Rolf Bollmann vuole un milione di lettori

Gratiszeitungen Längst hat die Gratiszeitung 20 Minuten mehr Leser als der Tages-Anzeiger. Nun rückt sie dem Blick zu Leibe – oder hat ihn schon überflügelt.

Gratiszeitungen Längst hat die Gratiszeitung 20 Minuten mehr Leser als der Tages-Anzeiger. Nun rückt sie dem Blick zu Leibe – oder hat ihn schon überflügelt.Diese Rechnung hätte sich keiner zu machen getraut: Die Pendlerzeitung 20 Minuten legt nach den jüngsten Leserschaftszahlen der Wemf fast noch einmal so viele Leser zu wie schon im Rekordjahr 2002. Mit insgesamt 720000 Lesenden – ein Zuwachs um 194000 (+37 %) – besetzt die Pendlerzeitung neu Rang zwei der grössten Deutschschweizer Tageszeitungen. Gleich hinter dem Blick. Der Abstand auf die Boulevardzeitung beträgt nur noch hauchdünne 26000 Lesende.Dass 20 Minuten nächstes Jahr das Boulevardblatt überholen wird, ist so gut wie sicher. Wahrscheinlich ist das Überholmanöver bereits erfolgt. Denn ein wichtiger Schritt in Zürich, der einen weiteren Schub an neuen Lesern gebracht haben dürfte, wurde von der aktuellen Mach Basic noch gar nicht erfasst. Nach der Einstellung des Zürich-Express im April und dem Verschwinden von dessen Verteilkästen aus Stadt und Agglomeration dürften sich zahlreiche zusätzliche Pendler bei 20 Minuten bedient haben. Allerdings endet der Befragungszeitraum der Leserschaftsstudie am 30.März, weshalb die Leser-Erbschaft noch nicht ausgewiesen ist.
Neue Wachstumsimpulse
Rolf Bollmann, CEO von 20 Minuten, sieht nicht zuletzt auf Grund seiner Monopolstellung die Potenziale längst nicht ausgeschöpft. Seine Angriffslust ist ungebrochen: «Wachstum, Wachstum und nochmals Wachstum ist mein Ziel.» Einem weiteren Schritt in diese Richtung stehen aber nicht etwa noch anzusprechende Lesersegmente im Wege, sondern schlichte Kapazitätsengpässe. «Wir haben in Zürich jeden Tag mindestens 20000 Exemplare zu wenig – weil wir mit der Druckerei in Vorarlberg, welche die Zürcher Ausgabe druckt, ganz einfach nicht mehr Exemplare in der notwendigen Zeit liefern können», so Bollmann.
Noch bis März 2005 laufe der Vertrag mit der Druckerei, danach werde man wohl auf eine neue ausweichen müssen. Für die nächsten Expansionsschritte sind die Ampeln noch nicht auf Grün gestellt. Alles, was Bollmann derzeit umsetzungsbereit in die Pipeline steckt, hängt vom Entscheid der Wettbewerbskommission (Weko) ab. Bewilligt sie die Übernahme von 20 Minuten durch Tamedia und Espace Media Groupe, stehen die Türen laut Bollmann offen.
Sobald das Machtwort der Weko zu Gunsten des Deals vorliegt, dürfte die Expansion weiter an Tempo zulegen. «In diesem Fall bekommt 20 Minuten einen neuen Verwaltungsrat, dem ich meine Anträge vorlegen werde», so Bollmann. Dann werde er auch mögliche Expansionsgebiete wieder auf den Tisch bringen. Im Vordergrund stehen die seit Jahren schon diskutierten Regionen Luzern und St.Gallen.
«Das alles ist aber mit Investitionen verbunden», erklärt Bollmann. Und es braucht dazu die Unterstützung der neuen Besitzer. Diese erhalten bei einer Zusage der Weko die Hauptrolle in einem historischen Akt: Tamedia und Espace Media Groupe verdrängen Blick-Herausgeber Ringier von der Spitze im einträglichen Deutschschweizer Newsgeschäft. Und dies wohl mit nicht zu knappem Vorsprung auf den Blick. Bollmann denkt bereits weiter: «Mein Ziel sind eine Million tägliche Leser und ein Cashflow, der die Investoren zufrieden stellt.» In welchem Zeitraum er diese Schallgrenze überschreiten will, lässt er hingegen noch offen.
Einmaliges ErfolgsrezeptDer Ausbau der Leserschaft kommt vor allem in den und um die Kernregionen von 20 Minuten weiter rasch voran. Zürich war dabei im vergangenen Jahr erneut der Überflieger. Die Pendlerzeitung gewann im WG 43 rund 35 Prozent neue Leser hinzu und bedient nun deren 303000 mit Gratisnews. Auch in den beiden Märkten mit eigenen Ausgaben geht es aufwärts. Sowohl im Raum Basel (WG 31) als auch im Raum Bern (WG 34) stieg die Zahl der Gratisleser um aufgerundet je 33 Prozent auf 129000 beziehungsweise 118000 Leser. Potenziale sind noch in Luzern und St.Gallen vorhanden. Hier liegen die Leserzahlen erst im einstelligen Tausenderbereich.
Das Erfolgsrezept von 20 Minuten scheint einmalig zu sein. Auch der Basler Stab konnte den raschen Vormarsch in seinem Einzugsgebiet nicht aufhalten. Trotzdem steht das Blatt der Basler Mediengruppe – mit leichtem Aufwind (plus 8 %) und 188000 Lesern immer noch um fast 60000 vor seinem stärksten Konkurrenten in Führung.
Unter den anderen Gratistiteln verbuchte nur noch ein Einziger aus einer anderen Kategorie einen wirklichen Erfolg: Die Aargauer Woche der AZ Medien legte signifikant um 32000 Leser zu. (dse)
Daniel Schifferle

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