«Schweizer Käse ist im Werbeblock attraktiver als französischer Käse»

IPM-Chef Michi Frank kämpft beim M6-Werbefenster weiter gegen Kabelnetzbetreiber

IPM-Chef Michi Frank kämpft beim M6-Werbefenster weiter gegen KabelnetzbetreiberIn Sachen M6-Werbefenster ist die Front der Neinsager unter den Westschweizer Kabelnetzbetreibern nach wie vor gross. Noch viel Überzeugungsarbeit ist zu leisten. Trotzdem ist IPM-Chef Michi Frank überzeugt, dass das Image des Werbefensters im nun bereits monatelangen Seilziehen keinen Schaden genommen hat.Ohne die Agglomerationen Genf und Lausanne macht das Werbefenster auf M6 wenig Sinn. Weshalb sind Sie trotzdem gestartet?
Michi Frank: Es ging um unsere Glaubwürdigkeit. Das Wichtigste, was die Kunden von uns wissen wollten, war: Startet ihr oder startet ihr nicht? Ursprünglich wollten wir ja bereits im Oktober loslegen, wir konnten jetzt nicht mehr länger zuwarten. Wir haben richtig gehandelt, denn die Kunden kommen und zeigen Interesse, trotz unseren Distributionsproblemen in Genf und Lausanne.
Weshalb sind Genf und Lausanne so schwer zu knacken ?
Frank: Dafür gibt es verschiedene Gründe. Ein sehr wichtiger ist, dass beide Städte lokale Fernsehsender haben, Léman Bleu in Genf und TVRL in Lausanne. Die fürchten, sie würden Werbeeinnahmen verlieren. Was natürlich nicht stimmt. Aber die Angst ist da. Kommt hinzu, dass der Präsident des Genfer Kabelnetzes auch der Vizepräsident von Léman Bleu ist. Deshalb verfolgen die Besitzer des Genfer Netzes auch noch andere Interessen.
Wie viel Abdeckung erreicht das M6-Werbefenster im Moment?
Frank: Unsere Kalkulation beruht auf 40 Prozent. Heute sind wir bei 33 Prozent. Das Ziel ist, bis Ende Februar bei 50 Prozent Reichweite anzukommen. Wir sind sehr zuversichtlich dass wir das zusammen mit Swisscable schaffen werden. 100 Prozent Abdeckung erreicht kein Werbefenster, das Maximum haben wir in der Deutschschweiz mit RTL, das 84 Prozent hat. In der Romandie ist, die 23 Prozent Anteil Satellitenempfang abgezogen, 77 Prozent Abdeckung das absolute Maximum. Ziehen wir davon Genf und Lausanne ab, die zusammen 25 Prozent der Westschweizer Bevölkerung ausmachen, erreichen wir 53 Prozent.
Die Westschweizer Städte Lausanne und Genf sind aber für die Werbeauftraggeber äusserst wichtige Gebiete.
Frank: Wir werden dafür eine Alternative anbieten. In Lausanne und Genf gibt es die erwähnten lokalen TV-Veranstalter, mit denen man das Loch überbrücken könnte. Kunden, die mit unserer Reichweite nicht zufrieden sind, könnten die Sender als Möglichkeit nutzen, um die beiden Zentren trotzdem gezielt abzudecken. Wir sind diesbezüglich in Verhandlungen mit Léman Bleu und TVRL. Ich weiss, es ist paradox. Einerseits werden wir von diesen Sendern blockiert, und andererseits bringen wir ihnen mit einem solchen Angebot Werbeeinnahmen.
Aber Léman Bleu und TVRL sind nicht die definitive Lösung für die Abdeckung von Genf und Lausanne?
Frank: Nein, aber wir müssen die Angst nehmen, dass wir abzocken. Konkret heisst das, wir müssen den Kabelnetzbetreibern in Genf und Lausanne beweisen, dass wir den Schweizer TV-Sendern in der Romandie keine Gelder wegnehmen, sondern den Markt bereichern. Das kann man leicht zeigen. Zum Beispiel haben sich die Werbeeinnahmen von TSR seit dem Start des RTL-Werbefensters 1993 gerade verdoppelt. Der Grund: Wenn das Zielgruppenangebot breiter und spezieller wird, machen die Kreativen häufiger TV-Spots.
Aber ist denn das Interesse der Auftraggeber für M6-Werbefensterplätze überhaupt in genügendem Masse vorhanden?
Frank: Das Interesse ist gross. Der Grund ist klar: TSR ist ausgebucht und hat zudem eben erst um
8 Prozent aufgeschlagen. Wir hätten mit M6 keine Chance, wenn die Werber den Sender nicht attraktiv finden würden. Er füllt eine Lücke bei den jüngeren Zielgruppen, als Ergänzung zu TSR. Wir verstehen uns nur als Ergänzung, wie das ja auch mit unseren Deutschschweizer Werbefenstern der Fall ist. Auch was die viel gefürchteten Dumpingpreise betrifft, gibt es keinen Grund zur Sorge. Wir sind bei M6 nur rund zwanzig Prozent unter TSR.
Wie viel haben die Verbände dazu beigetragen, um die Sorgen der Kabelnetzbetreiber zu zerstreuen? Sie haben diese ja zur Mithilfe aufgerufen. Hats genützt?
Frank: SWA und IGEM haben in Briefen an die Netzbetreiber für unser Anliegen geworben. Das hat wohl beim einen oder anderen kleinen Kabelnetz etwas gebracht, bei den grossen in Lausanne und Genf noch nichts. Den Verbänden ist es jedoch sicher gelungen, etwas von der Angst zu verscheuchen, die gegen das Werbefenster geschürt wird.
Wie viele Kunden haben bereits bei M6 gebucht?
Frank: In der ersten Phase hatten wir drei oder vier Kunden. Jetzt sind die Offerten draussen, die Detailverhandlungen laufen. Ich rechne, dass wir aktuell so zwischen 12 und 15 Kunden haben sollten.
Aus den Augen verlieren darf man aber auch das Image des Fensters nicht. Haben Sie keine Sorge, das Werbefenster könnte auch bei den Zuschauern auf Ablehnung stossen, nachdem die halbe Westschweiz dagegen zu sein scheint?
Frank: Das Image bereitet mir keine schlaflosen Nächte. In der Deutschschweiz herrschte damals vor neun Jahren, als die ersten Werbefenster lanciert wurden, eine ähnliche Situation. Es wurde aufgewiegelt. Das ist nicht die Meinung der Bevölkerung. Man hat versucht, ein Angstsyndrom zu produzieren. Es ist umgekehrt: Die Zuschauer profitieren vom Werbefenster, denn die Werbeblöcke werden aufgewertet, wenn man dort Schweizer Produkte sehen kann. Es ist doch klar: Wenn der Schweizer Käse im Werbeblock ist, ist das für das Westschweizer Publikum attraktiver, als wenn der französische Käse drin ist.
Wie stehts um ein nächstes Werbefensterprojekt in der Westschweiz, ist das denkbar nach den erlebten Turbulenzen?
Frank: Es wäre infam, bereits jetzt über so etwas nachzudenken. Eine zentrale Argumentation der Gegner des Werbefensters war ja: Wenn M6 kommt, dann kommen alle anderen französischen Sender auch mit einem Werbefenster. Das ist nicht unser Ziel. Wir haben kein weiteres Projekt, keinen Business Case, wir haben nicht einmal einen Gedanken.
Wie viel Zeit geben Sie sich, um die Kabelnetzabdeckung dorthin zu bringen, wo Sie sie haben wollen?
Frank: Wir müssen beweisen, dass in der Westschweiz insgesamt mehr Werbegelder ins Fernsehen fliessen. Erst wenn diese Hürde übersprungen ist, wird man in der Westschweiz sehen, dass zusätzliche TV-Plattformen den TV-Werbemarkt insgesamt dynamisieren und dass es keine Verlierer gibt. Interview: Daniel Schifferle
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