Vorsicht am Rheinknie

Zeitungen Familie Hagemann hat aus dem NZZ-PubliGroupe-Deal gelernt: Für den P-Anteil an der BaZ will die Hauptaktionärin ein Vorkaufsrecht.

Zeitungen Familie Hagemann hat aus dem NZZ-PubliGroupe-Deal gelernt: Für den P-Anteil an der BaZ will die Hauptaktionärin ein Vorkaufsrecht.Ein erstaunliches Jahresergebnis, das die Basler Zeitung Medien (BZM) letzte Woche vorlegte: Obwohl der konsolidierte Umsatz im Geschäftsjahr 2003/04 um 3,2 Prozent erstmals unter die 300-Millionen-Grenze sank, konnte der Betriebsertrag gegenüber der Vorperiode mehr als verneunfacht werden. Bei der BZM macht man sich aber keine Illusionen. «Das Ergebnis ist weniger ein Resultat gesteigerter Erträge, sondern die Folge zum Teil einschneidender Massnahmen im Kostenbereich», gibt BZM-CEO Beat Meyer zu. 5,5 Millionen Franken habe man allein im vergangenen Geschäftsjahr eingespart, davon den grössten Teil im Stammhaus. Die erstmaligen Einsparungen bei der BaZ-Redaktion, deren Jahresbudget um 5 Millionen auf 20 Millionen Franken gestutzt wurde, spiegelt sich noch nicht einmal ganz in den Zahlen wider.Trotz sinkender Erträge wurde das Druckzentrum mit der neuen Zeitungsrotation ebenso realisiert (Investitionskosten: 85 Millionen Franken) wie der BaZ-Relaunch. Beides mit ersten Erfolgen: Dank diversen Neuaufträgen ist die im Sommer in Betrieb genommene Rotationsanlage bereits zu 80 Prozent ausgelastet. Und bei der BaZ stehen seit dem Relaunch am 4. September den bisher 645 Abo-Abbestellungen rund 1100 neue Festabos sowie gut 5000 Schnupperabos gegenüber. «Das ist mehr, als wir erwartet hatten», kommentiert Meyer.
Punkto Konflikt wegen der neuerdings kostenpflichtigen Kulturinserate (WW 36/04) gibt er sich zuversichtlich: «Unterdessen redet man wenigstens wieder miteinander», sagt er. Mittlerweile hat sich die Sache aber zugespitzt: Am 1. November boykottierten die Kulturschaffenden die BaZ-Agenda weitgehend. Zudem fordert ein neues Komitee via Petition einen NZZ-Split für Basel.
Während das Stammhaus beim Umsatz einen Rückgang um 11 Millionen Franken hinnehmen musste, blieb die BZM beim Kundendruck mit 118 Millionen Franken stabil. Die Gratiszeitung Baslerstab verringerte ihren Umsatz um 600 000 Franken auf 28,6 Millionen Franken und Radio Basel One befindet sich gemäss Meyer mit einem Umsatz von 2,4 Millionen Franken auf Budgetkurs, schreibt aber noch rote Zahlen.
Beunruhigt über Gerüchte um PSeit Mitte Jahr laufen die Verhandlungen zwischen PubliGroupe und BZM über einen neuen Kooperationsvertrag. Wo steht man heute? «Wir sind mitten in der Diskussion», sagt Meyer. Mehr will er nicht sagen. Er bestätigt aber, dass der Deal zwischen P und NZZ auch in Basel «sehr erstaunt» hat. Und die Gerüchte, wonach die P ihre BZM-Anteile (derzeit 37 Prozent) gegen eine weitere Pacht veräussern könnte, sind für Meyer «mühsam und beunruhigend». Die P habe sich aber klar zu ihrem Engagement bei der BZM bekannt «und wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln.» In den Vertragsverhandlungen werde man «diesen wichtigen Punkt aber thematisieren und eine Klausel beantragen, die der Familie Hagemann als Mehrheitsaktionärin ein Vorkaufsrecht sichert. Ob schon bisher ein Vorkaufsrecht auf die P-Anteile bestand, wollte Meyer nicht sagen.
Markus Knöpfli

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