Sur le fond : meilleures pratiques

Die Geiz-ist-geil-Mentalität – ursprünglich von unserem nördlichen Nachbarn in die Schweiz hineingeschwappt, ist heute bei uns zur Normalität geworden. Okay, zum Teil gab es das auch schon früher.

War man im Tessin in den Ferien, besuchte die Märkte in Luino, um dort billige Schuhe, Kleider und Taschen zu kaufen.

Heute geschieht einfach alles in einem grösseren Massstab. Zigtausende von Schweizer Einkaufstouristen fluten jeden Samstag die Innenstadt von Konstanz und bescheren dem dort ansässigen Handel ein Bombengeschäft. Die Registrierkassen glühen, die Kreditkartenleser sind pausenlos im Einsatz und am Montag versucht dann jeder beim Pausenkaffee mit seinem ach so günstigen Einkauf zu trumpfen. Eine weitere Steigerung finden wir weiter im Norden. Dort sind es die Märkte in Polen nahe der deutschen Grenze, die Abertausende von Konsumenten anziehen. Auswahl riesig, Qualität schlecht, Kopien statt Originale – Hauptsache günstig. Aber auch im Süden muss der Einkaufswütige nicht darben. Jetzt im Sommer gibt es regelmässige Buseinkaufsfahrten von der französischen Riviera hinüber nach Italien. Gefälschte Markenartikel zu unschlagbaren Preisen finden sich dort. Wenn man geschickt ist, kann man den günstigen Preis noch weiter runterdrücken. Das einzige Problem ist, dass der französische Zoll regelmässig äusserst strenge Kontrollen durchführt. Ganze Busladungen von gefälschten Louis- Vuitton-Taschen, Hermes-Tüchern, Gucci-Schuhen und Rolex-Uhren verschwinden dann in einer grossen Mülltonne und werden publikumswirksam öffentlich vernichtet.

Das Bedürfnis, etwas zu einem günstigeren Preis zu erhalten (als angeschrieben, als in der Preisliste stehend, als der Kollege bezahlt hat etc.), scheint ein zutiefst menschliches Bedürfnis zu sein. Diese private Schnäppchenmentalität hat sich aber schon seit einiger Zeit leider auch im Geschäftsleben verbreitet. Noch mehr Rabatt, noch mehr Zusatzleistungen, noch etwas gratis obendrauf, das Feilschen wird so zum beruflichen Hobby. Die Schweizer Medienbranche war jahrelang stolz darauf, tariftreu zu sein. Tempi passati. Spätestens mit dem Erfolg der elektronischen Medien mussten auch die Printmedien erfahren, dass ihre Tarife verhandelbar waren. Das Aufkommen der digitalen Werbung hat das Ganze dann noch beschleunigt.

Jetzt gibt es eine neue Masche. Stellen Sie sich einmal vor, sie gehen in ein gutes Restaurant, lassen sich die Menükarte geben, wählen dann das Menü für 200 Franken und einen Wein für 180 Franken. Das Ganze mit intensiver Beratung seitens des Maître. Der Kunde ist ja schliesslich König. Wenn der arme Kerl dann endlich die Bestellung aufnehmen will, sagen sie, sie hätten aber nur 100 Franken in der Tasche. Was würde passieren? Man würde sie wahrscheinlich sang- und klanglos rausschmeissen.

Erfundene Geschichte? Im Gastrotempel vielleicht. In der Medienbranche Realität oder wie die smarten Jungs und Girls sagen: Best Practice .

Pierre C. Meier, rédacteur en chef

pc.meier@werbewoche.ch
 

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