Più giovani e più sicuri di sé

Lokalradio Ein Jahr nach dem Start hat Energy Zürich kräftig zugelegt. Gefahr droht aber vom Jugendradio.

Lokalradio Ein Jahr nach dem Start hat Energy Zürich kräftig zugelegt. Gefahr droht aber vom Jugendradio. Ein wichtiges Ziel hat Energy Zürich bereits erreicht: Der vielfach beklagte Radio-Einheitsbrei in der Limmatstadt ist Vergangenheit. «Man kann im Grossraum Zürich jetzt ein junges Radiopublikum ansprechen, mit klar weniger Streuverlusten», urteilt Philipp Brunner, Radiospezialist bei Optimedia. Das war noch ganz anders in der Ära vor dem 15. August 2003, als sich Hitradio Z und Radio 24 mit austauschbaren Inhalten und praktisch identischem Musikteppich kaum mehr voneinander unterschieden. «Aus planerischer Sicht kam es damals nicht gross darauf an, ob man 24 oder Z buchte, es war eher die Entscheidung, welches Image besser zum Produkt passt», so Brunner. Nach Einbrüchen im Dezember 2003 und Januar 2004 im Hörermarkt hat das Publikum Energy Zürich mittlerweile ins Herz geschlossen. Dies bestätigt der klare Aufwärtstrend bei den Hörerzahlen. Allein im ersten Halbjahr 2004 vermochte der neu positionierte Sender sein Publikum um fast neun Prozent auszubauen. Zwar ist der Aufwind bei allen Altersgruppen spürbar, eine überdurchschnittliche Verstärkung vermochte der Sender aber wunschgemäss bei den ganz jungen Zielgruppen zu generieren. Am meisten Zulauf gab es mit einem Plus von 16,3 Prozent bei den 15- bis 24-Jährigen. Aber auch der Zuwachs um 11,2 Prozent im Segment der 15- bis 34-Jährigen bestätigt die erfolgte Verjüngung des Publikums. Minderwertigkeitsgefühl ade Doppelt freuen über den Gewinn können sich die Auftraggeber, denn das Pricing stellt noch auf den alten Hörerzahlen ab. «Bis Ende Jahr gibt es bei Energy Zürich zehn Prozent mehr Leistung zum gleichen Preis», freut sich Michi Frank, CEO bei der Vermarkterin IP Multimedia.
Am meisten Genugtuung bereitet ihm aber der «interne Motivationsschub», der mit der Neupositionierung Wirklichkeit geworden sei. «Mit Hitradio Z waren wir nur eine Ergänzung zu Radio 24 und damit kein wichtiger Player. Mit dem eigenständigen Energy Zürich tragen wir jetzt aber eine Fahne, auf die wir stolz sind», sagt Frank.
Dies zeige sich auch in einem gestärkten Selbstwertgefühl der Mitarbeitenden. «Früher war es keine Ehre, bei Hitradio Z zu arbeiten. Das hat sich radikal geändert. Die Identifikation mit dem Sender und der Glaube ans Programm sind stärker denn je. Dies ist auch die Basis des Erfolgs», so Jürg Bachmann, Geschäftsleiter von Energy Zürich.
Eine hohe Motivation sei aber auch dringend nötig, denn nun stehe die «harte Knochenarbeit an, um den bisher erzielten Erfolg
weiterzuführen». «Wir wollen uns noch klarer im Segment der 15- bis 49-Jährigen positionieren», erklärt Bachmann. Inhaltlich sollen dabei keine grossen Sprünge mehr gemacht werden, jetzt gehe es um das Feilen an den Details. Besonders wichtig: «Bei den News müssen wir noch besser werden im Finden mehrheitsfähiger Themen.» Formatradio hat Schwächen
Doch Energy bereitet nicht allen Hörern nur Freude. Besonders nerven können Eigenschaften, die ein Formatradio wie Energy Zürich zwangsläufig mit sich bringt. «Durch die vielen Wiederholungen einzelner Hits, neigen die Zuhörer eher dazu, den Sender zu wechseln», kritisiert Philipp Brunner von Optimedia. Bachmann widerspricht dem nicht, wendet aber ein, auch Sender, die auf das wiederholte Abspielen derselben Musikstücke verzichteten, seien von solchen Effekten nicht gefeit. «Denn dann werden auch weniger beliebte Titel gespielt, die ebenfalls als Rausschmeisser wirken.»
Seit Radio 24 nicht mehr der Referenzsender ist, den es um jeden Preis zu überbieten gilt, ist das Radiomachen zwar laut Bachmann befriedigender, aber nicht unbedingt einfacher geworden. Besonders der Mainstream-Sender DRS 3, der ins Gärtchen der Lokalradios getrampelt ist, werde sehr genau beobachtet. «Der SRG-Sender kann uns das Leben schwer machen, denn die haben ganz andere Mittel als wir», so Bachmann. Und Michi Frank ergänzt: «Wir verlangen eine restriktivere Handhabung des Sponsorings auf DRS 3.»
Gefahr droht den jungen Zielgruppen von Energy Zürich aber auch seitens des Zürcher Jugendradios, das anfangs nächstes Jahr starten wird. «Wir betrachten es als klare Aufgabe des Bundesamtes für Kommunikation, dafür zu sorgen, dass der neue Sender weder Radio 24 noch Energy Zürich Hörer wegnimmt», betont Frank.
NRJ sucht AnschlussIn den vorangegangenen Jahren ist NRJ geglückt, worauf der französische Radiogigant 17 Jahre lang gewartet hatte: Beteiligungen bei Energy Zürich (49 Prozent) und bei Basel One (24 Prozent) konnten realisiert werden. Aktuell besteht Potenzial für den Einstieg bei Sunshine und BE1, die neue Partner suchen und im Moment mitten in den Evaluationsverfahren stecken. Bei beiden hat sich auch NRJ beworben.
Vor allem eine Beteiligung beim Berner Lokalradio würde Sinn machen, denn damit wäre NRJ in allen drei Städten des goldenen Dreiecks vertreten. Falls der Einstieg beim Berner Sender nicht gelinge, wolle sich die europaweit tätige Gruppe aus der Schweiz zurückziehen, rumorte es in der Gerüchteküche in den vergangenen Wochen. Francis Rivollet, der CEO von NRJ Schweiz, bezeichnet dies als «puren Unsinn». «Es war nie ein Thema, die Schweiz zu verlassen, zumal wir ja gerade erst eine Grossinvestition in Zürich getätigt haben.» Und er fügt an: «Wir haben weiterhin ein klares Interesse an der Präsenz in grossen Schweizer Städten. Aber wir respektieren in jedem Fall die Entscheide des Bundesamtes für Kommunikation.» (dse)
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Daniel Schifferle

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