Comedia und KVZ kritisieren Tamedia

Die Arbeitnehmervertreter verurteilen das Vorgehen des Zürcher Medienhauses bei einem Stellenabbau. Die beiden Seiten erzählen unterschiedliche Geschichten.

Die Mediengewerkschaft Comedia und der
Kaufmännische Verband Zürich sind empört über das Vorgehen des
Verlagshauses Tamedia bei einem Stellenabbau im Inseratebereich.
Tamedia hatte im August beziehungsweise September angekündigt, in der
telefonischen Inseratenannahme acht und in der Anzeigenproduktion neun
Stellen zu streichen. Insgesamt wird 23 Mitarbeitenden gekündigt.
Comedia und KVZ wehren sich mit den Betroffenen gegen die
Abbaumassnahmen und verlangen, dass Tamedia die Kündigungen nochmals
grundsätzlich überprüft. «Störend ist insbesondere, dass Tamedia
einseitig so genannte ergänzende Leistungen anbietet, statt gemeinsam
mit den Betroffenen einen Sozialplan auszuhandeln», sagte
Comedia-Zentralsekretär Serge Gnos. Die vorgeschlagenen Leistungen
seien zwar in einzelnen Punkten besser als der letzte ausgehandelte
Sozialplan, der Ende Juni 2005 auslief. Übers Ganze gesehen, sei der
Vorschlag aber nachteiliger als der 2003 vereinbarte Leistungskatalog.
«Tamedia hat sich nicht gesprächsbereit gezeigt», erklärte Brigitte
Tamburini vom Kaufmännischen Verband Zürich. «Wir haben schriftlich um
einen Gesprächstermin gebeten, den wir nicht erhalten haben.» Die
Diskussion habe aber nicht nur mit den Gewerkschaften nicht
stattgefunden, sondern auch die Betroffenen würden sich übergangen
fühlen. «Was mich besonders stört, ist die Tatsache, dass die
Betroffenen grösstenteils Frauen sind, die der Tamedia jahrelang treu
waren. Da viele im vorgerückten Alter sind, werden sie es jetzt schwer
haben, eine neue Stelle zu finden. Es trifft einfach die Schwächsten»,
so Tamburini.
Tamedia will die Vorwürfe nicht gelten lassen: «Es stimmt einfach
nicht, dass wir den Sozialplan nicht fortschreiben», sagte Franziska
Hügli, Leiterin Unternehmenskommunikation von Tamedia. «Im Rahmen der
ergänzenden Leistungen haben wir alle Leistungen übernommen, die im
abgelaufenen Sozialplan enthalten waren. Mit zwei Ausnahmen; wir haben
die Abgangsentschädigung durch eine längere Kündigungsfrist ersetzt,
was in unseren Augen für die Betroffenen besser ist, da dann die
Versicherungsleistungen weiterlaufen. Im zweiten Punkt, berufliche
Vorsorge, konnten wir nicht mehr gleich handeln, da die Pensionskasse
in der Zwischenzeit ihr Reglement geändert hat.» Man habe eine
gleichwertige Alternative gesucht und auch gefunden. Die Entlassungen
würden aus wirtschaftlichen Gründen erfolgen, da das Auftragsvolumen im
Inseratebereich ganz klar rückläufig sei. Es stimme auch nicht, dass
mit den Betroffenen nicht gesprochen worden sei, betonte Hügli. «Wir
sind laufend mit ihnen im Gespräch. Unsere Sozialberaterinnen und die
Bereichspersonalleiter coachen die Leute und unterstützen die
betroffenen Mitarbeitenden bei der Standortbestimmung und der
Stellensuche.» Das primäre Anliegen von Tamedia sei das Gespräch mit
den betroffenen Mitarbeitenden und die Suche nach Lösungen.
Serge Gnos von Comedia denkt, dass mit Einzelgesprächen die
Verhandlungsposition der Betroffenen geschwächt wird: «Als Individuum
wagt man natürlich weniger, sich zu wehren, als wenn man als Kollektiv
auftreten kann.» Die Gewerkschaft und der KV fordern, dass den
Betroffenen innerhalb der Tamedia andere Arbeitsplätze angeboten werden
oder in gemeinsamen Gesprächen mit Comedia und KV nach Lösungen gesucht
wird, dass zum Beispiel mittels alternativer Arbeitszeitmodellen
möglichst viele der Stellen erhalten werden könnten. «Das
Personalmanagement stellt sicher, dass die Mitarbeitenden von Stellen
bei Tamedia, die dem jeweiligen Profil entsprechen, Kenntnis erhalten», meinte dazu Franziska Hügli.
Carole Scheidegger

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