«Wir bleiben eine Familien-AG»

Theodor Gut, Verleger der Zürichsee Zeitung und VR-Präsident der Zürichsee Medien AG (ZSM), über die Gründe, die NZZ an Bord zu holen.

Theodor Gut, Verleger der Zürichsee Zeitung und VR-Präsident der Zürichsee Medien AG (ZSM), über die Gründe, die NZZ an Bord zu holen.
WW Die Familie Gut hat bei der Zürichsee Presse AG die NZZ eingelassen und gleichzeitig den eigenen Anteil aufgestockt (siehe Kasten). Warum diese Absicherungsmassnahme?Theodor Gut Eine Absicherung war absolut nicht Teil unserer Überlegung. Uns ging es um die Optik: Das neue Verhältnis 60:20:20 sollte intern und extern dokumentieren, dass wir eigenständig bleiben wollen. Das bisherige Verhältnis 55:45 entstand historisch und war uns immer etwas knapp. Jetzt hatten wir die Chance, dies zu ändern und so unseren Führungsanspruch zu unterstreichen.
Sie bedauerten, dass Sie von der PubliGroupe dazu gedrängt wurden, aus Ihrer neutralen Haltung auszubrechen. Wären Sie aber früher oder später ohnehin dazu gezwungen gewesen?
Wenn man sieht, wie sich NZZ und Tamedia in Zürich positionieren, ist das nicht auszuschliessen. Vor derselben Frage stehen auch die Verlagshäuser des Landboten sowie des Ober- und des Unterländer. Zwei haben sich jetzt entschieden, der Oberländer neigt wohl auch klar der NZZ zu, und beim Landboten ist es sehr offen.
Sie hatten für die Zürichsee Zeitung drei Optionen: Entweder Sie fahren weiter mit der PubliGroupe wie bisher. Oder Sie lassen die NZZ mit ins Boot, wie jetzt geschehen. Drittens hätten Sie Tamedia hinzunehmen
können, dies allerdings nur auf Holding-Ebene. Letzteres wäre auch mit der NZZ möglich gewesen.
Das ist korrekt.
Die Beteiligung auf Holding-Ebene haben Sie – egal mit welchem Partner – nicht gewollt, anders als etwa die Neue Luzerner Zeitung. Warum lehnten Sie ab?
Unsere Familie hat sich nach intensiven Diskussionen dafür entschieden, dass die ZSM eine Familien-AG bleiben soll. Dieser Entscheid fiel einstimmig. Daher hatten wir wenig Interesse, jemanden auf der Holding-Ebene einzulassen. Im Gegenteil, wir werden noch in diesem Monat ein paar Prozente von Holding-Aktionären aus dem Freundeskreis zurückkaufen, so dass der Anteil der Familie auf 90 oder 95 Prozent steigen wird. Falls wir künftig jemanden auf Holding-Ebene beteiligen lassen, dann nur, wenn uns dies erhebliche Synergien bringt – und das war jetzt weder seitens NZZ noch seitens Tamedia der Fall.
Welchen Nutzen haben Sie nun aber vom NZZ-Einstieg bei Ihrer Zeitung?(denkt einen Moment nach) Ein konkreter, kurzfristiger Nutzen ist tatsächlich nicht ersichtlich. Mittelfristig ist aber zu hoffen, dass die NZZ-nahen Titel Synergien besser ausschöpfen können als bisher.
Sie haben also keine Zusagen etwa für eine Finanzspritze, wenn der Tages-Anzeiger am linken Zürichseeufer eine Splitausgabe lanciert.
Wir wussten, dass wir mit unserem Entscheid für die NZZ den Tagi-Split nicht verhindern. Deshalb haben wir uns natürlich versucht abzusichern.
Mit welcher Art Absicherung?Das will ich nicht sagen.
Finanzieller Art?Irgendeiner Art. Denn wir gehen jetzt ja diverse Risiken ein. Wir sind es, die die Folgen des Deals zwischen PubliGroupe und NZZ an vorderster Front und in erster Linie tragen müssen. Anders ausgedrückt: Der Sack wird geschlagen, nicht der Esel. Dass wir deshalb versuchten, uns irgendwie zu schützen, liegt auf der Hand. Auf welche Art dies geschieht, geben wir nicht bekannt.
Sie werden voraussichtlich noch zehn Jahre die ZSM leiten. Wie sieht es in der Familie punkto Nachfolgeregelung aus?
Wir haben in der vierten Generation unserer Familie 13 Personen, die jetzt die Mittelschule besuchen oder studieren. Die Weichen sind
also noch nicht gestellt. Natürlich hoffen wir aber, dass sich eine dieser Personen oder einer ihrer Lebenspartner für Medien interessiert. Diese grosse Auswahl an möglichen Kandidaten in der Familie spielte übrigens für die Entscheidung, eine Familien-AG zu bleiben, eine wichtige Rolle.
Welche Rolle spielte Geschäftsleiter Erland Herkenrath, der ja auch beim Zürcher Unterländer in derselben Funktion tätig ist. Wirkte er integrierend?
Er verhielt sich extrem korrekt und vorbildlich und nahm nicht an den Verhandlungen teil. Sicher hat seine Doppelfunktion unsern Entscheid beeinflusst, aber alle andern Gründe waren übergeordnet.
Welches Gewicht hatte die politische Ausrichtung von Tagi und NZZ?Wir haben in erster Linie geschaut, dass wir die Firma finanziell als Familien-AG weiterführen können. Hätten wir mehrere gangbare Varianten gehabt, hätte die Politik sicher auch eine Rolle gespielt.
Die neue Formel heisst 60:20:20Die Zürichsee Medien AG (ZSM), die zu 85 Prozent im Besitz der Familie Gut und zu 15 Prozent von befreundeten Personen ist, gab kurz vor Weihnachten bekannt, dass sie die Mehrheitsbeteiligung an ihrer Tochter Zürichsee Presse AG (ZSP) von 55 auf 60 Prozent ausbaut. Sie tut dies, indem sie von der PubliGroupe, die bisher an der ZSP 45 Prozent hielt, fünf Prozent zurückkauft. Damit kommt die ZSM, die bisher über zwei Stufen hinweg bloss 46 Prozent an der ZSP hielt, auf neu 51 Prozent.
Weil die ZSM zudem auf das über die fünf Prozent hinausgehende Vorkaufsrecht an ZSP-Aktien verzichtet, kann die PubliGroupe nun weitere 20 Prozent der ZSP an die NZZ-Gruppe übertragen. Mit diesen Transaktionen, die bis spätestens Ende Januar vollzogen sein sollen, werden 60 Prozent von Kapital und Stimmen der ZSP bei der ZSM, 20 Prozent bei der NZZ-Tochter Freie Presse Holding und 20 Prozent bei PubliGroupe liegen. (mk)
Intervista: Markus Knöpfli

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