Turnaround: Das Hallenstadion nach der Ära ZSC

Das Hallenstadion nutzt die Zeit bis zum Auszug des ZSC im 2022 zur Zusammenarbeit mit der MCH Group und zur Neupositionierung in Live Entertainment und im Kongressgeschäft. Und sucht einen neuen CEO.

Art on Ice

Die AG Hallenstadion hatte im Geschäftsjahr 2018 mit 141 Events die beste Auslastung in den letzten Jahren. Aber wenn im Mai 2022 der letzte ZSC-Puck im Hallenstadion ins Netz flattert, muss sie neu aufgestellt sein. Der ZSC sorgte für 20 Prozent des Ertrags, das waren im 2018 rund 4 Millionen Franken von insgesamt 21,67 Millionen Franken Umsatz und 303'000 BesucherInnen, im Vergleich dazu zogen Popkonzerte nur wenig mehr an mit 327'000 Gästen.

Verwaltungsratspräsident Balz Hösly, auch Verwaltungsrat bei der MCH Group, sprach von einem notwendigen, neuen Geschäftsmodell mit drei Säulen:

Die Flaggschiffstrategie: Das Hallenstadion als Flaggschiff (Sprungbrett) für schweizerische und europäische Künstler heisst: wer im Hallenstadion erfolgreich ist, der oder die bringts auch in Europa.

Der Ausbau des Business Tourismus im Kongress- repektive MICE-Geschäft.

Schliesslich die Bereitstellung eines 365Tageangebots für einen neuen Mix von Veranstaltungen. Diese neue Flexibilität, man kann ab 2022 mehr mehrtägige Events beherbergen, sind die positive Seite des Wegzugs des Zürcher Schlittschuhclubs ZSC, wenn man das so bezeichnen möchte. Wir brauchen eine stärkere aktive Vermarktung unseres Veranstaltungs- und  Eventmixes», sagte Balz Hösly. Er will darüber hinaus, zumindest im schweizerischen Geschäft, digital Venue Leader werden. Die AG Hallenstadion AG wird in den nächsten fünf Jahren darin, in Catering und in VIP-Zonen 10 bis 12 Millionen Franken investieren.

Gold Night 2017

Herausforderung Europa

Das Hallenstadion steht als Konzerthalle in einem europäischen und mit dem Aufkommen von neuen Arenen in Südamerika, China und den Emiraten sogar in einem weltweiten Wettbewerb und der ist angespannt. Balz Hösly sagte, dank der «Flaggschiffstrategie» sei das Hallenstadion eine bekannte Marke, um die man in der Schweiz nicht herumkomme.

Teil der notwendigen Neuausrichtung ist eine projektbezogene Zusammenarbeit auf globaler Ebene mit der unmittelbar benachbarten Messe Zürich und deren Besitzer, MCH Group im Bereich Live Events und Kongresse, die keiner der beiden künftigen Partner aus eigener Kraft an Land zu ziehen vermöchte. Und auch hier will Verwaltungsratspräsident Balz Hösly auf globaler Ebene Akquise betreiben.

CS

Gutes Geschäftsjahr 2018

Geht es dem Hallenstadion gut oder schlecht? Gut. Mit 141 Eventtagen wurde ein Spitzenergebnis erreicht. Die Besucherzahl liegt mit 966'000 im Rahmen der letzten Jahre. Der Ertrag stieg auf 21.673 Millionen Franken und das Eigenkapital liegt neu bei 22,77 Millionen Franken.

Aber das Eventumfeld wird angespannter. Im 2018 fanden im Hallenstadion zwar 15,6 Prozent mehr Eventtage statt, aber es besuchten nur 11 Prozent mehr Gäste die Zürcher Arena.

Und im 2022? Es wird nicht einfach werden. Im Bereich von Live Entertainment existiert ein laufend steigendes Überangebot an Venues, und was das heisst, weiss man: Erosion der Preise.

Der Markt für Business-Events, dem grossen Zukunftsfeld des Hallenstadions nach dem Auszug des ZSC, ist gemäss Balz Hösly ebenfalls rückläufig.

 

Transformation: Kein Wort von Krise

Als CEO Felix Frei vor zwölf Jahren im Hallenstadion begann, beliefen sich die Gesamterträge zu 80 Prozent aus Fixmieten und 20 Prozent aus Ticketbeteiligung. Heute sind die Verhältnisse genau umgekehrt: Nur noch 20 Prozent der Erträge sind durch die Hallenvermietung gedeckt, aber 80 Prozent sind abhängig von der Zuschauergunst. Im Klartext: Das unternehmerische Risiko der AG Hallenstadion AG ist in den letzten Jahren unverhältnismässig angestiegen. CEO Felix Frei spricht von einer «Margenerosion».

Was ist ein neues Geschäftsmodell? Es ist ganz einfach: wenn der grösste Kunde ZSC als Klumpenrisiko mit 4 Millionen Franken Umsatz im 2022 aus dem Hallenstadion in ein neues Eishockeystadion auszieht, ist Kreativität gefordert.

Wie häufig kam die Transformation auf äusseren Druck zustande. Und die Führung der AG Hallenstadion reagiert früh. Auch die Kommunikation, stets ein untrügliches Zeichen für die Befindlichkeit, die Seele eines Unternehmens, ist mustergültig. Ein Wehrmutstropfen ist der Weggang des bisher erfolgreichen Felix Frei. Nach zwölf Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit wird er die AG Hallenstadion verlassen, spätestens nach der Eishockey WM 2020 in Zürich und Lausanne. Das neue Anforderungsprofil eines Direktors/CEO findet man auf der Webpage des Hallenstadions.