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Radio Der Konzessionsentscheid für das Zürcher Jugendradio steht bevor. Einsprachen dürften den Start bis 2006 verzögern.

Radio Der Konzessionsentscheid für das Zürcher Jugendradio steht bevor. Einsprachen dürften den Start bis 2006 verzögern.Nie zuvor war ein neues Privatradio so umstritten wie das Zürcher Jugendradio. Laut ursprünglichem Fahrplan hätte das Konzessionierungsverfahren im Winter 2003/ 2004 erledigt sein sollen. Jetzt werden die Bewerber ungeduldig, weil der Entscheid immer noch aussteht.
Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom), das die Entscheidungsgrundlagen zuhanden des UVEK vorbereitet, macht es sich nicht leicht. Die Abklärungen und Gespräche mit den Bewerbern dauern deutlich länger als vorgesehen. In den kommenden Wochen dürfte der Entscheid nun fallen. Dass das Jugendradio aber tatsächlich wie erwartet Anfang 2005 starten kann, ist kaum zu erwarten, denn Rekurse gegen den Entscheid sind fast so sicher wie das Amen in der Kirche (siehe «Vorprogrammierte Verzögerung»).
Tatsache ist: Die Wünsche und Ansprüche an die neue Jugendwelle gehen weit auseinander. So monierte der Regierungsrat des Kantons Zürich in der Vernehmlassung bei allen Sendern zu wenig Bildung und zu viel Musik, Bewerber sprechen schon jetzt von einem zu kleinen Sendegebiet, und für die Werbeauftraggeber würde nur ein nationales Jugendradio wirklich Sinn machen.
Keine neuen RahmenbedingungenDoch an den Grundbedingungen lässt sich nicht rütteln. Zu diesen gehört auch die Grösse des Sendegebiets, das nur rund die Hälfte des
Publikumspotenzials von Radio 24 oder Energy Zürich ausmacht. «Zu wenig für den langfristigen Erfolg», hatte Suzanne Speich bereits im Vorfeld moniert. Trotzdem will sie ihr Projekt Groove FM nicht zurückziehen. «Wir würden mit dem beginnen, was wir bekommen, uns aber bald nach erhaltener Konzession um eine Gebietserweiterung
bewerben», so Speich.
Solchen Hoffnungen macht das Bakom einen Strich durch die Rechnung. Eine rasche Vergrösserung des Sendegebietes sei nur schon nicht möglich, weil damit das ganze Konzessionierungsverfahren umgestossen würde, erklärt Roland Zbinden, beim Bakom zuständig für das Jugendradio. Der neue Sender müsse zuerst im vorgeschriebenen Rahmen operieren. «Erst wenn sich nach längerer Zeit herausstellt, dass die Gebietsgrösse ein echtes Problem ist, müsste man im Rahmen einer globalen Neustrukturierung der Lokalradiolandschaft erneut über die Bücher. Das dürfte aber erst in einigen Jahren geschehen», so Zbinden.
Eine weitere Klippe ist die Frage der Finanzierung. Diese muss auf sehr soliden Füssen stehen, denn für den neuen Jugendsender sind Zuschüsse aus dem Gebührentopf im vornherein ausgeschlossen.
Eine starke finanzielle Basis ist aber unabdingbar für jeden Sender, der sich im hochkompetitiven Zürcher Radiomarkt behaupten will. Aus der Vergangenheit ist bekannt, dass Newcomer regelmässig Zeitdauer und Mitteleinsatz unterschätzen, die nötig sind, um im Publikums- und Werbemarkt einigermassen Fuss zu fassen. «Falls wir die Konzession erhalten, wird das selbst für eine so erfahrene Organisation wie die unsere kein Spaziergang werden», erklärt Giuseppe Scaglione, Initiant von Music First.
Ein anderer Stolperstein betrifft die Forderung an die Jugendwelle, sie dürfe den etablierten Radios im Grossraum Zürich weder im Publikums- noch im Werbemarkt spürbare Marktanteile wegnehmen. Das ist eine Illusion. Denn in Konkurrenz tritt ein neuer Sender bereits am ersten Tag, an dem er Werbespots verkaufen will. Das ist der Markt.
Einsprachen sind gewissDeshalb sind Einsprachen gegen den bevorstehenden Konzessionsentscheid nicht nur von abgewiesenen Bewerbern, sondern auch von den etablierten Sendern zu erwarten. Radio 24 und Energy überlegen sich genau, welche Konkurrenz für sie am wenigsten schmerzhaft sein wird. «Möglich ist, dass die beiden Zürcher Platzhirsche gegen den Konzessionsentscheid grundsätzlich rekurrieren, um sich die neue Konkurrenz wenigstens noch eine Zeit lang vom Leibe zu halten», kann sich RadioMax-Initiant Mike Gut vorstellen.
Die Angst von Radio 24 und Energy, zu viel junges Publikum an die neue Jugendwelle zu verlieren, ist nachvollziehbar. Denn damit würde das bereits recht hohe Durchschnittsalter ihrer Hörerschaften – 39,9 Jahre bei Radio 24, 39,1 Jahre bei Energy Zürich – weiter nach oben getrieben. Das liegt aber sicher nicht in ihrem Interesse.
Buhlen um die Gunst der Jungen: Radio 24 und Energy fürchten die Konkurrenz des Zürcher Jugendradios.
Drei Favoriten Unter den fünf Bewerbern um die Zürcher Jugendfrequenz gibt es drei Favoriten: Music First, hinter dem Giuseppe Scaglione (Radio 105) steht, hatte in der Vernehmlassung vom Zürcher Stadtrat den Vorzug bekommen. Für den Regierungsrat war das Projekt immerhin die 2. Wahl.
Ebenfalls gut im Rennen ist DJRadio. Das Internetradio von Egon Blatter, das bereits seit Herbst 2000 im Netz sendet, ist der bevorzugte Anwärter des Zürcher Regierungsrates.
Auch RadioMax steht vorne auf der Liste der Favorisierten. Das Projekt von Mike Gut, dem Ex-Marketingleiter von Hitradio Z, hat es unter den vom Zürcher Stadtrat bevorzugten Projekten auf den zweiten Platz geschafft.
Geringer werden die Chancen der beiden anderen Bewerber beurteilt, die weder von Stadt noch Kanton Zürich eine Favoritenrolle
zugesprochen bekamen: Groove FM von Suzanne Speich, das bereits im Vorfeld das Sendegebiet als zu klein kritisiert hatte, sowie das seit
sechs Jahren in Luzern sendende Jugendradio 3Fach, dessen Finanzierungsbasis als zu schmal eingestuft wird.
Vorprogrammierte VerzögerungMit dem demnächst zu erwartenden Konzessionierungsentscheid des UVEK ist die Zitterpartie nicht ausgestanden. Denn der vom Departement gefällte Beschluss kann mittels Verwaltungsbeschwerde beim Bundesrat angefochten werden. Das nimmt Zeit in Anspruch.
Roland Zbinden, beim Bakom für das Dossier Jugendradio zuständig, rechnet mit «rund einem Jahr», bis
ein Rekursentscheid von der oberen Instanz vorliegen würde. Immerhin: Selbst wenn alle vier abgewiesenen Projekte mit Einsprachen reagieren, ist dieser Zeitraum realistisch, «denn die Beschwerdeverfahren würden
parallel laufen», so Zbinden.
Höchst unangenehm sind die zu
erwartenden Rekurse gegen das Zürcher Jugendradio, insbesondere für
jenes der fünf Projekte, das die Konzession zugesprochen erhält. Denn es bliebe ihm verwehrt, auf Sendung zu gehen, solange die Angelegenheit nicht rechtskräftig erledigt ist. (dse)
Daniel Schifferle

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