Aufgespiesst: Unkaputtbar unblöd

Anne-Friederike Heinrich, freie Mitarbeiterin der Werbewoche, über undumme Werbung, die Hoffnung macht.

Ich bin doch nicht blöd!», das würde gerne jeder Werber von sich behaupten. Doch der Media Markt war schneller und schreibt sich den eingängigen Slogan seit Jahren auf die Fahne. Sie können solch marktschreierische Werbung mögen oder nicht. Fakt ist, dass der Claim funktioniert, denn alle Konsumenten möchten «nicht blöd» sein – und so kauft die ganze Welt beim Media Markt ein. Angenehme Begleiterscheinung: Es gibt so gut wie nie manden, der den Claim nicht kennt, und keinen, der ihn nicht dem Elektronikriesen zuordnen könnte. Besser kann Werbung eigentlich nicht laufen. Und uneigentlich auch nicht.

Trotzdem findet der Media Markt, es könne jetzt, quasi als Weihnachtsgeschenk, mal ein neuer Slogan sein. Das ist mutig, vor allem, wenn etwas gut funktioniert hat. Aber Mut ist nur der erste Schritt. Denn: Wie clever anknüpfen an einen Claim, der richtig eingeschlagen hat? Die Lösung ist: Nicht neu erfinden, sondern gewitzt reformulieren. Und das geht so: Media Markt wird mit «nicht blöd» verknüpft. Und wer «nicht blöd» ist, ist – logo – «unblöd ». Natürlich könnte man auch «klug» sagen, «schlau» oder «clever». Das wäre sogar korrekter. Mit einem Manko: «Blöd» kommt nicht darin vor. Also heisst es nun folgerichtig: «Den Unblöden gehört die Welt!» und «Unblöde wollen zu Weihnachten mehr Power für weniger Geld». Ein Unding? Ganz im Gegenteil. Der Media Markt hat nicht nur einen Weg gefunden, seine Botschaft weiterzukomponieren, «unblöd» hat auch Anrecht auf die Wahl zum Wort des Jahres – oder eher zum Un-Wort. Zwar ist diese Sache mit Power und Geld eine völlig substanzlose Aussage (gell, Sie hatten es schon vergessen?!), trotzdem ist es plötzlich noch viel besser, «unblöd» zu sein statt nur «nicht blöd». So etwas kann nur Werbung.

Gut nachgemacht ist halb gewonnen

Media Markt ist natürlich nicht das erste Unternehmen, das mit Hilfe eines grammatikalischen Regelverstosses versucht, im Gedächtnis zu bleiben. Unvergessen ist Coca-Colas «unkaputtbar», das die Einführung der Plastikflasche von 1990 bis 1992 begleitete. Ob Media Markt mit «unblöd» ein ähnlicher Wurf gelungen ist, wird sich zeigen. Aber auf jeden Fall kann das Unternehmen seine Marken- und Werbestrategie so noch ein wenig weiterfahren. Was sicher nicht undumm ist. Konkurrent Conrad mit seinem uninspirierten «Hohohol Dir die coole Technik!» sieht daneben jedenfalls ziemlich alt aus. Geist (= unblöd) ist eben doch geil, unkaputtbar und untot.

Ausserdem: Dass den Unblöden die Welt gehört, macht doch ein wenig Hoffnung. Und die können wir alle gebrauchen, so kurz vor Weihnachten.

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