Die Trends einfangen

Der Fashion-Hintergrund ist bei Mountains and Hills omnipräsent. Ob Magazin, Werbekampagne oder Event-Branding – der modische Zeitgeist ist ein ständiger Begleiter.

Der Hauptsitz von Mountains and Hills ist unspektakulär. Ein Büro wie so manches, schlicht eingerichtet, ein paar Tische und Computer. Dass sich bei der Werbeagentur vieles um Mode dreht, ist nur anhand der Fashion-Magazine erkennbar, die auf verschiedenen Ablagen aufliegen. Eigentlich ist die Räumlichkeit unwichtig. Hier sitzt niemand den ganzen Tag im Büro. Für M&H zu arbeiten, heisst unterwegs zu sein. Einerseits zwischen dem Zürcher Hauptsitz und der Dependance in New York zu pendeln, andererseits in den Metropolen die Trends aufzuspüren und sich für neue Konzepte von Kunden inspirieren zu lassen.

«Die Kreativen müssen reisen und die Welt sehen. Sie müssen wissen, was da draussen läuft», ist Lisa Linder überzeugt. Zusammen mit Creative Director Sven Kaufmann, mit dem sie vor drei Jahren M&H gegründet hat, leitet Linder als Beraterin die Geschicke des Unternehmens. Um sich herum haben Linder und Kaufmann ein kleines Team aufgebaut. Dazu gehören eine Projektmanagerin, ein Fotoproduzent, zwei Grafikdesignerinnen sowie der Art Director Jim Kämmerling, der bei Zeitschriften wie 20 Minuten Friday, GQ oder dem Magazin des Autoherstellers Lotus mitgearbeitet hat. Ansonsten verfügt die Agentur über ein festes internationales Netzwerk, auf das sie flexibel zurückgreifen kann. Je nach Auftrag, je nach Kunde stellt M&H ein geeignetes Team zusammen, holt Fotografen, ADs, Redaktoren, Grafik- und Modedesigner an Bord.

Der Zeit voraus

«Mode ist eine Leidenschaft» erzählt Linder. «Es ist spannend zu sehen, wie früh die Trends definiert werden.» Wenn Linder und ihr Team für Kunden Modemagazine erarbeiten, befassen sie sich mit Kollektionen und Looks, die erst ein halbes Jahr später auf den Markt kommen werden. Stets müssen die Kreativen «am Puls der Trends» sein. Darauf zählte unter anderem Globus. Für das Warenhaus erarbeitete M&H bereits 16 Kundenmagazine. Vom Briefing über Konzeption, Kreation, Editorial, Art Buying, Fotoshootings und Produktion zeichnete die Agentur für das Heft verantwortlich. Auch das Schweizer WW Magazin greift auf die Modekompetenz von M&H zurück. Für dieses findet derzeit in New York ein Editorial-Shooting statt.

Der starke Fokus auf Mode ist ebenso im beruflichen Werdegang der Gründer verankert. Kaufmann war als Modedesigner unter anderem für Dior tätig. Später hat er für die Künstleragentur Jed Root gearbeitet, die Fotoshootings für Magazine und Werbekampagnen realisiert. Linder hat in Pforzheim, Ba- den-Württemberg, Werbung, Marketing und Kommunikation studiert und sich seit ihrem Berufsstart mit Mode beschäftigt. In Deutschland arbeitete sie für eine auf Brand-Retail spezialisierte Agentur und war für Premiummarken wie Hugo Boss, Baldessarini, Strenesse und Nespresso zuständig. Kennengelernt haben sich der Schweizer Kreative und die Beraterin vor ein paar Jahren, als sie gemeinsam mit Donald Schneider, ehemaliger Creative Director bei der französischen Vogue und aktuell CD bei H&M, in internationale Kampagnen der Modelabels Chloe, Hugo Boss, Brioni und s. Oliver involviert waren. Dieser Zusammenarbeit folgten weitere gemeinsame Projekte, bis Linder und Kaufmann schliesslich beschlossen, eine Agentur zu gründen. Ein Unternehmen mit internationaler Ausrichtung mit Hauptsitz in Zürich.

Während Linder als Beraterin vor allem in der Limmatstadt die Stellung hält, sind Creative Director Kaufmann und AD Kämmerling häufig in der New Yorker Niederlassung stationiert. Neben dem täglichen Austausch über Skype, Telefon und E-Mail trifft sich das Agenturteam regelmässig in Zürich oder im Big Apple. Einer vom Team ist mindestens alle zwei Wochen in NYC. Je nachdem, welche Projekte gerade anstehen. Und weshalb befindet sich der Hauptsitz in Zürich? Schliesslich ist die Stadt nicht gerade als Modemetropole bekannt. Die Wurzeln von M&H liegen, dadurch dass Kaufmann und Kämmerling hier aufgewachsen sind, in der Schweiz. Ausserdem sei der Zürcher Standort sehr zentral gelegen: «Zürich ist keine Modehauptstadt, aber bietet viel an Kunst und traditionsreichen Industrien wie Uhren und Schmuck, die uns auch sehr interessieren», so Linder. Aber natürlich bestehe das Faszinierende ebenso darin, für Kunden das Internationale hierherzubringen. Durch das feste Kontaktnetz gelingt es der Agentur immer wieder, Schweizer Talente und internationale Kreative zusammenzuführen. Für das Globus-Magazin «Einfach Persönlich» wurde zum Beispiel eine Modestrecke mit dem Starfotografen Matt Jones realisiert, der ansonsten für Zeitschriften wie iD und Vogue oder Werbekampagnen von Hugo Boss Orange hinter der Kamera steht.

Nicht nur Mode

Obwohl die Kernkompetenz im Fashionbereich liegt, verlassen sich auch Kunden aus anderen Branchen auf die Agentur. Für ein neues Restaurant in den Hamptons, das neben Burgern Sushi anbietet, hat M&H zum Beispiel das Konzept, die Gestaltung und die gesamte PR übernommen. Für das Zürcher Luxushotel Widder wurde eine Werbekampagne gestaltet, für die Champagnermarke Veuve Clicquot ein Event-Branding konzipiert und umgesetzt. «Wir sind nicht speziell auf einen Stil fixiert, sondern versuchen, das Besondere einer Marke herauszuarbeiten », beschreibt Linder die Arbeits- und Denkweise. Bei der Kampagne für das Hotel Widder wurde mit dem Claim «Your place in history» die historische Tradition des Hauses hervorgehoben. Beim Event- Branding für den von Veuve Clicquot ausgerichteten Wirtschaftspreis «Business Woman Award» wurde mit hochwertigem Papier und einem speziellen Relieflack der edle Aspekt der Marke unterstrichen und bei sämtlichen Kommunikationstools durchgespielt. Von den Menükarten über die Einladungen bis hin zur gesamten Dekoration. Zu guter Letzt finden sich Arbeiten auf der Referenzliste, die man bei M&H nicht unbedingt erwarten würde. Zum Beispiel eine Illustration für die Neuauflage der Kasperli-Hörspiele. Für einen solchen Klassiker setzt man selbst bei der trendbewussten Agentur auf Altgedientes. Die kindgerechte Illustration kommt nicht nur auf CD-Hüllen zum Einsatz, sondern wurde sogar für die fast schon für tot erklärten Tonband- Kasettli adaptiert. «Schön zu sehen, dass es die noch gibt.»

Isabel Imper

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