Medienmogule leben nicht ewig

US-Medien Früher kauften Amerikas Medienkonglomerate alles auf, was nicht niet- und nagelfest war. Jetzt schrumpfen sie wieder.

US-Medien Früher kauften Amerikas Medienkonglomerate alles auf, was nicht niet- und nagelfest war. Jetzt schrumpfen sie wieder.Während in Deutschland der Axel Springer Verlag die ProSieben Sat 1 AG übernimmt, sorgt in den USA gerade die Nachricht von einer Aufsplittung von Viacom und der Spinoff von Time Warner Cable vom Mutterkonzern für Schlagzeilen. Auch Disney denkt darüber nach, sein Radiobusiness loszuschlagen und Liberty Media einige seiner TV-Sender. Der Grund: Die Aktien der erfolgsverwöhnten Unternehmen sinken seit Jahren, und die Investoren machen Druck. «Die Konglomerate werden damit endlich wachgerüttelt», kommentiert Diane Mermigas vom Fachmagazin The Hollywood Reporter. «Es fällt ihnen schwer, all die Versprechen über Synergien und Wertsteigerungen einzuhalten.»
Den prominentesten Vorstoss unternahm vergangene Woche der von Forbes als «corporate raider» klassifizierte Carl Icahn. Er ist ein milliardenschwerer Shareholder-Aktivist, der schon in der Vergangenheit Anteile an bedeutenden Konzernen kaufte und diese anschliessend als wichtiger Aktionär unter Reformdruck setzte. Von Richard Parsons, dem Time-Warner-Chef, fordert er die Abkopplung des gesamten Kabelfernsehens, um den Aktienpreis des Konzerns wieder in die Höhe zu treiben – eine Strategie, die auch Viacom mit seiner Abkopplung der MTV-Gruppe verfolgt. «Es ist eine allgemein übliche Praxis, Geschäftsteile, die dynamischer sind und ein höheres Risiko mit sich führen, abzutrennen», meint Ted Magder, Professor für Medienökonomie an der New York University und wertet dies als «einen brillianten Schachzug.»
Die Businessmodelle der 90er-Jahre sind schnell veraltet. Fernsehsender wie auch Filmstudios, wichtige Bestandteile der Konglomerate, sehen sich mit sinkendem Zuschauerinteresse konfrontiert, und auch die Werbegelder fliessen verstärkt in Richtung Online-Medien. Die Wachs- tumsraten bei erfolgreichen Internetunternehmen wie Google und Yahoo setzen die Branchenkolosse unter Druck, deren Wachstumsraten von 23 Prozent in den Boomjahren auf durchschnittlich 5 Prozent in den kommenden Jahren sinken soll. Jene Konzerne, die bisher keine Spin-offs planen, wie die News Corporation oder NBC Universal, versuchen verstärkt, ihre Umsätze aus den Bereichen Internet und digitale Medien zu vergrössern.
Medienmogule haben langsam ausgedient
Gleichzeitig steht bei vielen Medienunternehmen ein Generationswechsel bevor. Die als Mogule gefeierten Persönlichkeiten wie Sumner Redstone bei Viacom oder Rupert Murdoch bei der News Corporation werden nicht ewig leben, und die Frage der Nachfolge ist ein zähes Problem. Erst vor wenigen Wochen verliess der designierte Thronfolger Lachlan Murdoch die News Corporation, zum Teil, so Branchenbeobachter, weil Rupert Murdoch seine Macht nicht schmälern will. Auf diese Weise bleibt offen, ob die Familie in Zukunft die Geschicke des Unternehmens dominieren wird, glauben einige doch, dass auch die News Corporation nach dem Tod des Alten auseinander brechen wird. Darüber hinaus geben mehr und mehr Verlegerfamilien, die lange Zeit das Gesicht renommierter US-Zeitungen prägten, ihren Machtanspruch auf. Überlegt doch nach den Pulitzers derzeit auch die Brancroft-Familie, ob sie ihre «Goldene Gans», das Wall Street Journal, verkaufen soll.
Diane Mermigas glaubt, dass es in einem börsenkotierten Unternehmen wie der NewsCorp längst nicht mehr auf Familienbande ankommt. «Die nächste Generation von Medien- und Entertainmentmanagern muss eine Kombination aus Unternehmergeist und einem Gefühl für die technologischen Wunder mitbringen. Das brauchts, um die digitale Welt einem Massenpublikum zugänglich zu machen», meint sie. «Es ist nicht unbedingt ersichtlich, dass dies auch ausreichend gefördert wird, denn es wird noch viel zu sehr nach den alten Regeln gespielt.»
Gerti Schön

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