MCH auf dem Weg: «Messeformate müssen sich ändern»

Neue Messeformate, die Erweiterung des Auslandgeschäfts und die Stärkung der Messen in Basel und Zürich, die Digitalisierung von Messen und die Übergabe der Halleninfrastrukturen an neue Betreiber sind der Fokus des notwendigen Turnarounds der MCH Group.

Bern Stadlwieser

Marktveränderungen und Managementfehler

Bernd Stadlwieser nahm zum Einstieg der Pressekonferenz vom 8. August kein Blatt vor den Mund: «Die MCH Group hat viele erfolgreiche Jahre hinter sich. Aber sie litt seit 2016 unter Marktveränderungen und Managementfehlern.» Er sagte auch, notwendigerweise nach drei Jahren der Verunsicherung von Kunden, Aktionären und der Öffentlichkeit: «Wir stehen so schlecht nicht da.»

Sein relativer Optimismus bezieht sich auf das Kerngeschäft «Messen» und auf das Wachstumsfeld Live Marketing Solutions. «Experience», das Kerngeschäft der MCH Live Marketing Solutions, ist das grosse Wachstumsfeld in den USA, wo man den Dienstleister mc2 besitzt. In diesem Markt, dem amerikanischen und dem asiatischen, sieht Bernd Stadlwieser Wachstumsgelegenheiten. Ein weiteres wachsendes Geschäftsfeld ist das Kongressgeschäft, das Türen für die weiteren MCH Group-Aktivitäten öffnet. 

Bernd Stadlwieser nannte einen Dreipunkteplan: Industriemessen wie die Swissbau oder die Ilmac seien stabil, sie sollen gestärkt werden, im Bereich Business:to:Business will man das Kosten:Nutzen-Verhältnis für Aussteller erhöhen und Publikumsmessen müssten «neu erfunden» werden, müssten mehr Erlebisse bieten.

Bernd Stadlwieser hat seine ersten Wochen im Amt seit dem 15. Juni genutzt. «Innovation und Digitalisierung wird ganz stark im Zentrum stehen. Notwendig ist aber auch eine Effizienzsteigerung. Schwierig wird es sein, die Balance zu finden zwischen Restrukturierung und Innovation.»

Angesprochen darauf, ob mit weiteren Entlassungen zu rechnen ist sagte er: «Effizienz heisst nicht nur Mitarbeiter, sondern vor allem Prozesse. Mit der Art Basel sind wir im Digitalen weit voraus. Dieses Know How soll jetzt transformiert werden auf unsere übrigen Messen. Das haben wir bisher nur marginal gemacht. Messeformate müssen sich ändern. Die Verlängerung von Messen ist massiv wichtig. Den Gegensatz von live versus digital gibt es nicht mehr.»

Art Basel Miami Beach

Internationalisierung oder Nationalisierung? Time is everything

Basel und Zürich seien erstklassige Standorte. «Aber wir haben die Internationalisierung teilweise verpasst», sagt Bernd Stadlwieser. Mit Ausnahme der Expansion der Art Basel – der Weltleitmesse – nach Miami Beach (Bild) und Hong Kong sowie der Akquisition der Masterpiece London und ihrer Expansion nach Hong Kong fehle dieser Bereich. Der Messemarkt in den USA (wo man den Dienstleister mc2 übernommen hat) und in Asien sei sehr stabil. «Dieser Markt fehlt uns, ich bin positiv, dass wir in den USA ausbauen können, wir werden investieren müssen», sagt er.

Die MCH Group befindet sich, gleich wie das internationale Messegeschäft generell, in der Transformation. «Aber wir befinden uns in der nächsten Phase», sagt Bernd Stadlwieser. Am MCH-Hauptsitz arbeitet man an der Strategie, an neuen Geschäftsfeldern und an Businessplänen. Die MCH Group hat dazu die Unternehmensberatung McKinsey zugezogen. «Die sind schnell», sagt Bernd Stadlwieser. Er will schnell zu strategischen Entscheidungen kommen, Zeit ist ein Wettbewerbselement. «Wir wollen anfangs 2020 in die Umsetzung gehen. Das sieht gut aus.»

Beurteilend aufgrund des Auftritts von Bernd Stadlwieser: Bei der MCH Group ist eine neue Dynamik spürbar. Sie ist notwendig, aber nicht selbverständlich. Auch andere Veranstalter, auch im Ausland, zeigen sich (noch) unbeweglich und tragen zum Niedergang von berühmten Messen bei. Diese Trägheit scheint in Basel überwunden.

Baselworld

Ein neuer Wind

Das Flaggschiff Baselworld findet im 2020 und wohl darüber hinaus statt. Die vor Jahren übernommene Exhibit & More, deren Messen fast ausnahmslos verschwinden oder rückläufig sind, wird in die Schweizer Messeorganisation integriert und als eigenständige Einheit verschwinden. Auch die im 2018 lancierte Grand Basel für Liebhaberautomobile wird gestoppt. Sie ist mehrheitlich bereits abgeschrieben.

Eine der Kernfragen um die MCH Group ist, wie es weiter geht mit den im Unterhalt teuren Messezentren in Basel und Zürich. Bernd Stadlwieser (Bild) sagte vieldeutig, er wollte zu diesem Thema noch nicht abschliessend Stellung beziehen, aber er insinuierte: «Unsere Hallenauslastung ist nur gering unter dem Durchschnitt in Europa. Aber wir fragen uns: Wer ist der beste Eigentümer unserer Infrastruktur?» Im Klartext: Die Messehallen werden entweder verkauft werden (müssen) oder in eine Betreibergesellschaft ausgegliedert. Die gute Nachricht dazu: es werden keine weiteren ausserordentlichen Abschreibungen auf die Messehallen in Basel und Zürich notwendig.

Bernd Stadelwieser war positiv, offen, transparent. Er sprach über alle brennenden Themen der MCH Group. Er ist ein guter Kommunikator, das ist ein psychologischer Vorteil für ein börsenkotiertes Unternehmen. Die Börse respektive die Zufriedenstellung der Aktionäre zog sich übrigens wie ein roter Faden durch die Überlegungen von Bernd Stadlwieser und war Ausdruck der Aufbruchsstimmung in Basel inklusive dem Signal der Zusammenarbeit mit McKinsey. Seit Anfang 2019, schon vor dem Antritt von Bernd Stadlwieser, ist der Aktienkurs von 18.80 auf 22.60 gestiegen - am Tage seines Medienauftritts weiter auf 23.80. «Aber wir müssen uns auf einen Langzeithorizont einstellen.»