Snack épicé pour une faim intellectuelle

Gratiszeitschriften Basler Texter und Fotografen erfinden ein neues Format: Sodbrand fusioniert das Lifestyle-Magazin mit Gratispostkarten.

Gratiszeitschriften Basler Texter und Fotografen erfinden ein neues Format: Sodbrand fusioniert das Lifestyle-Magazin mit Gratispostkarten.Ab Juli haben die Basler Sodbrand – freiwillig und kostenlos. Unter diesem Namen lanciert eine Gruppe junger Texter und Fotografen eine Gratiszeitschrift, die eines nicht will: leicht verdaulich sein.Sodbrand ist das Gefühl im Magen, nachdem man einen zünftigen Kebab zu schnell verdrückt hat. «Mit alles und viel Scharf!» heisst denn auch das Motto des Magazins Sodbrand. Die geistigen Magensäfte werden mit einem ungewöhnlichen Konzept angeregt. Die Zeitschrift erscheint zweimonatlich in Form von dreissig heraustrennbaren Karten von 210 auf 105 Millimeter. Auf der Vorderseite steht jeweils eine Fotografie, auf der Rückseite ein Text. Der Clou: Die beiden Beiträge haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Bild- und Textredaktion produzieren unabhängig, Artikel und Illustrationen werden getrennt in eine Reihenfolge gebracht. So entstehen zufällige Kombinationen. Erst das gemeinsame Thema jeder Ausgabe – «Fieber» in der Startnummer vom Juli – lässt ungeplante Assoziationen beim Leser entstehen.
«Sodbrand gibt Bildern und Texten ganzes Gewicht, ohne zu belasten», wird das Konzept in der Nullnummer beschrieben. «Dabei findet sich, was sonst verloren geht. Und bricht auf, was sonst zusammenklebt.» Das Magazin hat darum nicht nur Leser, sondern gleichzeitig Betrachter, die sich Gedanken über die Beziehung von Bild und Wort machen müssen. So sollen Denkanstösse und Inspirationen vermittelt werden.
Mit dieser Idee möchten sich die im Verein Sodbrand zusammengeschlossenen Macher von der Konkurrenz im Lifestylemedienmarkt abgrenzen. «Viele Autoren und Fotografen fühlen, dass gewöhnliche Gratismagazine inhaltlich flau sind», meint Bildredaktor Benjamin Füglister. «Sie bestehen fast nur aus Werbung und redaktioneller Werbung.»
Werbung hat ihren Platz aber auch bei Sodbrand. Zehn der 30 Karten sind für Anzeigenkunden vorgesehen. Auch ihnen stehen jeweils Vorder- und Rückseite zur kreativen Nutzung zur Verfügung. Allerdings solle sich die Werbung deutlich vom redaktionellen Inhalt unterscheiden lassen, sagt Füglister.
Die Zielgruppe des Postkartenmagazins sind urbane Personen zwischen 20 und 40 Jahren, kaufkräftig, stilbedacht und anspruchsvoll. Kulturell aktive Augenmenschen sollen mit ästhetischer Nahrung versorgt werden. Sie finden Sodbrand gratis aufgelegt in Basler Bars, Clubs, Geschäften und Kulturstätten. Sie können eines der 3000 gedruckten Exemplare komplett einstecken oder nur einzelne Sujets herausreissen. Die Sodbrand-Macher hoffen auf den Sammlertrieb, der die Karten zum Trend oder gar zu Kultobjekten machen soll.
Wer eine garantiert vollständige und unbefleckte Sammlung besitzen möchte, erhält das Magazin übrigens auch für 18.60 Franken im Buchhandel.
Jede neue Ausgabe von Sodbrand soll jeweils mit einer Party in einem Basler Szenelokal zelebriert werden. Das passt perfekt, meint Benjamin Füglister: «Sodbrand hat man ja oft nach einer durchzechten Nacht.»
Absichtlich nicht leicht verdaulich: Die Sodbrand-Karten zwingen zu neuen Lese- und Sichtweisen.

Vorder- und Rückseiten stehen in zufälligem Wechselspiel.
Stefano Monachesi

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