«Live muss alles funktionieren»

Transformation über Innovation: Digitalisierung ist in vielen Branchen schon lange angekommen. Stefan Ingold, CEO von Form Bern, erklärt im Interview mit Expodata, wie aussergewöhnliche Kommunikationsmassnahmen zu Markenwelten im Raum werden.

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Expodata: Stefan Ingold, was bewegt Sie in der Live-Kommunikation zurzeit am meisten?

Stefan Ingold: Persönlich finde ich Live-Kommunikation auf Messen und Events eines der spannendsten Gebiete. Menschen zu treffen und zu begeistern ist eine tolle Sache. Live muss alles funktionieren, du hast keine zweite Chance. Das ist eine Herausforderung. Ich wünschte mir mehr Innovation bei den Messeveranstaltern. Es kann doch nicht sein, dass bei einigen Veranstaltern erst jetzt, nachdem viele das Messer am Hals haben, Themen wie Digitalisierung angegangen werden. Für unser Unternehmen ist die Schnittstelle der Inszenierung und der Digitalisierung unser Fokusthema. Hier sind Stichworte wie Interaktion, NFC Near Field Communication und Erweiterte Realitäten und Virtuelle Realitäten (AR und VR) in der Markeninszenierung unsere Forschungsthemen.

 

Ein kritischer Messebauer sagt aber, der Messestand sei für den Messeerfolg überbewertet. Was sagen Sie?

Richtig, der Inhalt und wie ich diesen vermittle, ist massgebend. Wir müssen es schaffen, die Neugier der Messebesucher zu wecken. Danach sollte auch mit einem gut geschulten und motivierten Standpersonal der Besucher begeistert werden können.

 

Wie definieren Sie ein Markenerlebnis?

Wenn wir es schaffen, Drittpersonen von einer Marke zu begeistern. Wenn die Teilnehmerinnen und die Teilnehmer zu Fans werden.

 

Form sagt, der Schlüssel zum Erfolg sei Innovation. Wie gelangt man dahin?

Unsere Wurzeln reichen 105 Jahre zurück. Das ist als Unternehmen ein sehr langer Zeithorizont. Wir sind in dieser Zeit vom Klischee-Produzenten zum modernen Inszenierer geworden. Eine solche Transformation geht nur über Innovation. Uns macht es grosse Freude, neue Produktionsmöglichkeiten, Kommunikationsmittel, Hard- und Software mit unseren Ideen zu neuen Konzepten zu bündeln. Dies geschieht alles Inhouse, macht Spass und bringt jeden einzelnen weiter.

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Was muss die digitale Transformation für Messen und Events tun - und was kann sie nicht?

Die Digitalisierung ist in vielen Branchen schon lange angekommen. So ist es nur eine Selbstverständlichkeit, dass dies auch bei den Messen endlich Einzug hält. Der Messebesuch fängt als Event schon lange vor der Türöffnung an und endet danach hoffentlich noch lange nicht.
Bei Form haben wir Hardware, wie zum Beispiel grossvolumige 3D-Drucker, Fräsroboter, diverse Digitaldruck- und CNC Maschinen. Mit der Uni Fribourg läuft ein Forschungsprojekt zum Inkjetdruck auf Industrierobotern. Das wird uns die Möglichkeit geben, dreidimensionale Körper direkt zu bedrucken. Im Bereich Software ist 3D, Mapping, Rendering, Datenbanken, Bilderkennung und so weiter in unserem Fokus. Die Vielfalt der verschiedenen Berufsgruppen bei Form hilft uns dabei sehr. Jedoch lässt sich das nur mit motivierten, gut ausgebildeten Mitarbeitern realisieren. Die Lust, Neues zu entdecken, ist unsere DNA.

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Form inszeniert 125 Swisscom-Shops jeden Monat neu. Wie drückt sich hier Innovation aus im Gegensatz zur historischen «Kulissenschieberei» im Laden und auf Messen?

Es ist natürlich Wahnsinn, für einen solchen Kunden, jeden Monat neu, seine Themen in den Shops inszenieren zu dürfen. Es sind keine Kulissen mehr, sondern verschiedene, zum Teil komplexe Themen, welche Stimmig in Szene gebracht werden. Hierzu kommen Faktoren wie knappste Zeitintervalle, Budgetvorgaben und räumliche Komponenten. Jeder Shop ist in der Ausführung einzigartig. Die Bespielflächen sind unterschiedlich in Sprache, Fläche, Anzahl und Gestaltung. Hierzu haben wir ein eigenes Tool programmiert, das Shopper heisst. Im Shopper sind sämtliche Bespielpunkte erfasst. Sämtliche Produktionsmengen werden dort ersichtlich. Auch beim Verladen der 20 Team hilft der Shopper auf dem Handy mit dem Tourplanungstool, dass der Dekorateur das richtige Material verlädt mithilfe von QR-Codes. So werden 125 Shops genau nach Vorgaben inszeniert, dokumentiert und der Kunde sieht live im Shopper, dass alles fehlerfrei läuft.

 

Stimmt es, dass 3D-Druck sich erst eignet für Prototypen, aber nicht für Massenproduktion?

Die Möglichkeiten beim 3D-Druck sind fantastisch! Geschwindigkeit und Materialvielseitigkeit wird sehr stark zunehmen. Das wird den grossen Marktdurchbruch bringen. Wir vertreiben zusammen mit einem Partner verschiedene 3D-Drucker. Es gibt Designvorlagen, die lassen sich nur mit diesen Systemen umsetzen. Jedoch sind diese 3D-Drucker erst in der Startphase. Vergleichbar als wir vor 25 Jahren die erste Digitaldruckmaschine gekauft hatten, wurden wir auch belächelt. Heute ist es Standard. Das Gleiche passierte uns beim Digitalfotostudio.

 

Bitte beenden Sie den folgenden Satz: «Nach der digitalen Transformation werden Messen/Events...

... von der Einladung bis zur Nachbearbeitung wirken.»