ROG press freedom ranking

Reporter ohne Grenzen ROG hat heute die aktuelle Rangliste der Pressefreiheit veröffentlicht. Sie vergleicht die Situation der Medien in 179 Staaten und Regionen bis Ende November 2012.

An der Spitze der Rangliste stehen europäische Länder, Schlusslichter sind wie seit Jahren Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan. Zwei Jahre nach Beginn des Arabischen Frühlings wird die Pressefreiheit nach Angaben von Reporter ohne Grenzen ROG in vielen Ländern der Region weiter mit Füssen getreten. So würden in Ägypten Journalisten und Blogger nach wie vor häufig angegriffen, verhaftet oder vor Gericht gestellt. Doch nach dem «arabischen Frühling» und den Protestbewegungen, die 2011 dazu geführt haben, dass einzelne Länder in der Rangliste schnell auf- oder abgestiegen sind, stelle die Rangliste der Pressefreiheit 2013 von ROG eine Rückkehr zu «gewohnteren» Verhältnissen dar: Die Verbindung zwischen Intensität der politischen Agenda und Ranking-Rang sei geringer als im Vorjahr, heisst es in der Mitteilung. Also zeige die Rangliste 2013 die mittel- und langfristige Haltung der Regimes in Bezug auf die Pressefreiheit. An der Spitze des Klassements finden sich die drei europäischen Länder Finnland, die Niederlande und Norwegen. Auf die Schweiz mit Rang 14 folgt Deutschland auf Rang 17 – beide Länder belegen im europäischen Vergleich eine mittlere Position. Ganz am Ende der Rangliste finden sich weiterhin Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan – Diktaturen, welche die Medien vollständig kontrollieren.

Kein anderes Land hat seine Platzierung in der Rangliste so stark verschlechtert wie Mali (Platz 99), das viele Jahre einer der Vorreiter der Pressefreiheit in Afrika war. Nach dem Militärputsch im März sowie der Machtübernahme im Norden durch Tuareg und Islamisten mussten viele Radiosender im Rebellengebiet ihren Betrieb einstellen. Auch in der Hauptstadt waren Zensur und gewaltsame Übergriffe auf Journalisten an der Tagesordnung. Japan rutschte vor allem wegen seiner restriktiven Informationspolitik im Gefolge der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 um 31 Plätze ab und rangiert nur noch auf Platz 53. Der Oman (Rang 141) ging gegen fast 50 Blogger und Netzaktivisten strafrechtlich vor, um ein Übergreifen des Arabischen Frühlings zu verhindern das Land rutschte deshalb 24 Plätze ab.

Die grössten Aufsteiger der diesjährigen Rangliste sind Malawi (Platz 75) und die Elfenbeinküste (Platz 96). Beide sind wieder ungefähr auf ihre früheren Platzierungen vorgerückt, nachdem sie 2011 mit heftigen Repressionen auf innenpolitische Krisen reagiert hatten. Afghanistans Aufrücken um 22 Positionen (auf Rang 128) spiegelt den Umstand wider, dass dort ungeachtet aller Defizite und Unsicherheiten 2012 keine Journalisten in Ausübung ihres Berufs getötet wurden und die Zahl der Festnahmen rückläufig ist. Burma verbesserte sich infolge der politischen Reformen auf Rang 151: Die ehemalige Militärführung hat etliche Journalisten und Blogger entlassen und Reformschritte wie die Aufhebung der Vorzensur machen Hoffnung auf einen echten Wandel.

Abnehmende Medienvielfalt in der Schweiz

In der aktuellen Rangliste der Journalistenorganisation belegt die Schweiz den 14. Platz – im Vorjahr war es noch Rang 8. ROG kritisiert in diesem Zusammenhang die abnehmende Medienvielfalt in der Schweiz. Rang 14 bedeute zwar nicht, dass sich die Presse- und Informationsfreiheit in der Schweiz massiv verschlechtert habe, schreibt ROG Schweiz in einem am Mittwoch veröffentlichten Communiqué. Grundsätzlich stehe die Schweiz im internationalen Vergleich gut da. Doch beispielsweise die andauernde Medienkonzentration sei zu bemängeln. «Manche Medienunternehmen sind stark gewachsen, kleinere sind verschwunden», heisst es in der Mitteilung. Es gebe im Printbereich mehr «Kopfblätter»; der Prozess der Konzentration mit Mantelausgaben und Zusammenarbeiten zwischen Redaktionen sei, vor allem auf der Ebene der Regionalzeitungen, weiterhin im Gange.

Grundsätzlich könne man zwar sagen, dass die Schweiz im internationalen Vergleich punkto Presse- und Informationsfreiheit gut dastehe, perfekt sei sie allerdings nicht. Bemängelt wurden von Schweizer Experten aktuell unter anderem die andauernde Medienkonzentration, die Konvergenz, die Arbeitsbedingungen, eine Mangelnde Zugänglichkeit von Ämtern und Behörden beziehungsweise der entsprechenden Akten und Dokumente und ein Einfluss von Lobbyisten und Rechtsvertretern auf Redaktionen.

ROG-Rangliste

Grundlage der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (ROG) ist eine Fragenliste, die in jedem Land von inländischen Experten (Medienschaffende, Medienrechtlern etc.) beantwortet wird – es ist also ein fixer Raster. Dieser Fragebogen ist für das aktuelle Jahr neu aufgesetzt und verlängert worden. Bei der Beantwortung spielt bei gewissen Fragen, die sich nicht mit fixen Zahlen oder ja/nein beantworten lassen, auch der subjektive Eindruck der Experten eine Rolle. Das Rating ist ausserdem immer ein Vergleich des Landes mit sich selbst im Vorjahr. Schweizer Experten vergleichen die Schweiz nicht mit Nordkorea (das traditionell einen der letzten Plätze in der Rangliste einnimmt), sondern mit der Schweiz. Europäische Länder stehen in der Rangliste immer weit vorne; dabei sind punktemässigen Unterschiede zwischen den Rängen oft sehr klein. Den ersten und den 14. trennen keine Welten.

Gesamte ROG-Rangliste der Pressefreiheit in Deutsch

Nahaufnahme Europa (in Englisch)

Nahaufnahme Naher Osten / Nordafrika (in Englisch)

Nahaufnahme Asien (in Englisch)

Nahaufnahme Amerika (in Englisch)

Nahaufnahme Afrika (in Englisch)

 

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