Interview mit Eli Noam, US-Wirtschaftsprofessor

WW: Was halten Sie von den aktuellen Veränderungen bei den grossen US-Medienkonzernen wie Time Warner, Disney und Viacom?

WW: Was halten Sie von den aktuellen Veränderungen bei den grossen US-Medienkonzernen wie Time Warner, Disney und Viacom?Eli Noam: Diese Medienkonzerne sind zu gross geworden, grösser als die Fähigkeit vieler Manager, sie noch gut zu führen, also fallen sie wieder auseinander. Dabei geht es nicht einmal so sehr um die Persönlichkeiten dieser Führungsleute, sondern einfach darum, dass sie zu diversifiziert geworden sind, als dass ein Zusammenfügen unter einem Dach noch sinnvoll erscheint. Die Ära der Fusionen hat ihren Höhepunkt erreicht, und das Blatt wendet sich in die entgegengesetzte Richtung. Inwiefern betrifft dies auch die Familien, die diese Konglomerate führen? Die News Corporation etwa hat die Nachfolgerfrage nicht klären können.
Es sieht aus, als ob die Ära der von einer Halbdynastie kontrollierten Konglomerate in den USA zu Ende geht. Das sieht man bei der NewsCorp, aber vor allem auch bei Zeitungsverlagen. Diese Politik um jeden Preis fortzusetzen, wenn keine geeigneten Nachfolger da sind, verringert den Wert eines solchen Unternehmens drastisch. Vor allem Rupert Mudoch hat der News Corporation seit jeher seinen persönlichen Stempel aufgedrückt. Man denke nur, er hat mit einer Zeitung angefangen und steht jetzt einem globalen Medienimperium vor. Im Ausland ist der persönliche Touch in solchen Unternehmersfamilien noch grösser als in den USA, man denke nur an Bertelsmann oder Springer.
In den USA fallen die Medienunternehmen auseinander, aber in Deutschland hat der Axel Springer Verlag vor kurzem den grössten deutschen TV-Sender ProSieben Sat 1 aufgekauft und wächst weiter. Geht die Entwicklung da in die entgegengesetzte Richtung?
Springer ist vor allem ein Zeitungs- und Magazinunternehmen, es hat die Grössenordnung und Komplexität eines Konglomerats wie Viacom noch nicht ganz erreicht. Die Grösse eines Medienunternehmens muss schon enorm sein, um in den USA mit den anderen Mitbewerbern mithalten zu können, während in einem kleineren Land wie Deutschland auch weniger Besitztümer ausreichen, um an der Spitze zu liegen.
(gs)

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