Argumente für Entscheider

Facelifting Am 17. September erscheint die HandelsZeitung frisch renoviert. Sie richtet sich nun auch ans mittlere Kader von Grossunternehmen.

Facelifting Am 17. September erscheint die HandelsZeitung frisch renoviert. Sie richtet sich nun auch ans mittlere Kader von Grossunternehmen.Weil Grossunternehmen dezentralisieren und flachere Führungsstrukturen einführen, sind in der Wirtschaft derzeit wieder vermehrt Generalisten gefragt. «Genau diese Leute wollen wir ansprechen», sagt Ralph Büchi, Verleger der HandelsZeitung (HZ). Das lässt aufhorchen, hatte die HZ doch bisher den Ruf, ein Blatt für KMU zu sein. Will sie sich jetzt in einer höheren Managerliga etablieren? Büchi winkt ab, von einem Wechsel der Zielgruppen will er nichts wissen, bestenfalls von einer Ausweitung. Grossunternehmen seien, so der Verleger, heute nichts anderes als eine Ansammlung kleinerer unternehmerischen Einheiten. «Für die Führungskräfte in den einzelnen Tochterunternehmen stellen sich die Aufgaben gleich wie bei einem mittleren Betrieb: Sie müssen von Personalführung und Rechnungswesen etwas verstehen, aber auch IT- oder Marketing-Entscheide fällen können. Und dabei wollen wir sie unterstützen.» Entsprechend heisst der Claim der neuen HZ-Kampagne aus dem Hause Jung von Matt auch «Argumente für Entscheide».
Gestochen scharfes Logo
Auf jeden Fall kommt die HZ, die am 17. September in neuem Kleid erscheint, gehobener daher. «Eine Evolution, keine Revolution», sagt Büchi. Damit stapelt er allerdings etwas tief. Gewiss, die HZ bleibt ihrem Konzept, dem Format, den vier Bünden und den Specials treu. Aber sie verabschiedet sich vom bisherigen Zeitungspapier und verwendet neu ein helleres und teureres Papier. Auch das Logo wurde angetastet. Büchi: «Es ist jetzt nicht mehr so nebulös, sondern gestochen scharf – wie es auch die Artikel sein sollen.»
Neu ist die ganze Zeitung durchgängig sechsspaltig, auch auf der Front- und auf den Bundaufschlagseiten. Zudem sind Titel- und Lauftextschriftart nun identisch. Teilweise haben sich die Bundarchitektur oder deren Konzepte geändert: Der zweite Faszikel heisst neu Manager statt Management. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass künftig vermehrt Macher im Mittelpunkt stehen werden. Den Auftakt macht dort jeweils das Porträt eines erfolgreichen Top-Managers. Der Geld-Bund schliesslich wurde zur Anlageberatung ausgebaut und enthält neue Rubriken wie «Börsenwoche» oder «John’s Dow». Insgesamt finden sich überall mehr Orientierungspunkte, in Form von festen Rubriken oder grafischen Elementen.
Die neue HZ trägt die Handschrift des Hamburger Zeitungsdesigners Wolf Dammann, der auch schon Stocks und New Management, beide aus der HZ-Verlagsgruppe, gestaltet hat. Unterstützt wurde die zum Axel Springer Verlag gehörende HZ zudem von Springers Redaktionscoach Peter Balsiger.
Tiefschwarze Zahlen
Ralph Büchi betont, dass die HZ aber nicht aus einer Schwäche heraus den Relaunch plante. «Wir haben zwar auch Inseratevolumen verloren, aber weniger als andere Wirtschaftstitel. Wir haben sogar Marktanteile dazugewonnen.» Der HZ gehe es gut. «Sie schreibt tiefschwarze Zahlen und weist eine zweistellige Umsatzrendite aus», ergänzt er.
Der Verschiebung des Relaunchs von Mai auf September kann Büchi nur Gutes abgewinnen. «Wir haben den optimalen Zeitpunkt erwischt – weil sich jetzt auch die Stimmung an der Börse verbessert. Dass wir mit der neuen Zeitung in die Planungsphase für 2004 starten, ist ebenfalls ein Vorteil.» Und schliesslich sei ein weiterer Impuls für 2004 zu erwarten, weil dann der Chefredaktoren-Wechsel von Kurt Speck zu Martin Spieler stattfinde.
Handelszeitung.ch mit Devisenhandel
Das Internetportal der HandelsZeitung wird im Zuge des Relaunches nicht neu gestaltet, ergänzt aber sein Angebot um einen abrufbaren Devisenhandel. Hohe Zugriffsraten verzeichnete das neue E-Paper des HZ-Titels Stocks schon am ersten Lancierungstag: Es wurde von über 1000 Personen angeklickt. (mk)
HZ leidet nicht an VertrauensschwundIn den letzten Jahren hat die Wirtschaftspresse Vertrauen bei ihren Lesern eingebüsst. Ist der HandelsZeitungs-Relaunch somit auch als Versuch zu werten, die Zuneigung dieser Leser zurückzugewinnen? «Nein», sagt Ralph Büchi, «weder die HandelsZeitung noch Stocks haben unter Vertrauensverlust gelitten.» Was man an Auflage und Leser verloren habe, sei auf betriebliche und private Sparmassnahmen zurückzuführen. Zudem sei ein psychologisches Moment auszumachen. «Nachdem manche an der Börse schon Geld verloren hatten, stand ihnen der Sinn nicht mehr nach weiteren Negativmeldungen aus der Wirtschaft, und deshalb sprangen sie ab», begründet der Verleger den Leserschwund. (mk)
Markus Knöpfli

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