Fin des années de spot sans lion

Am 48. Int. Advertising-Festival in Cannes holte AY&R einen Lion d’Or mit dem Médecins-sans-Frontières-Spot

Am 48. Int. Advertising-Festival in Cannes holte AY&R einen Lion d’Or mit dem Médecins-sans-Frontières-SpotVon Samuel HelblingSouverän dominierten die USA und Grossbritannien das diesjährige Werbefestival an der Côte d’Azur. Rund 19000 Arbeiten aus mehr als 80 Nationen buhlten um die begehrtesten Werbetrophäen. 9000 Delegierte verfolgten das Werbespektakel. Erstmals seit 1994 kehrten die Schweizer wieder mit einem Goldlöwen in der Kategorie TV-Spots zurück.
Die Enttäuschung stand der Schweizer Cannes-Delegation Ende Woche förmlich ins Gesicht geschrieben. Sowohl bei Press & Poster als auch in der Kategorie Media und Cyberlions ging sie leer aus. Ihre letzten Hoffnungen ruhten auf einem Filmlöwen. Doch auch in der Königsdisziplin der Werbung schafften es lediglich 2 von 74 Arbeiten auf die Shortlist. Umso grösser war dafür die Freude, als am Freitagabend durchsickerte, dass der Spot für Médecins sans Frontières («Borders») von AY&R einen Löwen gewonnen hatte, und zwar in Gold. Dieselbe Arbeit, die im Januar von den Leserinnen und Lesern der WerbeWoche zur Kampagne des Jahres gewählt wurde.
Fast wurde dem Spot zum Verhängnis, dass die Idee 2000 in der Kategorie Press & Poster bereits mit einem Goldlöwen bedacht worden war. Doch die Schweizer konnten glaubhaft nachweisen, dass sie den Etat für Médecins sans Frontières zuvor in einer Konkurrenzpräsentation gewonnen hatten. Ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit, mit dem alle Beteiligten leben konnten. Der Autostopper-Spot für eine Temporärfirma von McCann-Erickson schaffte es zwar noch auf die engere Shortlist, blieb aber chancenlos (siehe dazu auch Interview mit Martin Spillmann).
Den diesjährigen Film-Grand-Prix gewann Cliff Freemann & Partners aus New York für den US-Sender Fox-Sports (WW 23/00). In dokumentarisch gefilmten Spots werden fiktive Sportarten aus exotischen Gegenden vorgeführt, die für die Beteiligten oft böse enden. In einem Spot fällen zwei Chinesen einen Baum, der vom dritten aufgefangen werden soll. Ein chancenloses Unterfangen … Die Spots wirken dermassen überdreht und absurd, dass sie die Lacher auf ihrer Seite haben. Ansonsten hatten im Filmwettbewerb wiederum Grossbritannien (16 Löwen) und die USA (16) die Nase vorn, gefolgt von Argentinien und Holland (je 6 Löwen).
In der Kategorie Press & Poster holte sich Paradiset DDB, Stockholm, den Grand Prix für ihre Diesel-Anzeige. Die Schweden konnten sich dabei knapp gegen die aussergewöhnliche New-Beetle-Kampagne von Arnold Worldwide in Boston durchsetzen (WW 23/00).
Die Kampagne für den Modehersteller Diesel parodiert den westlichen Ethnozentrismus und zitiert dabei die fiktive Zeitung «The Daily African», in der Europa und die USA als Dritte Welt und Afrika dagegen als reicher Kontinent dargestellt werden. Medaillenstärkste Nation in dieser Kategorie waren Brasilien und Spanien (je 15 Löwen), dicht gefolgt von den USA (14).
Skepsis gegenüber Begleitfilmen zur Mediaidee
Media oder Kreation? Die Frage trieb die Juroren des Media-Lions-Wettbewerbs um, der heuer zum dritten Mal durchgeführt wurde. Hier geht es um innovative Ideen und deren Umsetzung in der Mediastrategie. Die Jury hatte die Zielgruppenausrichtung einer Kampagne und die optimale Nutzung des vorhandenen Medienangebots zu beurteilen. Doch die Grenzen sind fliessend, entsprechend schwer tat sich die Jury mit ihren Entscheiden und relativierte diese bei der Preisverleihung laufend. Irritiert zeigten sich Mediavertreter über aufwändige Promotionsfilme, mit denen Mediaarbeiten für ihre Mediaidee warben. Wenn diese Begleitfilme Schule machen, werde es für uns eng, meinte Andy Lehman von Optimedia Schweiz: «Es ist absurd, wenn Werbefilme, die die Mediaidee verkaufen, ausgezeichnet werden und nicht die Idee selber.» Die Investitionsbereitschaft der Kunden für solche Commercials dürfte bei uns kaum gegeben sein.
In der Kategorie Media gibt es lediglich Lions und einen Grand Prix. Dieser ging in die USA in der Kategorie «Best use of Cinema», an die Agentur Crispin Porter + Bogusky, Miami, für den Spot «Secrets of a tobacco executive», eine Antiraucherkampagne. Die Spitze belegten die USA und Brasilien mit je vier Media-Lions, gefolgt von Spanien und Mexiko.
Zur Agency of the Year wurde F/Nazca Saatchi & Saatchi aus Brasilien gekürt, und die Palme d’Or ging an @radical.media (USA). Eine vollständige Übersicht über alle Löwen-Gewinner gibt es auf der Homepage www .canneslions.com.
Cyberlions und Press & Poster Shortlist

Bei den Cyberlions qualifizierte sich aus der Schweiz die Agentur RØSA in der Kategorie Brand Promotion mit Patman und Fashion Store. Die meisten Nennungen bei den Webauftritten erreichten die Brasilianer mit 54 und die USA mit 50 Shortlistplätzen. Bei den Press-&-Poster-Awards war die Schweiz mit acht Nennungen auf der Shortlist: Fruit Bowl, Hero Konfitüre, Matter & Partner; Don’t worry, New Beetle, Lowe Lintas GGK; Media-plan, TV3, WHS; Punchline, Books/Reini Weber & Erich Liebi, WHS; Plug, Panasonic/ John Lay, Jung von Matt/Limmat; Around the world in 80 days, VBZ, Advico Y&R; Long Jump, Berner Zeitung, Wirz Werbeberatung; Hamlet, Books/W. Jäggi, Lesch + Frei.

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