Gerangel um Nordostschweiz

Zeitungen Das Ringen zwischen NZZ und Tamedia um regionale Zeitungstitel geht in die nächste Runde

Zeitungen Im Ringen von NZZ und Tamedia um regionale Zeitungstitel bietet sich der nächste Kandidat feil. Mitte Januar waren mit der Beteiligung von
Tamedia am Landboten in Winterthur (20%) und mit dem Einstieg der NZZ
beim Zürcher Oberländer wichtige Weichen im Ringen um die
Vormachtstellung im erweiterten Einzugsgebiet von Zürich gefallen. Das
hat zu einem vorläufigen Patt geführt.
Jetzt steht die nächste Runde an. Diese wird in der Nordostschweiz
ausgetragen. Dort buhlen sowohl Tamedia wie NZZ um die Schaffhauser
Nachrichten (SHN) und um die Thurgauer Zeitung (TZ). «Wir werden von
allen umworben», bestätigt dies Norbert Neininger, CEO und Chefredaktor
der SHN.
Die TZ hingegen hat derzeit ein vitales Problem: Urs Lüdi,
Verwaltungsratsdelegierter der Thurgauer Medien AG, Herausgeberin der
TZ, beklagt den Verlust eines einträglichen Inseratekombis vorab mit
SHN und mit dem Landboten, welches den Frauenfeldern jährlich über eine
Million Werbefranken beschert hat. «Der Verlust des Kombi I betrifft
unmittelbar unseren näheren Wirtschaftsraum», sagt Lüdi. Er bangt auch
um die Anbindung an das nationale Inserategeschäft, das bis anhin
Publicitas besorgte. Kommt der Inserateverbund mit SHN und Landbote
erneut zu Stande – die Verhandlungen sollen bereits in der ersten
Septemberwoche positive Ergebnisse bringen –, so wird in Frauenfeld als
nächster Schritt auch eine Zusammenarbeit zum Beispiel mit dem
Tages-Anzeiger denkbar. «Wir prüfen die Kooperationsfrage» erklärt
Lüdi.
Über Modalitäten lässt sich erst spekulieren. Ein plausibles Modell
wäre, dass Inserenten den Verbund der drei Blätter zusammen mit dem
Tages-Anzeiger buchen könnten. Ob sich Tamedia im Gegenzug in
Frauenfeld einkaufen kann, ist derzeit offen. Immerhin hat das
Unternehmen jüngst für das erste Halbjahr steigende Umsätze und
erstmals für alle Unternehmensbereiche positive Betriebsergebnisse
präsentiert (vergl. S. 21). Eine Beteiligung in Frauenfeld muss sich
für die Tamedia-Strategen geradezu aufdrängen, denn Lüdi ist
gleichzeitig auch mit dem St. Galler Tagblatt, und damit mit der NZZ,
über mögliche Kooperationen im Gespräch.
Für den Moment hat man in Frauenfeld mindestens das Druckproblem
gelöst: Die TZ läuft über die Rollen einer einzigen Rotation. Doch
längerfristig könnte man sich auch eine Kooperation im Druckbereich mit
dem einen oder anderen Grossen vorstellen. Sowohl Landbote wie auch SHN
tun dies bereits mit Tamedia. Lüdi macht keinen Hehl daraus, dass ihm
eine Kooperation, ob mit Tamedia oder aber mit der NZZ, behagen würde.
   

René Worni

Jetzt macht Tamedia Ernst
Die jüngst kommunizierten Personalentscheide bei Tamedia bringen etwas
Licht ins Dunkel der strategischen Überlegungen an der Zürcher
Werdstrasse. Fest steht, dass mit dem Wechsel in der Verlagsleitung des
Tages-Anzeigers ein neuer Wind wehen soll. Mit der bisher wenig
wirkungsvollen Regionalstrategie soll es jetzt endlich ernst werden
(siehe Interview Seite 17). Wann und vor allem wo Tamedia neue
Lokalredaktionen ihres Flaggschiffes eröffnen wird, bleibt jedoch
Gegenstand von Spekulationen. Dem Vernehmen nach wurde Tagi-intern der
Wechsel in der Verlagsleitung kaum kommuniziert. Dort hegt man auch
Bedenken, die redaktionellen Inhalte könnten unter «Mister 20 Minuten»
kommerzialisiert, das heisst Beiträge mit Werbegeschäften verknüpft,
be

Dagegen wurde der Generationenwechsel an der Verlagsspitze mit Pietro
Supino, der als neuer VR-Präsident und Verleger den bisherigen Hans
Heinrich Coninx Anfang 2007 ablösen wird, fast feierlich begangen.
Beobachter beurteilen den Wechsel positiv: «Supino startet aus einer
guten Position, aber er muss sich zuerst beweisen», sagt etwa Klaus I.
Stöhlker. Für den Unternehmensberater ist klar, dass für Tamedia grosse
Integrations- und Qualitätssteigerungsprozesse anstehen. Angesichts der
positiven Geschäftsergebnisse (siehe S. 21) sähen, so steht zu
vermuten, viele Beschäftigte nach Jahren gerne wieder einmal einen
Teuerungsausgleich in der Lohntüte. (rw)

Nur für Abonnenten: Interview mit Rolf Bollmann

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