Farming.plus: «Wir bearbeiten Kundenbedürfnisse – digital»

Farming.plus ist die Verlängerung von drei Konkurrenzmessen in die digitale Welt. Das Konzept dahinter wurde von einem ETH-Spin-Off in enger Zusammenarbeit mit der Messe Luzern entwickelt.

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Am Donnerstag wurde die Beta-Version von Farming.plus, einem digitalen Gemeinschaftsprojekt von drei Wettbewerbern, aufgeschaltet. Hinter Farming.plus steht das Konzept der «digitalen Treffpunkte», welches von dem ETH-Spin-off Industry+ von Addictively in enger Zusammenarbeit mit der Messe Luzern entwickelt wurde. Um das Konzept breiter zum Erfolg zu führen, wurde Industry+ dieses Jahr in Conteo umbenannt, da der Content immer im Zentrum steht (rechts im Bild: Conteo-CEO Matthias Baldinger).

Die Messe Luzern ist ein relativ kleines Unternehmen. Sie hat es geschafft, den digitalen Treffpunkt umzusetzen, obwohl die grössten Veranstalter in Europa bisher daran gescheitert sind.

Sie hat ihre Vision zusammen mit einem Partner entwickelt, basierend auf der Überzeugung, die Lösung nicht nur für sich und exklusiv in Anspruch zu nehmen – im Gegenteil. Es wurde ein Konzept realisiert, das auf die Kooperation mit anderen Messeveranstaltern ausgelegt ist. Auch mit direkten Mitbewerbern. Das Konzept fusst auf der Überzeugung, dass der Zeitpunkt des Treffens von Menschen nicht mehr länger durch den «eigenen» Messetermin diktiert werden kann.

Markus Lauber, CEO der Messe Luzern: «Im digitalen Raum ist nur mit Kooperationen etwas zu gewinnen. Deshalb hat die Messe Luzern nicht versucht, eine proprietäre digitale Lösung zu entwickeln, sondern von Anfang an auf die Zusammenarbeit mit Conteo gesetzt und ist später mit Wettbewerbern Kooperationen eingegangen.» 

Conteo betreibt die digitalen Treffpunkte unabhängig von einer spezifischen Veranstaltung, sodass sich mehrere Veranstaltungen der gleichen Branche einem Treffpunkt anschliessen können. Das jüngste Projekt ist die Kooperation der Suisse-Tier-Messe der Messe Luzern mit der Tier- und Technik-Messe der Olma-Messen St. Gallen, und der Landwirtschaftsmesse Fruchtwelt Bodensee der Messe Friedrichshafen. Damit wird ein kundenorientierter Marktplatz jenseits von isolierten Einzelinteressen von Messeveranstaltern geschaffen. Verkäufer und Einkäufer bleiben, durch Algorithmen gestützt, auch nach der Messe in Kontakt.

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Content Live Marketing: Der digitale Messestand

Die digitalen Treffpunkte bilden einen Marktplatz für ihre jeweiligen Branchen von dem, was auf ihren Messen durch die Aussteller inszeniert wird, nicht wie konventionell von inhaltsleeren PR-Mitteilungen der Aussteller. Das ist eine neue Dimension in der Messekommunikation der Aussteller, ein Quantensprung. Sie ermöglichen eine gezieltere Messevorbereitung.

Conteo nennt das einen «digitalen Messestand». Landwirtinnen und Landwirte können auf Farming.plus ihre Interessen zu zukunftsweisenden Themen hinterlegen und erhalten auf sie zugeschnittene Informationen.

Algorithmen sorgen dafür, dass User mit der Zeit ihre ganz persönliche Datenbank mit ihren spezifischen Interessen zu einer oder verschiedenen Branchenmessen erhalten. Von da ist es dann nicht mehr weit zur Kontaktnahme mit den Ausstellern. Markus Lauber, CEO der Messe Luzern: «Messebesuchende suchen Inspirationen, etwas, das sie noch nicht kennen. Wir bearbeiten das systematisch vor der Messe.»

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Content: Der Königsweg zum digitalen Treffpunkt

Die Messe Luzern (Bild oben) hat gemeinsam mit Conteo den digitalen Treffpunkt entwickelt, der aus Messen moderne, digitale und analoge Marktplätze schafft. Der Schlüssel dahin ist ein Verständnis, wie Messen funktionieren, Technologie und (messebezogener) Content. Aus Live-Marketing – Neudeutsch für Messeauftritte – wird Content-Live-Marketing.

René Ziswiler, Mitglied der Geschäftsführung der Messe Luzern: «Auch Messen als Marktplätze sind heute contentgetrieben. Unsere Idee des digitalen Treffpunkts nimmt das auf: Contentgetriebene Marktplätze gibt auch Unternehmen ohne grosse Messebudgets eine Marktchance.» Markus Lauber «Wir werden über die digitalen Treffpunkte die Messe stärken. Unser Geschäftsmodell bleibt der m2, aber digital ist Teil der Messe.»

 

Jenseits des m2: 365-Tage-Messe

What’s next? Wahrscheinlich eine Match-Making-Funktion zwischen Einkäufern und Verkäufern. Die digitalen Treffpunkte sind ein Work in Progress. So wie der Schweizer Dramatiker einmal «Denken» beschrieb: «Man kann eine Sache nicht zu Ende denken, weil Denken keine Sackgasse ist, in die man einmal bequem einfährt.»