüber dem Vorjahr deutlich (2017: 303 Punkte). Natürlich hat die Agentur dabei auch von den Regelanpassungen profitiert, die 2017 von der «Elefantenrunde» – bestehend aus Vertretern der Top-10-Agenturen und des ADC Schweiz – beschlossen wurden und bei der aktuellen Auswertung erstmals zum Tragen kamen. Die Gewichtungen verschiedener Wettbewerbe und der Awards wurden leicht angehoben, der Abstand von Bronze auf die Shortlist etwa vergrössert. Neu können ausserdem drei statt nur zwei Wettbewerbe frei gewählt und angerechnet werden. Trotz allem: In erster Linie hat Jung von Matt/Limmat ganz einfach stark performt im vergangenen Award-Jahr. Die Agentur brillierte mit ihren eingereichten Arbeiten national und international. Besonders erfolgreich waren CCO Dennis Lück und sein Team dieses Jahr mit Arbeiten für Samsung und Graubünden-Ferien.

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Kreativranking 2018 Top 10
Rang 2018 Agentur Rang Vorjahr
1 Jung von Matt/Limmat 1
2 TBWA\Zürich
3 Ruf Lanz 3
4 Wirz Communications 6
5 Thjnk Zürich
6 Y&R Wunderman 8
7 Hinderling Volkart
8 Walker
9 Notch Interactive 10
10 MediaCom Switzerland
Quelle: Werbewoche
Top 5 Kreativranking 2018

Die diesjährigen Top-5-Agenturen im Fünfjahresvergleich: Jung von Matt dominiert, TBWA schafft den Sprung nach oben und Ruf Lanz glänzt durch Konstanz auf hohem Niveau. Wirz nähert sich wieder der Spitze an und Thjnk zeigt sich bei der geglückten Premiere ambitioniert.

Exploit dank Burgern und Pommes frites

Den Exploit des Jahres schaffte hingegen TBWA\ Zürich. Die Agentur war 2016 erstmals in den Top 10 des Rankings (Rang 10) und meldet sich dieses Jahr mit dem zweiten Platz eindrucksvoll zurück. Die Kampagnen für McDonald’s, den (ge)wichtigsten Kunden, katapultierten TBWA im 20. Jubiläumsjahr in die Spitzengruppe. Entsprechend gross ist die Freude in Zürich: «Nummer zwei im Kreativranking der Schweiz hätten wir uns vor einem Jahr noch nicht erträumt», so CEO Matthias Kiess. Gleichzeitig sei es aber auch eine konkrete Zielsetzung gewesen, sich kreativ stark zu entwickeln und dem Schweizer Markt zu beweisen, dass man ganz oben mitmischen könne. «Nach dem ersten Vorstoss ins Ranking im Jahr 2016 sind wir nun guten Mutes, dass der eingeschlagene Weg langfristig seine Früchte trägt», sagt Kiess.

50 jahre big mac tbwa

Effie-würdige Effizienz

Unbeirrt in der Spitzengruppe hält sich Ruf Lanz. Seit der Gründung 2001 belegte die Agentur stets einen Top-10-Platz, klassierte sich mit einer Ausnahme (2014, als sich die Agentur eine Award-Auszeit gönnte) sogar immer in den Top 5. Im 17. Jahr resultiert nach 2016 und 2017 zum dritten Mal in Folge der dritte Rang. Diese langjährige Konstanz ist in der Ranking-Geschichte einmalig. «Ein Hammer-Resultat für unser schlankes Schnellboot – vor allem, wenn man bedenkt, dass wir 2018 aus Zeitgründen nur an der Hälfte der zählenden Awards teilgenommen haben», sagt Creative Director und Mitinhaber Markus Ruf. Und fügt lachend an: «Müsste eigentlich einen Effie geben.»

Ruf-Lanz-2018

Thjnk different

Alles andere als ein «alter Hase» im Ranking ist Thjnk Zürich. Die Agentur klassiert sich zum ersten Mal überhaupt in den Top 10 und sorgt mit Platz 5 für einen Auftakt nach Mass. Erst 2016 gegründet, überzeugte der Schweizer Ableger der Hamburger Mutteragentur mit Arbeiten unter anderem für Pro Infirmis («Alle sind gleich. Niemand ist gleicher.») auch hochkarätige internationale Jurys und sammelte fleissig Punkte. Im Gegensatz zu seiner Agentur ist Mitgründer und Kreativchef Alexander Jaggy ein alter Bekannter im Ranking. Jaggy war 15 Jahre lang Kreativchef und Teilhaber von Jung von Matt/Limmat und in der Vergangenheit immer wieder ganz vorne mit dabei. Dennoch: Der diesjährige Erfolg mit Thjnk freut Jaggy besonders. «Dass wir es nach so kurzer Zeit ins Kreativranking geschafft haben, übertrifft alle Erwartungen. Und es bestärkt uns im Glauben, dass gute Qualität im Tagesgeschäft belohnt wird», kommentiert er das Resultat.

Auch sonst hält die 2018er-Ausgabe des Rankings verschiedene Besonderheiten bereit. Walker schafft erstmals seit 2011 wieder den Sprung unter die besten Zehn. Das in der FAZ geschaltete, doppelseitige Inserat, welches die Gedankenwelt von Donald Trump visualisiert und im Auftrag des Verlages Kein & Aber entstand, wurde mehrfach ausgezeichnet und in Deutschland gar zur «Anzeige des Jahres» gekürt.

Walker Trump Inserat FAZ Kein&Aber

Mit MediaCom Switzerland erscheint ausserdem erstmals eine Mediaagentur in den Top 10. Das Unternehmen, das sich selbst als «the Content + Connections Agency» bezeichnet, hat sich durch Mitwirken an Projekten, die beim Best of Swiss Web und Swiss Effie ausgezeichnet wurden, den Sprung unter die erfolgreichsten zehn Agenturen des vergangenen Jahres verdient.

Nach 2017 ein zweites Mal eine Ranking-Pause eingelegt haben die Agenturen der Publicis-Gruppe. Der weltweit verhängte Award-Stopp dauerte bis Mitte des vergangenen Jahres an und sorgte dafür, dass die ambitionierten Ranking-Mitstreiter Publicis, Leo Burnett und Saatchi & Saatchi 2018 noch einmal «zurückgebunden» wurden. Beim nächsten Ranking soll aber wieder mitgemischt werden, wie CEO Thomas Wildberger gegenüber der Werbewoche versichert. Die Konkurrenz wird sich warm anziehen müssen. Ob Jung von Matt/ Limmat den Titel im kommenden Jahr dennoch verteidigen kann, wird sich zeigen – man darf gespannt sein.