Viele Zahlen und ein Überraschungsgast

Auflagen 71 Printprodukte weisen freiwillig aktualisierte Zahlen aus. Auch die Weltwoche zieht mit.

Auflagen 71 Printprodukte weisen freiwillig aktualisierte Zahlen aus. Auch die Weltwoche zieht mit.
Überraschungsgäste präsentiert die Zwischenbeglaubigung der Wemf: Die Jean Frey AG hat mit ihren Titeln Beobachter, Bilanz, TR 7 und Weltwoche doch teilgenommen. Noch im August erklärte Kadermann Peter Kümmerli der Werbewoche, Jean Frey habe sich gegen die Zwischenbeglaubigung entschieden, weil man keine dynamische Entwicklung erwarte. Der Verlag stecke seine Ressourcen lieber ins Marketing. Doch weil sich eine breite Teilnahme abzeichnete, habe die Jean Frey AG es sich anders überlegt, erläutert CEO Filippo Leutenegger den Sinneswandel an der Förrlibuckstrasse: «Wir haben nichts zu verstecken!»Bilanz als grosser VerliererAuch nicht den Einbruch des Wirtschaftsmagazins Bilanz. Dessen Auflage sank um 17,75 Prozent auf 34841 Exemplare. Mit der Umstellung auf halbmonatliches Erscheinen per Anfang 2005 versucht Jean Frey die Flucht nach vorn aus dem Fiasko. Die Konkurrenz schnitt deutlich besser ab: Finanz und Wirtschaft verlor 2,04 Prozent, Cash stagnierte (+0,11 %) und Stocks legte – nach dem Wechsel vom Wochen- auf den Halbmonatsrhythmus – um ganze 31,69 Prozent zu. Die HandelsZeitung nahm an der Zwischenbeglaubigung nicht teil.
Facts glänzt am KioskDie Jean-Frey-Titel TR 7 (+0,70%) und Beobachter (–0,74%) zeigten tatsächlich wenig Dynamik. TR 7 verringerte den Abstand zum Rivalen Tele ein wenig, weil dieser 4,50 Prozent Auflage einbüsste. Die Weltwoche fiel mit einem Verlust von 2,83 Prozent ungefähr auf das Niveau von 2002 zurück. Der Verlag spricht von einer Stabilisierung auf hohem Niveau. Stabilisiert hat sich vor allem die Abozahl. Sie sank um nur 0,14 Prozent. Der Einzelverkauf ist dagegen um 14,25 Prozent eingebrochen. Anders beim Konkurrenten Facts: Das Newsmagazin aus dem Haus der Tamedia steigerte den Einzelverkauf um bemerkenswerte 8,56 Prozent, während die Abonnements um 7,17 Prozent zurückgingen. Insgesamt verkauft Facts 4,56 Prozent weniger.
Auch andere Zeitschriften haben den Rückwärtsgang eingelegt. Bei den Frauenmagazinen büsste Annabelle 8,21 Prozent ein, Bolero 1,35 Prozent (verglichen mit einer provisorischen Beglaubigung des ersten Quartals 2004). Die Glückspost verkaufte 6,31 Prozent Exemplare weniger. Ihr monatliches Special Glückspost Super-Rätsel legte dagegen um 0,43 Prozent zu. Gewinne weisen auch die Schweizer Familie (+1,54%) und die Schweizer Illustrierte aus, die um 0,25 Prozent wuchs.
Die Tageszeitungen beteiligten sich nur spärlich an der Zwischenbeglaubigung. Durch Abwesenheit glänzen unter anderem Mittelland Zeitung, Berner Zeitung/Bund, Südostschweiz und St. Galler Tagblatt. Der Blick verzichtete ebenfalls auf die Teilnahme, weil sein Tabloid-Experiment vom Frühling die Zahlen verfälscht hätte. Als Gewinner präsentierten sich 20 Minuten (+3,20%), aber auch die Neue Luzerner Zeitung (+0,29%). Leichte Verluste erlitten der Tages-Anzeiger (–0,14%) und die Basler Zeitung (–1,19%). Die Neue Zürcher Zeitung büsste sogar 2,51 Prozent ein.
Kampfzone Sonntag
Besser ging es der jungen Schwester: Die NZZ am Sonntag legte dank der Umwandlung von Gratisabonnements aus der Launchphase deutlich zu. Die Gesamtauflage stieg um beachtliche 19,80 Prozent auf 108011 Exemplare. Auch der Einzelverkauf hat seinen Teil zum Wachstum beigetragen. Er legte um 4,50 Prozent zu – offensichtlich auf Kosten der Konkurrenz. Die SonntagsZeitung büsste am Kiosk 0,57 Prozent ein, der SonntagsBlick sogar 3,13 Prozent. Bei den Abonnements verzeichnen diese beiden Titel hingegen einen Aufwärtstrend. Insgesamt stieg die Auflage der SonntagsZeitung damit um 0,41 Prozent, während das Ringier-Produkt SonntagsBlick um 1,67 Prozent zurückfiel.
Das Duell der orangen Riesen findet erst in der nächsten regulären Beglaubigung seine Fortsetzung: Die Migros-Presse verzichtete auf eine Teilnahme an der Zwischenbeglaubigung, sodass nur von der Coop-Zeitung aktuelle Zahlen vorliegen. Sie legte in allen Landesteilen zu und steigerte ihre Auflage schweizweit um 2,27 Prozent auf 2,278 Millionen (Gratis-)Exemplare.
Eins für zwischendurchWegen eines Systemwechsels findet die nächste reguläre Beglaubigung erst im Herbst 2005 statt. Die Zahlen vom Frühling dieses Jahres gelten also 18 Monate lang. Mit der Zwischenbeglaubigung wollte die Wemf jenen Titeln entgegenkommen, die in der Zwischenzeit wesentliche Veränderungen durchgemacht haben.
Diese Botschaft scheint nicht überall angekommen zu sein. So etwa beim Luzerner Kantonsblatt, das einen Rückgang von 4778 auf 4757 Exemplare (–0,44%) beglaubigen liess. Den Vogel abgeschossen hat die Schweizer Holz-Zeitung:
Sie legte von 1738 auf 1739 Exemplare zu.
Überhaupt kein Interesse weckte die Zwischenbeglaubigung in der Romandie. Nur einige Titel, deren Deutschschweizer Pendants teilnahmen, sind auf der Liste zu finden, zum Beispiel Automobil Revue/Revue Automobile.
Insgesamt umfasst die Zwischenbeglaubigung 71 Titel. Sie bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. Juli 2003 bis 30. Juni 2004. (sm)
Stefano Monachesi

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