Affichage: Schluss mit Verlusten

Nach zwei tiefroten Jahresabschlüssen kann die Affichage wieder einen Konzerngewinn ausweisen, der sich mit 41,8 Millionen Franken sehen lässt. Zu verdanken ist dies einem konsequenten Rückzug aus den verlustreichen ausländischen Mäkten sowie einem Wachstum im Heimmarkt.

Daniel Hofer, seit Oktober 2010 CEO der Affichage, war an der heutigen Bilanzpressekonferenz nach eigenen Worten «wesentlich entspannter» als noch vor einem Jahr. Vor allem aus einem Grund: Er und seine Führungscrew haben die Versprechen, die sie an der letztjährigen Generalversammlung den Aktionären machten, mehrheitlich einlösen können: «Wir haben den Turnaround erreicht, konnten die Bilanz stärken und können nun auch wieder pro Aktie 7 Franken Dividende auszahlen», sagte er. Letztes Jahr hatte Affichage anlässlich der riesigen Verluste von 2010 (-52,3 Millionen Franken) und 2009 (-59,1 Millionen Franken) auf Dividendenzahlungen verzichtet.

Rückzug in den Heimmarkt

Hofers Aufgabe war tatsächlich nicht einfach: Praktisch die gesamte Unternehmensleitung musste ausgewechselt und die neue Unternehmensstrategie zügig umgesetzt werden. Letztere lautet: Nach der verlustreichen Auslandstrategie in Südosteuropa sollte sich Affichage aus nahezu sämtlichen Auslandmärkten zurückziehen. Ein Fokus auf den Heimmarkt Schweiz war angesagt. Beides ist gemäss Hofer gelungen: «Waren wir vor einem Jahr noch in acht Ländern aktiv, so sind es heute noch drei: Serbien, Montenegro und Rumänien. In den beiden erstgenannten Ländern wird Affichage bleiben, Rumänien hingegen wollen wir so rasch wie möglich ebenfalls verlassen.» Getrennt hat sich Affichage von den Engagements in Griechenland, Bosnien, Bulgarien, Südtirol, und schon im 2010 von jenem in Ungarn. Fast alles konnte bis Ende 2011 über die Bühne gebracht werden, einzig in Griechenland müssen noch einige Abschlussarbeiten (inklusive Schuldeninkasso) erledigt werden.

Mehrumsatz dank Schweizer Geschäft

Trotz dieses Rückzugs konnte Affichage den Konzernumsatz operativ um 3,7 Prozent steigern, wegen Währungsverlusten resultiert aber «bloss» ein Umsatzplus von 2,5 Prozent auf 311,8 Millionen Franken. Der Zuwachs ist dem positiven Geschäftsverlauf in der Schweiz zu verdanken, wo Affichage um insgesamt 8,3 Prozent zulegen konnte – nicht zuletzt wegen der Parlamentswahlen im letzten Herbst, die allein rund 12 Millionen Franken einbrachten. Der Anteil des Auslandgeschäfts reduzierte sich entsprechend von einst 30 Prozent auf mittlerweile nur noch rund 10 Prozent. Und sollte es dem Aussenwerbekonzern gelingen, sich schon bald wie erhofft aus Rumänien zurück zu ziehen, würde der Auslandanteil am Gesamtumsatz noch weiter sinken. Immerhin: In Serbien und Rumänien ist Affichage Marktführer, in der serbischen Hauptstadt Belgrad verfügt die Tochterfirma Almaquattro zudem über eine langfristige Konzession. Zwar hat letztes Jahr der Umsatz in Serbien stagniert, zudem mussten dort rund 3,8 Millionen Franken in neue Werbeträger investiert werden. Doch Hofer bleibt zuversichtlich, nicht zuletzt, weil Serbien die EU-Mitgliedschaft anstrebt. Anders in Rumänien, wo die wirtschaftliche Situation sehr unsicher ist. Hofer geht jedoch davon aus, dass die Firma Affichage Romania in Kürze selbsttragend gemacht werden kann, so dass sie keine finanziellen Verluste mehr verursacht und für potentielle Käufer attraktiver wird. «Mit dem Verkauf stehen wir deshalb nicht unter Druck», sagt Hofer.

Digitalisierung als Wachstumstreiber

In der Schweiz, wo Affichage in allen Geschäftsfelder und Gesellschaften die Ergebnisse steigern konnte, zielt Hofers Team trotz der starken Marktstellung auf weiteres Wachstum ab – dies mittels einer effizienteren Verkaufsstrategie, neustrukturierten Angeboten und der Digitalisierung von Plakatflächen. Im 2011 hat der Konzern in den Bahnhöfen Basel, Bern, Genf, Lausanne, Luzern und Zürich gut 40 E-Panels eingeführt und dafür rund 2,6 Millionen Franken investiert, zusammen mit den bestehenden Bigboards tragen sie mittlerweile knapp 5 Prozent zum Schweizer Umsatz bei. Ferner gewann Affichage in den Städten Genf und Schaffhausen die Plakatkonzessionen.

Haben künftig ausländische Aktionäre das Sagen?

Zwei Anträge, die der Affichage-Verwaltungsrat an die Generalversammlung stellt, lassen aufhorchen: Zum einen soll der Konzern den Namen Affichage, den man sich seinerzeit wegen der Expansion ins Ausland zugelegt hatte, wieder aufgeben. Künftig soll der Brand APG | SGA, der seit 1. Januar 2012 in der Schweiz gilt (siehe Artikel Werbewoche.ch/die-neue-apg-sga), auch für die Holding Gültigkeit haben, wobei die Firmen in Serbien und Rumänien ihre bisherigen Namen behalten.

Der zweite Antrag betrifft die Aufhebung der Vinkulierungsklausel, die besagt, dass Aktionäre maximal fünf Prozent Stimmrecht erwerben können, auch dann, wenn ihr Anteil am Aktienkapital grösser ist. Die Abschaffung dieser Klausel hätte zur Folge, dass die Grossaktionäre, der französische Aussenwerber JCDecaux und die belgische Beteiligungsfirma Albert Frère, die heute bloss 10 Prozent der Stimmrechte besitzen, künftig entsprechend ihren Beteiligungen 30 und 25 Prozent erhielten und somit das Sagen hätten. Ob die zahlreichen kleineren Aktionäre, darunter viele Schweizer, die heute überproportional mitbestimmen können, diesem Antrag zustimmen werden, ist jedoch offen. Für eine Abschaffung der Vinkulierung an der GV sind immerhin 80 Prozent der anwesenden Stimmen nötig.

Markus Knöpfli

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Daniel Hofer. seit Oktober 2010 CEO der
Affichage.

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Der abtretende CFO Ulrich von Bassewitz und
Daniel Hofer, CEO.

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