Die Basler am Ball

Presse-TV Die BaZ lanciert den «Fussballtalk». Die Crossmedia-Sponsoringplattform konkurriert direkt mit SF 1.

Presse-TV Die BaZ lanciert den «Fussballtalk». Die Crossmedia-Sponsoringplattform konkurriert direkt mit SF 1. «Ich hätte nicht gedacht, dass das Schweizer Fernsehen so etwas zu Stande bringt», staunt ein Fan des FC Basel auf FCBForum.ch. Nicht zu Unrecht, denn die neue Sportsendung «Fussballtalk» ist in Wirklichkeit ein Produkt der Basler Zeitung Medien und läuft nicht nur auf SF 2.«Fussballtalk» hat Anfang Oktober die bisherige Gesprächsrunde «BaZ-Standpunkte» im Presse-TV abgelöst. Statt über politische und kulturelle Themen wird nun jeden dritten Samstagabend über die schönste Nebensache der Welt diskutiert. Der zündende Gedanke kam von Ivo Bachmann, Chefredaktor der Basler Zeitung (BaZ). Bachmann habe die Kernkompetenz Fussball der BaZ ins Presse-TV einbringen wollen, sagt Mike Helmy, Geschäftsführer von Allcomm Productions und Produzent des «Fussballtalks». Bei Allcomm stiess Bachmann auf offene Ohren: «Wir fanden schon lange, dass man den Sendeplatz spannender und mit besseren Quoten nutzen könnte.» Die «Standpunkte» sahen durchschnittlich 20000 bis 30000 Personen. Mit dem «Fussballtalk» strebt die Basler Zeitung 200000 bis 250000 Zuschauer an.
Strategie Multikanal
Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die Sendung crossmedial konzipiert. Zuschauerfragen werden am Dienstag nach der Erstausstrahlung in der BaZ weiterbearbeitet. Eine Zweitausstrahlung auf dem Ostschweizer Regionalsender TeleTop erhöht die Verbreitung. Zudem kann der «Fussballtalk» während drei Wochen rund um die Uhr auf Sportradio.ch betrachtet werden.
Diese zusätzlichen Kanäle hat die Sendung auch nötig. Denn der Sendeplatz ist alles andere als ideal. Das Presse-TV-Format konkurriert direkt mit SF 1: Am Samstagabend überschneidet es sich mit «Sport Aktuell», bei der Zweitausstrahlung am Sonntagnachmittag mit dem «Sport-
panorama». Die erste Ausgabe blieb klar unter dem Ziel. Laut Helmy erreichte sie in der Spitze 83000 Zuschauer. Die Wiederholung brachte etwa 30000 Personen, mit TeleTop und Sportradio.ch dürften rund 150000 Zuschauer erreicht werden.
Testversuch Web-TV
Wie viel die junge Online-Plattform Sportradio.ch zum Erfolg beitragen kann, muss sich erst zeigen. Nutzungszahlen werde man nach Ablauf der ersten drei Wochen präsentieren, sagt Initiant Adrian Fetscherin. Er rechnet mit 30000 bis 40000 Abrufen. Für Sportradio.ch ist «Fussballtalk» ein Testversuch. Man prüfe zurzeit grundsätzlich Bildübertragungen, allerdings in anderen Sportarten, so Fetscherin. Auch wenn die Qualität zurzeit noch nicht optimal ist, hält er Fernsehen via Web für unaufhaltbar.
«Fussballtalk» ist deutlich teurer als «BaZ-Standpunkte». Branchenkenner schätzen den Aufwand auf rund 45000 Franken pro Sendung. Der Beitrag aus dem Presse-TV-Topf reicht dazu bei weitem nicht aus. «Wir sind stolz darauf, dass wir mit einem klugen Sponsoringkonzept die Finanzierung zu 100 Prozent sichern konnten», strahlt Helmy. Als Hauptsponsor ist der Bierbrauer Carlsberg mit seiner alkoholfreien Marke dabei. In der ersten Ausgabe wurde eifrig Bier getrunken. Die Gäs-te verschwanden manchmal hinter den Bierflaschen im Vordergrund. «Wir haben in der Sendekritik festgestellt, dass die Regie beim Product Placement übers Ziel hinausgeschossen ist», gibt Helmy zu. Statt auf Flaschen solle künftig mehr auf die Studiogäste gezoomt werden. Rechtlich ist der Sponsoringauftritt von Carlsberg wasserdicht: Das hat Allcomm im Voraus beim Bundesamt für Kommunikation abgeklärt.
Der neue «Fussballtalk» ist der Nachfolger von «BaZ-Standpunkte».
Als Hauptsponsor fungiert der dänische Bierbrauer Carlsberg.
Stefano Monachesi

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