Ringier-TV erobert den Wilden Osten

Privat-TV Mit eingekaufter Realityshow auf östlichem Expansionskurs.

Fernsehen Ringier-TV expandiert in den Osten und realisiert als Pilotprojekt ein Realityformat in Rumänien.Mit Zeitungen und Zeitschriften erzielt
das Haus Ringier in fünf Ländern des ehemaligen Ostblocks dank
Beharrlichkeit in schwierigem Umfeld erfolgreiche Ergebnisse. Dies
bildet die Basis für den Vorstoss von Ringier- TV in neue Märkte.
Konkret möchten
die Verantwortlichen in der rumänischen Hauptstadt Bukarest beginnen,
dort, wo der Verlag bereits erfolgreich elf Printtitel herausgibt und
zu den grössten Verlagshäusern im Karpatenland zählt. «Die
Expansionsmöglichkeiten in der Schweiz sind beschränkt», sagt
Geschäftsleitungsmitglied Fibo Deutsch, verantwortlich für die
strategischen Belange von Ringier Fernsehen. Was liegt deshalb näher,
als die Produktion im Osten zu steigern? Zwar dürfte es wegen
staatlicher Vorschriften schwierig sein, selber Fernsehen zu machen,
geschweige denn einen eigenen Sender zu betreiben, doch einzelne
Programme zu lancieren, das liege allemal drin, so Deutsch.
Dieser Tage hat sich laut Marc Görtz, Geschäftsführer von Ringier-TV,
das Projekt für die Produktion eines Realityformates konkretisiert.
«Wir haben die Lizenz für ein bestehendes Format gekauft, übrigens auch
für die Schweiz», sagt Görtz. Verraten will er indessen noch nicht, um
was für eine Sendung es sich dreht. Geplant ist eine erste Staffel mit
zwölf Sendungen im kommenden Frühling, eine zweite im darauffolgenden
Herbst. Ringier wird in Rumänien nicht selber firmieren, sondern unter
dem Namen «Zana Media» als neue Firma auftreten, zusammen mit Faro TV
(«Joya rennt») die Produktion realisieren und über Prima TV, dem
viertgrössten Sender in Rumänien, ausstrahlen. «Niemand hat hier auf
uns gewartet», sagt Görtz, deshalb versuche man von Anbeginn an, die
eigenen Printmedien mit der Sendung crossmedial zu verknüpfen. «Wir
wollen die gesamte Produktion mit Leuten vor Ort aufbauen», sagt Görtz.
Grund sind die kostengünstigen Produktionsbedingungen.

Folgt als Nächstes Tschechien?
Mit dem Projekt rennt Ringier bei Prima TV sozusagen offene Türen ein.
Zufällig figurierte die Produktion, die Ringier realisieren will, auf
der Wunschliste von Prima TV. Der Sender ist zudem auf dem Sprung von
Platz vier auf Platz drei im nationalen Vergleich. Die schwedische
SBS-Broadcasting hatte im vergangenen März ihr Aktienpaket bei Prima TV
auf 86 Prozent erhöht. Sie setzt dem Sender den ehemaligen Leiter
Divertissement
TV 3 und Programmentwickler von SF DRS Christoph Bürge als CEO voran.
Görtz erwähnt jedoch auch Gespräche mit grösseren Sendern, wie etwa
«Antenna 1» von Medienzar Dan Voiculescu, dem Präsidenten der
konservativen Partei.
Das Projekt ist vorerst als Pilot gedacht, welcher – sollte er bis in
einem halben Jahr erfolgreich sein – in weitere Ringier-Länder
exportiert werden wird. Als nächstes Land käme wohl Tschechien in
Frage, obwohl dort der Markt bereits hart umkämpft sei, schätzt Görtz.
Ungarn dagegen sei schwierig, da es neben dem staatlichen Fernsehen nur
zwei Privatstationen gebe und Slowenien sei ein zu kleiner Markt,
erläutert Görtz weitere Überlegungen.
Was die Ausstrahlung des besagten Realityformates in der Schweiz
anbelangt, soll in den kommenden sechs Wochen die Entscheidung fallen.
Einerseits fokussiere man auf das Schweizer Fernsehen, andererseits
aber auch auf den neuen Sender, der voraussichtlich im kommenden
Februar seinen Betrieb aufnehmen werde – Elevator TV.

René Worni  

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