Es ist Sonntag, und alle Schweizer lesen

Sonntagspresse Noch mehr Leser als die Pendlerzeitungen haben vergangenes Jahr die Sonntagszeitungen angezogen: Deren Reichweite stieg um satte 25 Prozent allein in der Deutschschweiz.

Sonntagspresse Noch mehr Leser als die Pendlerzeitungen haben vergangenes Jahr die Sonntagszeitungen angezogen: Deren Reichweite stieg um satte 25 Prozent allein in der Deutschschweiz.Keine Frage mehr: Des Deutschschweizers liebste Beschäftigung am Sonntag heisst Zeitung lesen. Der Markt für Sonntagsblätter erlebte im vergangenen Jahr eine dynamische Aufwärtsentwicklung wie schon lange nicht mehr. Kein Wunder, denn jetzt kommen die Zahlen der NZZ am Sonntag (NZZaS) auf den Tisch, die bei der Mach erstmals für ein ganzes Jahr ausgewiesen werden. Die 434000 Frauen und Männer, die sonntags darin blättern, geben dem gesamten Lesepublikum in der Deutschschweiz einen Vorwärtsschub auf neu 2,3 Millionen Leser.Allerdings nicht auf Kosten der bisherigen Marktteilnehmer SonntagsZeitung und SonntagsBlick, was man bei der Einführung der Sonntagsausgabe von der Falkenstrasse am 17. März 2002 noch hätte vermuten können. Im Gegenteil, das Tamedia-Sonntagsblatt registrierte sogar den stärksten Aufwärtstrend der letzten vier Jahre (plus 30000 Lesende). Mit 813000 Lesern ist dessen Publikum immer noch fast doppelt so gross wie jenes der NZZaS.
Nicht mehr weiter zulegen konnte zwar der SonntagsBlick, doch er liegt mit einer Reichweite von neu 25,2 Prozent über dem Jahr 2000 – und mit 1026000 Lesern nach wie vor einsam an der Spitze der Deutschschweizer Kaufzeitungen.
Der Erbe ist schon satt
Nachdem Ringier seinen Sonntagstitel Dimanche.ch am 22. Juni eingestellt hat und das Blatt daher nicht mehr in der Leserschaftsstudie erscheint, fehlen dem Westschweizer Sonntagsmarkt 123000 Lesende – so viel wies die nur dreieinhalb Jahre alt gewordene Zeitung zuletzt aus.
Der Verlust wird kaum lange schmerzen, ist doch die Aufteilung der Erbschaft bereits voll im Gange – mit freilich nur einem Anwärter: le Matin Dimanche aus dem Hause Edipresse. Ihm dürfte auch nach Abzug etlicher Doppelleser immer noch ein Gewinn von mehreren zehntausend Exemplaren winken.
Dabei hätte dies Le Matin Dimanche, der sein Monopol jetzt zurückbekommen hat, noch nicht einmal nötig. Auch wenn er in der Berichtsperiode leicht in die Defensive geriet, bleibt er mit der neuen Reichweite von 45,4 Prozent doch absoluter Leader unter den Kaufzeitungen der Schweiz – nur gerade der Corriere del Ticino (43,5 %) kommt auf eine ähnlich starke Verbreitung.
Bignasca wieder im Aufwind
Weiter im Vormarsch waren die (Gratis-)Sonntagsblätter auch im Tessin. Zwar hat das noch junge Il Caffè della Domenica seine Publikumsausweitung etwas verlangsamt. Zusammen mit den gewonnenen 3000 Lesenden kommt das Blatt, an dem Ringier mit 45 Prozent beteiligt ist, jetzt aber bereits auf die respektable Reichweite von 38,5 Prozent – das sind laut den Wemf-Erhebungen genau 100 000 Lesende.
Neben dem verlangsamten Vormarsch der Konkurrenz profitierte jetzt aber der Mattino della Domenica. Nachdem das Lega-Blatt in den drei vorangegangenen Jahren massiv an Zuspruch verloren hatte – auch wegen der Neulancierung von Il Caffè della Domenica –, registriert es jetzt 10000 Leser mehr. Der Sonntagstitel von Giuliano Bignasca gleicht die angehäuften Vorjahresverluste aus und gewinnt darüber hinaus weitere
Leser hinzu, bleibt aber mit deren 86000 deutlich hinter der Konkurrenz zurück.
Gehört bereits für 2,3 Millionen Schweizer sonntags zum Frühstück zwingend dazu: die Zeitung.
Daniel Schifferle

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