Hektik bei RMB

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Schweizer RMB gerät in den Sog der Turbulenzen in BelgienVon Markus Knöpfli Dass die Verschuldung von RMB International Folgen für die Schweizer Tochter RMB Switzerland hat, ist ausser Zweifel. Ein Verkauf steht an. Gerüchteweise ist von einem Management Buyout die Rede, aber es sollen auch bereits Konkurrenten lauern.
Obwohl belgische Zeitungen bereits am 28. Januar ausführlich über die Veränderungen an der Spitze von RMB International (RMBI) berichtet hatten (siehe Seite 1), reichte RMB Switzerland erst am Abend des 1. Februar ein dünnes Communiqué nach. Dort war jedoch weder etwas über die Hintergründe von RMBI-CEO Pierre-Paul Vander Sandes Abgang die Rede noch von den hohen Schulden der belgischen Mutter, geschweige denn davon, dass das europäische RMBI-Netz in Auflösung begriffen ist.
Vielmehr wurden die Auswirkungen von Vander Sandes Abgang auf die Schweizer RMBI-Tochter «relativiert». Die RMBI-Area Central Europe, zu der bis vor kurzem neben RMB Switzerland und RMB Austria auch RMB Germany gehörte, würden dank einer eigenen Shareholder-Struktur und einer direkten Führung durch das lokale Management «selbstständig und unabhängig vom Netzwerk» funktionieren, schrieb Matthias Luchsinger, CEO von RMB Switzerland und gleichzeitig Manager Area Central Europe. Für das Tagesgeschäft erwartet er deshalb keine Veränderung. «Unsere Anpassungen in den Bereichen Organisation und Medienportfolio haben wir bereits im vergangenen Herbst vorgenommen», schrieb er.
RMB Switzerland ist mit einem Marktanteil von rund 90 Prozent Marktleaderin im Schweizer Kinomarkt und vermarktet das Werbe- und Programmfenster von Sat 1 (Schweiz), den Musiksender MTV, das Schweizer Kinomagazin Close-up sowie das Luzerner Erlebniskino IMAX.
Luchsinger bestätigte erst auf Anfrage die belgischen Medienberichte. Den Eindruck, dass RMBI in Konkurs sei, korrigiert er aber. «RMBI ist nicht illiquid, der Gruppe geht es so weit gut. Das gilt auch für die Area Central Europe, deren Finanzierung immer gruppenunabhängig vorgenommen wurde», sagt er. Aber es treffe zu, dass die bisherigen Aktionäre RTBF (33 Prozent) und UGC (67 Prozent) das ganze RMBI-Netz oder auch nur Teile davon verkaufen wollen. Derzeit würden entsprechende Gespräche geführt.
Was RMB Area Central Europe betrifft, so könnten RMB Switzerland und RMB Austria möglicherweise «speziell behandelt werden», derzeit seien dazu Verhandlungen im Gang. Die Anteile an RMB Germany seien hingegen bereits per Ende 2001 verkauft worden.
Potenzielle Käufer winken erst mal ab
Nun ist gerüchteweise zu hören, dass sich Luchsinger selbst um den Rest der Area Central Europe bemüht und ein Management Buyout plant. Was ist da dran? «Für die Zweige in der Schweiz und in Österreich gibt es verschiedene Pläne und Möglichkeiten», sagt er nur, fügt dann aber noch hinzu: «Als Area-Manager bin ich auf Seite RMBI an vorderster Front in die Verhandlungen involviert und stelle mich sehr engagiert zur Verfügung, um die Weiterentwicklung von RMB Switzerland und Austria mitprägen zu können.» Weitere Informationen seien im Frühjahr zu erwarten.
Egal, ob Luchsinger Kaufabsichten hegt, an Interessenten scheint es nicht zu fehlen. Davon zeugt einerseits der bereits getätigte Verkauf der Anteile bei RMB Germany an die beiden anderen bisherigen Teilhaber Apax und Pricoa. Dass diese Investoren auch bei RMB Switzerland einsteigen, ist zwar nicht anzunehmen. Hingegen ist gerüchteweise zu hören, dass auch Goldbach Media oder SevenOneMedia am Portfolio von RMB Switzerland interessiert sind – falls nicht am ganzen Paket, so könnten sie zumindest die Vermarktung von Sat 1 (Schweiz) herauslösen wollen.
An beiden Orten winkt man ab: Es bestünden weder Kontakte nach Belgien, noch gedenke man, Verhandlungen aufzunehmen, sagen sowohl Christian Gartmann, Managing Director von SevenOneMedia (Schweiz) als auch Goldbach-Sprecher Paul Riesen.
Nebenbei: Gemäss RMB Germany hat RMBI bei der Handänderung in Deutschland mit Apax und Pricoa eine strategische Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. Diese beinhaltet unter anderem, dass RMB Germany nicht nur den Namen behalten kann, sondern auch Teil des RMB-Netzes bleibt. Zudem erhielt RMBI eine Rückkaufsoption…falls wieder bessere Zeiten eintreten.
Dies wirft auch Fragen bezüglich Luchsingers Communiqué auf: Wie «selbstständig und unabhängig vom Netzwerk» funktionieren die Firmen der Area Central Europe denn nun tatsächlich? Ist es gerechtfertigt, nach den Turbulenzen in Belgien in der Schweiz von einem Courant normal auszugehen? Sucht RMBI für RMB Switzerland und Austria eine ähnliche Lösung wie bei RMB Germany: Die Anteile werden verkauft, der Name und damit auch das internationale Netz bleiben, ebenso eine Rückkaufsoption? Fest steht: Luchsinger spricht als Manager Area Central Europe nicht gern über die Handänderung in Deutschland. Und weder er noch RMBI haben bisher etwas dazu publiziert.

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