«Ich bin ein Freund von Entscheidungen – ohne sie treten wir auf der Stelle»

Marge Fellerer, Executive Creative Director der Berner Agentur Republica, stellt sich unseren «13 Fragen».

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1. Wofür würden Sie gratis arbeiten?

Für die, die keine Stimme haben.

2. Wie hat sich die Werbung verändert, seit Sie angefangen haben?

Die Werbung hat sich nicht verändert. Ihr Mechanismus ist immer noch gleich. Verändert haben sich die Gesellschaft und die Komplexität der Kanäle – daraus resultiert eine andere Budgetverteilung.

3. Was kommt Ihnen auf keinen Fall ins Büro?

Eine Katze – unsere Hunde hätten keine Freude.

4. Wären Sie nicht Werberin geworden – was dann?

Psychologin, Anwältin, Architektin, Forscherin, Philosophin, Malerin, Chirurgin, Musikerin . . . – halt, das bin ich ja schon alles in einem.

5. Stimmt für Sie die kolportierte Meinung, dass man in Agenturen nicht alt werden kann, oder ist das ein Vorurteil?

Dazu müsste man «alt» definieren. Aber wir haben für unsere älteren Mitarbeiter vorgesorgt – der Seniorenlift ist in Planung.

6. Hat das klassische Agentur-Modell langfristig eine Zukunft ?

Jedes Agenturmodell hat eine Berechtigung. Für mich zählen mehr als Modelle oder die Suche nach dem richtigen Modell drei wichtige Regeln. 1. Respekt: Respekt mit denen man arbeitet. Respekt für die man arbeitet. Und am wichtigsten Respekt für die eigene Arbeit. 2. Achtsamkeit: Was bewegt die Gesellschaft? Was bewegt die Menschen um mich herum und was bewegt mich? 3. Entscheiden: Ich bin ein Freund von Entscheidungen – ohne sie treten wir auf der Stelle.

7. Glauben Sie, dass Sie das Salär verdienen, das Sie verdienen?

Ja.

8. Ein Buzz-Wort, das Ihnen auf die Nerven geht?

Da gibt es einige. Big Data (ja, das ist immer noch im Umlauf), Storytelling und mein allerliebstes: «To go».

9. Was hat Sie inspiriert, in die Werbe-/Kommunikationsbranche einzusteigen?

Die unglaubliche und wunderbare Vielseitigkeit dieses Berufs. Du kannst dich ständig weiterentwickeln und dich auf unbekanntes Terrain begeben. Das ist grossartig!

10. Nennen Sie uns eine Kampagne, die Ihnen in letzter Zeit positiv aufgefallen ist – aber nicht von Ihnen stammt.

Il Spendenkampagne der Lungenliga von Spinas Civil Voices. Mit einem Bild wird transportiert, wie sich die Krankheit anfühlt. Fantastisch.

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11. Welchen Berufskollegen würden Sie mit auf die einsame Insel nehmen?

Aysun Sentürk – sie hat immer ein Handy dabei 😉

12. Wieso entsprechen Sie nicht den gängigen Klischees eines Werbers?

Weil ich eine Frau bin.

13. Wo sehen Sie aktuell die grösste Herausforderung für die Werbebranche?

Die nachlassende Entscheidungsfreude. Man will sich alle Optionen offenhalten. Aber das ist nicht nur eine Herausforderung für die Werbebranche, sondern allgemein für unsere Gesellschaft.

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Marge Fellerer ist Executive Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei Republica. Sie startete ins Berufsleben als Kirchenmalerin, wechselte dann in die Theorie der Kunstgeschichte, bis sie in Berlin das Studium zur Kommunikationsdesignerin begann und absolvierte. Ganzheitlich an Kommunikation interessiert, arbeitete sie später für unterschiedliche Agenturen in Berlin. Unter anderem für Gestalten, Bread and Butter oder projektweise für KKLD. Sie war selbstständig und war mehrere Jahre Geschäftsführerin des Designladens Pury. Seit 2007 ist sie in der Schweiz tätig. Privat ist eines ihrer Steckenpferde die Entwicklung neuer Geschmackskreationen für Familie und Freunde.

Il «13 Fragen» erscheinen sowohl Online wie auch in der Printausgabe der Werbewoche. Dieser Artikel stammt aus der Werbewoche 1/2018.

Fotos: zVg

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