«Mit dem Zusammenlegen von online und offline ist es nicht getan»

JvM/Limmat baut mit einer eigenen Unit ihre Digitalkompetenz aus. Im Interview erklärt Alexander Jaggy, Executive Creative Director von JvM/Limmat, die Beweggründe und gibt einen Ausblick, wohin die Agentur steuert.

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Jung von Matt/next gegründet?
Das ist eine Frage der Kompetenz und eine Frage der Organisation. Zum einen wollen wir unsere Expertise im Bereich der digitalen Plattformen ausbauen. Wir wollen in Zukunft Markenerlebnisse durchgehend von der Kampagne bis zur Website abdecken können. Andererseits brauchen wir eine Organisationsstruktur, welche das Tagesgeschäft aus der Klassik und das Projektgeschäft aus dem Online-Bereich unter einen Hut bringt. Die Gründung von Jung von Matt/next ermöglicht uns dies.

Weshalb geschieht die Kompetenzerweiterung unter neuem Namen und nicht innerhalb der Agentur?
Jung von Matt/next ist eine Kompetenzzelle innerhalb der Agentur. Mit dem neuen Namen geben wir der Agentur aber auch eine eigene Identität, um sich im Markt zu positionieren.

Der Vorteil einer separaten Unit ist bestimmt auch, Kunden ausserhalb des Netzwerkes akquirieren zu können.
Wir betreuen heute schon ein halbes Dutzend Digitalkunden. Mit Jung von Matt/next können wir dieses Portfolio weiter ausbauen.

Wie viele Leute beschäftigt Jung von Matt/next?
Bereits heute beschäftigen wir 20 Digitalexperten aus den Bereichen Kreation, Entwicklung, Beratung, Produktion, Social Media und Public Relations. Hinzu kommen fünf weitere Spezialisten.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Units?
Crossmedia-Kampagnen werden wir künftig gemeinsam mit Jung von Matt/next entwickeln. Die Konzeption und Realisation von Plattformen wird zentral bei Jung von Matt/next erfolgen.

Jung von Matt/next kooperiert mit Hamburg. Inwiefern?
Wenn immer nötig, können unsere Digitalspezialisten auf das Know-how und die Ressourcen der Kollegen in Hamburg zurückgreifen. Die Konzeption erfolgt allerdings weiterhin in der Schweiz. Die Kooperation ist nicht ganz neu. Bereits in der Vergangenheit haben wir für das eine oder andere Projekt mit Jung von Matt/next in Deutschland zusammengearbeitet. «Webwandern» für Graubünden, um nur ein Beispiel zu nennen.

JvM/Limmat funktioniert relativ autark, obwohl es ein deutsches Mutterhaus gibt. Wird nun durch die Kooperation mit JvM/next die Zusammenarbeit generell ausgebaut?
Jung von Matt/Limmat ist nach wie vor eine inhabergeführte Agentur mit der Aktienmehrheit in der Schweiz. Daran ändert sich mit der Gründung von Jung von Matt/next nichts.

Diverse Onlineagenturen haben sich in den vergangenen Monaten klassisches Knowhow dazu geholt und werden zu Full-Service-Anbietern. Was bedeutet dies für JvM/Limmat als etablierte Agentur?
Den Schritt weg von der klassischen Agentur haben wir schon vor längerer Zeit vollzogen. Mit einer PR-Unit, die 14-jährig ist und einer Online-Unit, die 13 Jahre alt ist. Wir wollten jetzt nochmals einen grossen Schritt nach vorne machen.

Inwiefern hat der Neuzugang mit dem Abgang der Kreativdirektoren Fernando Perez und Livio Dainese zu tun, die für das Social-Media-Projekt «Obermutten» verantwortlich zeichneten?
Die Antwort auf den Weggang von Fernando Perez und Livio Dainese heisst Andy Lusti und Maurus Zehnder (Werbewoche.ch a rapporté). Mit ihnen sind zwei erfahrene Kreative nachgerutscht. Die Pläne für eine digitale Kompetenzzelle bestehen schon seit längerem. Wir waren uns stets bewusst: Allein mit dem Zusammenlegen von online und offline ist es nicht getan.

Markus Schärer hat bei Wirz die Integration der Digitalspezialisten in die Agentur geführt. Inwiefern ist es für Sie wichtig, dass Schärer bereits bei einer klassischen Agentur gearbeitet hat?
Dass Markus weiss, wie das Tagesgeschäft in einer klassischen Agentur läuft, war sicherlich ausschlaggebend. Bei ihm spüre ich eine grosse Offenheit gegenüber klassischer Werbung. Es ist nicht einfach, verschiedene Disziplinen zu integrieren. Onliner und Offliner haben eine andere Denkweise. Im Digitalbereich wird über viele Wochen entwickelt und designt. Im klassischen Bereich sind Deadline-Denker. Beide Bereiche erfordern andere Prozesse, eine andere Führung und Ressourcenplanung.

Wohin geht es mit Jung von Matt/next?
Wir wollen uns als Spezialist für Strategie, Konzeption, Kreation und Realisation von interaktiven Markenerlebnissen im Bereich Promotion Websites, Corporate Websites, Mobile-Anwendungen und Interface Design etablieren. Dazu legen wir auch personell zu.

Kommt die personelle Verstärkung aus Hamburg oder der Schweiz?
Wir werden uns mit zwei, drei weiteren Experten aus der Schweiz verstärken.

(Interview: Isabel Imper)

 

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