Die Russen kommen

Ausländerpresse Der Rubel soll rollen: Eine neue Zeitung macht Russen in der Schweiz zur Zielgruppe.

Ausländerpresse Der Rubel soll rollen: Eine neue Zeitung macht Russen in der Schweiz zur Zielgruppe.«Russkaja Schwejzarija» nennen sich in Russland zahlreiche Regionen mit malerischen Landschaften. Russkaja Schwejzarija – Russische Schweiz – heisst auch die Monatszeitung, die Alexandr Peske und Serguei Sander seit Anfang Mai in Zürich herausgeben. Sie erscheint vollständig in russischer Sprache und kyrillischer Schrift. Immer mehr Menschen aus Ufa, Tscheljabinsk oder Krasnaja Poljana leben in der Schweiz oder verbringen ihren Urlaub hier. Genaue Zahlen gibt es nicht. Peske und Sander schätzen die russischsprachigen Immigranten auf rund 25000 Personen. Allein im Raum Zürich seien es über 4000. Viele, die in Sowjetzeiten hierher gezogen sind, haben mittlerweile einen Schweizer Pass. Die Verleger von Russkaja Schwejzarija halten sie für eine hervorragende Zielgruppe. Es handle sich vorwiegend um 30- bis 50-Jährige «mit Hochschulabschluss, kaufkräftig, weltgewandt und mit sehr grossem Interesse an Lifestyle und Luxusgütern». Auch die Geschäftsleute und Touristen aus den GUS-Staaten verfügten über hohe Einkommen und Sozialstatus, heisst es in der Mediadokumentation.
Diesen Leuten bietet Russkaja Schwejzarija Reportagen und Interviews über Gesellschaft, Wirtschaft, Integration, Kultur und Lifestyle. Als Service-Elemente finden sich Statistiken, Rechtsauskünfte und Berichte über das Leben der russischen Diaspora in der Schweiz.
Onlineforum als Basis
Entstanden ist die Monatszeitschrift aus dem Onlineforum Ruswiss.ch, das Serguei Sander bereits vor vier Jahren lanciert hat. Damals war der Mathematiker und IT-Experte als Webentwickler bei Tamedia tätig und unter anderem für die Online-Auftritte von TV 3 und Du verantwortlich.
Ruswiss.ch weist heute 3000 registrierte Nutzer und 1000 Besucher pro Tag aus, die Sander vom Net-Audit der Wemf beglaubigen lässt. Die Zeitung lanciert er mit einer Auflage von 6000 Exemplaren. Sie erscheint als Tabloid mit bisher 16 bis 20 Seiten und kann abonniert oder für 3.50 Franken am Kiosk und in russischen Geschäften gekauft werden. Zudem steht sie kostenlos als PDF auf der Website zur Verfügung.
Die Anzeigenvermarktung übernimmt die Zürcher Agentur PubliFine. Laut Geschäftsführer Werner Marthaler werden hauptsächlich Hotels und Touristenzentren sowie russische Geschäfte angesprochen. Daneben bemüht man sich auch um Kunden aus dem Luxussegment – Marthaler nennt Schönheitskliniken als Beispiel. Auf Wunsch werden vorliegende Anzeigen ins Russische übersetzt.
Russkaja Schwejzarija: Die Monatszeitung setzt auf eine attraktive Marktlücke.

Vernachlässigte AusländerRusskaja Schwejzarija ist die erste russische Zeitung in der Schweiz.
Andere fremdsprachige Gemeinschaften verfügen ebenfalls über eigene Medien. Die Datenbank der Schweizer Presse zählt zehn italienische, neun portugiesische, sechs spanische und drei türkische Titel. Auf Albanisch erscheinen zwei Tageszeitungen.
Auf dem Werbemarkt haben es diese Titel schwer. «In den Agenturen kennt man unsere Medien gar nicht», klagt Antonio Campanile, der mit
seiner Firma Mediapresse italienische, spanische und portugiesische Blätter betreut. Fremdsprachige Zeitungen seien kaum akzeptiert. Im Schnitt verbuchen die Mediapresse-Titel nur fünf bis zehn Prozent Schweizer Kunden.
«Die Ausländerpresse ist als Gattung wenig bekannt», stimmt Urs Schneider von der Agentur Mediaschneider zu. Die Titel seien selten
beglaubigt und für den Massenmarkt nicht interessant. Ronny Schmid von Konnex kann sich einen Einsatz vor allem als Goodwill-Aktion vorstellen. Dass wegen der Fremdsprache das Werbeumfeld kaum einzuschätzen ist, kommt für ihn erschwerend dazu. (sm)
Stefano Monachesi

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