Ringier veut laisser partir le courrier

Vertrieb Die Post will sich erneut als Presseverkäuferin versuchen – und wird für Valora zu einer Konkurrentin.

Vertrieb Die Post will sich erneut als Presseverkäuferin versuchen – und wird für Valora zu einer Konkurrentin.Den Entscheid, ab 13. Juni wieder versuchsweise in den Presseverkauf einzusteigen und gemäss Communiqué «ihre traditionelle Rolle als Partnerin der Verleger» weiter auszubauen, traf die Schweizerische Post nicht aus eigenem Antrieb. Dazu war ein Test, den sie von 1993 bis 1998 durchgeführt hatte, zu wenig rentabel – dies «primär auf Grund der schwerfälligen Prozesse», wie Postsprecher Richard Pfister betont. Der Umsatz hingegen habe gezeigt, «dass ein Bedürfnis von Seiten der Kundschaft vorhanden war».Bis zu 1000 Poststellen beteiligt
Für den neuerlichen Versuch, der vorläufig auf 30 Poststellen und je maximal 25 Zeitungen und Zeitschriften beschränkt wird, bei Erfolg aber auf 1000 Stellen ausgedehnt werden kann, war deshalb ein Anstoss von aussen nötig. «Wir von Ringier sind auf die Post zugegangen», bekennt Walter Lütolf, Leiter Verlagsservice bei Ringier. Der Grund ist einfach: «Das Haus Ringier gibt Titel heraus, die zu grossen Teilen vom Einzelverkauf leben. Deshalb müssen wir jeden möglichen Kanal für den Presseverkauf nützen.» Pfister von der Post bestätigt: «Die Verleger suchen nach neuen Absatzkanälen und die Post nach zusätzlichen Einnahmequellen.»
Ringier-Kritik an ValoraDass der Test mit der Post indirekt auch als Kritik an der Pressegrossistenrolle des Detailhandelsriesen Valora verstanden werden könnte, verneint Walter Lütolf nicht. «Valora als Pressegrosshändlerin tut nicht genug, um selbst neue Kanäle für den Presseverkauf zu erschliessen.» Das aber wäre gemäss Lütolf ihre «ureigenste Aufgabe», nur schon, weil sich bekanntlich das Kaufverhalten der Kunden ändere und der Presseabsatz an den traditionellen Kiosken seit Jahren rückläufig sei. Darum habe sich Ringier vorgenommen, sich selbst nach zusätzlichen Vertriebswegen umzusehen. «Wir müssen verkaufen – mit oder ohne Valora. Das ist unser einziges Ziel. Es geht uns nicht darum, Valora zu plagen.»
Von Valora war keine Stellungnahme erhältlich. «Wir haben entschieden, uns zu dieser Angelegenheit nicht zu äussern», hiess es auf der Pressestelle. In den Chefetagen dürfte aber keine grosse Überraschung herrschen, hatte doch Ringier-CEO Martin Werfeli schon im letzten November angekündigt, dass sein Konzern im Vertriebsbereich «die Unabhängigkeit von Valora» anstrebe. Ringier wolle aus der «monopolisierten Situation» ausbrechen. Die Verträge mit dem Pressegrossisten waren zudem auf Ende 2004 gekündigt worden.
Pikant: Werfeli hatte damals im selben Atemzug explizit eine zweite «monopolisierte Situation» genannt, von der er sich lösen will: jene der Post. Dass Ringier und andere Verlage diese nun dennoch für sich nützen wollen, ist aus ihrer Sicht kein Widerspruch. Genauso wenig wie die Zusammenarbeit mit Valora: Diese ist nämlich beim Projekt Alternative Zustellorganisation für Zeitschriften (AZO) eingebunden, ein Projekt, das sich bekanntlich tendenziell gegen die Post und ihre Tarife richtet.
Das zeigt: Die Verlage, allen voran Ringier, haben mit den jeweils marktdominanten Logistikern einen neuen Umgang gefunden. Sie setzen dann auf Valora oder Post, wenn es ihnen nützt – andernfalls setzen sie einen oder beide vor die Tür. Lütolf ist sich denn auch bewusst, dass der Test mit der Post den Ausstieg Valoras bei AZO provozieren könnte. Doch das nimmt er in Kauf. «Wir sind doch nicht verpflichtet, mit ein und demselben Partner den Tisch und das Bett zu teilen und dann auch noch mit ihm in die Ferien zu gehen», sagt er.
Bessere RahmenbedingungenStellt sich noch die Frage, weshalb nach dem missratenen Versuch in den 90er-Jahren der Presseverkauf via Post heute erfolgreicher werden soll. Lütolf und Pfister betonen, dass damals der Versuch sowohl von der Post als auch von den Verlagen her punkto Administration «sehr komplex» angelegt gewesen sei, weshalb für beide Seiten das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht gestimmt habe. Komme dazu, dass die Post heute über leistungsfähigere Prozesse verfüge und mittlerweile auch den Convenience-Bereich massiv hochgefahren habe. «Die Post ist heute der grösste Schweizer Papeterist», sagt Lütolf. Und Pfister präzisiert: «2004 haben unsere Schweizerinnen und Schweizer pro Kopf rund 50 Franken für nichtpostalische Artikel ausgegeben». Und noch etwas ist heute anders: Canal poste, das AdScreen-Angebot der Post, kann für die Promotion am POS genutzt werden.
Offen ist noch, welche Verlage mit welchen Titeln beim Post-Test mitmachen werden. Lütolf weiss es nicht genau. Die Auswahlkompetenz liege bei der Post als Sortimentanbieterin. «Wir sind daran interessiert, dass die Post möglichst absatzträchtige Titel auswählt, so dass der Versuch erfolgreich verläuft und Ende 2005 ausgedehnt werden kann», sagt Lütolf. Ziemlich sicher ist, dass auch Tamedia am Versuch teilnimmt. «Man sollte sich einem Test nie verschliessen», meint Tagi-Verlagsleiterin Maili Wolf. Auch bei Jean Frey scheint man Interesse zu zeigen. Dies, obwohl mit der Post noch keine Marge ausgehandelt wurde. «Wir sind uns einig, dass beide Seiten zunächst eine Vorinvestition leisten müssen», sagt Lütolf. Insofern sei derzeit noch kein direkter Vergleich mit der Marge bei Valora möglich. Markus Knöpfli
Vertrieb Die Post will sich erneut als Presseverkäuferin versuchen – und wird für Valora zu einer Konkurrentin.

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