Was tut die Grand Basel auf der IAA?

Es ist erstaunlich. Die MCH Group braucht alle Hilfe und erhält sie. Zuerst in der Kooperation mit dem SIHH, jetzt mit der IAA Frankfurt.

Grand Basel

Die MCH Group hat viel in neue Messen in der Schweiz investiert. Zum Beispiel in die im 2018 erstmals geführte Grand Basel für Lieberhaberautomobile von gestern, heute und morgen. Aber sie kam zum falschen Zeitpunkt. Für eine langjährige Aufbauarbeit fehlten plötzlich die Mittel. Absage? Nein, jetzt wird die Marke «Grand Basel» auf der Weltleitmesse der Autoindustrie, der IAA in Frankfurt vom September 2019 weiter geführt. Die Grand Basel war eine der ersten Messen, die auf die Kombination von Messe und digital setzen mit der Grand Basel-App, mit der man allerlei Dinge unternehmen konnte.

Kooperation wie jene der Baselworld Uhren- und Schmuckmesse kommen meist auf äusseren Druck zustande. Die Voraussetzungen für die Grand Basel-Kooperation der MCH Group mit der IAA können desgleichen interpretiert werden. Als die Messen in der Schweiz auf ihrem Zenit waren, wären solche Kooperationen und nur schon seriöse Gespräche darüber undenkbar gewesen. Vielleicht kommt es jetzt in bezug auf solche und ähnliche Schulterschlüsse zu einem Paradigmawandel. Nicht nur in der Schweiz befindet sich die Messewirtschaft in einer Transformation, die nicht allein durch Digitalität verursacht ist. 

Offene Fragen, die bleiben: Was tut die Grand Basel auf der IAA? Wird die Partnerschaft mit der IAA Frankfurt die Grand Basel retten? Wird daraus etwas Neues entstehen? Was kann das sein?

Ist sie eine Bereicherung für die IAA? Ja. Gibt es einen Imagetransfer für die Marke Basel? Ja, die Grand Basel auf der IAA trägt den Namen Basel und Baselworld in die Welt. Ist die Grand Basel in Frankfurt ein Business Case? Es wird zu sehen sein, ob sie als Sonderschau mit Zusatzeintritten geplant ist. Wohl kaum, das käme bei dem (rückläufigen) Messepublikum in Frankfurt nicht gut an. Also kostenlos an die Grand Basel in Frankfurt? Wie will man da die bisherigen Investitionen, zum Beispiel in die sondergefertigten, teuren «Frames» amortisieren? Ist es geplant, dass die Grand Basel je nach Basel zurückkehrt? Welches Interesse hätte dann die IAA, die MCH Group als Veranstalter zu stärken? Schliesslich der Nebenschauplatz: Die Grand Basel Lancierung im 2018 war eine der ersten Messen, die konsequent auf Digitalität vor Ort setzte in Form der Grand Basel App, die allerlei erlaubte. Folgt in Frankfurt der nächste Schritt für einen hybriden, sogenannten «digitalen» Treffpunkt oder wird der vielversprechende Einstieg preisgegeben?

Verlierer sind hier das Gewerbe, die sogenannten indirekten Nutzniesser in der Schweiz, Messebauunternehmen wie die MCH-eigene Expomobilia und die Hotellerie und Gastronomie, die sich bis heute aber auch nicht hervorgetan hat als Förderer des Messeplatzes Schweiz, eher als Nutzniesser. Aber wie wir die Lage in der europäischen Messewirtschaft beurteilen kann am besten mit einem Satz des früheren deutschen Innenministers Gustav Heinemann: Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren will.