US radios tremble before the digital ones

Unterhaltung In den USA laufen Satelliten-radios kommerziellen Sendern den Rang ab – und das ohne Werbung. Howard Stern ist das Enfant terrible des amerikanischen Radios.

Unterhaltung In den USA laufen Satelliten-radios kommerziellen Sendern den Rang ab – und das ohne Werbung. Howard Stern ist das Enfant terrible des amerikanischen Radios.Unterhaltung In den USA laufen Satelliten-radios kommerziellen Sendern den Rang ab – und das ohne Werbung. Howard Stern ist das Enfant terrible des amerikanischen Radios. Weil Stern wegen seiner deftigen Sprüche und drastischen Beschreibungen von Sex-Szenen auf Sendung von der Medienaufsichtsbehörde FCC immer wieder zu Höchststrafen verurteilt wurde und während der nächsten Jahre unter der Bush-Administration nichts zu lachen haben wird, hat der selbst ernannte «S-hock Jock» Zuflucht bei freundlicher gesinnten Kollegen gesucht: dem Satellitenradio Sirius, das sich derzeit auf rasantem Expansionskurs befindet und Zuwachsraten bei den Abonnenten wie auch bei den Einnahmen von über 300 Prozent jährlich verbucht.
Dass die medienüberfütterten Amerikaner noch einmal zusätzliche Dollars locker machen würden und für einen Radioservice zwölf Dollar monatlich hinlegen, haben bis vor kurzem wenige für möglich gehalten. Doch das landesweit ausgestrahlte digitale Radio hat etwas, was viele andere nicht mehr haben: werbefreie Sendeflächen. Von den 120 angebotenen digitalen Kanälen sind alle 65 Musikkanäle völlig werbefrei, während auf den 55 Talk- und Informationssendern Sponsoring und vereinzelt Werbeclips zu hören sind. Darüber hinaus ist der Empfang störungsfrei, auch wenn man sich mit seinem Satellitenempfänger im Auto über die Staatengrenzen hinaus bewegt. «Ich gehöre zu den Gläubigen, was den Erfolg von Abonnementsendern angeht», sagt Peter Fader, Marketingprofessor am Wharton College der Universität Pennsylvania und betont den Erfolg von Kabel- und Pay-TV: «Es gewinnt immer.»
Lance Armstrong auf SiriusDer Konkurrent von Sirius, XM Radio in Washington D.C., hat ein ähnliches Programmangebot. XM ging ein Jahr früher, Ende 2001, an den Start und hat eindeutig mehr Abonnenten: 3,5 Millionen für XM und seine 152 Kanäle, wogegen Sirius 1,5 Millionen verzeichnet. Sirius katapultierte sich jüngst wiederholt in die Schlagzeilen, indem es sich weitere prominente Namen ins Haus holte: Superstars wie Hip-Hop Celebrity Eminem und Radprofi Lance Armstrong moderieren einzelne Sendeflächen. Medienstar Martha Stewart bietet ab Herbst einen hörernahen Lifestyle-Kanal an, und der Autorennzirkus Nascar geht ein Jahr nach Howard Stern, Anfang 2007, an den Start. Mit diesem Schritt verschafft sich Sirius einen Vorsprung in den beiden wichtigsten Bereichen der Branche: «Es sind genau zwei Dinge, die den Erfolg eines Mediums ausmachen», sagt Jim Carnegy, Chefredakteur des Branchenmagazins Radio Business Report. «Content ist King und Präsentation ist Queen.»
XM konzentriert sich mehr auf innovative Marketingdeals, um die Marke bekannt zu machen und um Werbungtreibenden neue Sponsoringmöglichkeiten anzubieten. Die Kaffeehauskette Starbucks zum Beispiel launchte ihren eigenen Musiksender namens Starbucks Hear Music auf der XM-Plattform und wird in diesem Jahr ihren Radioservice in 4000 US-Filialen ausrollen. Auch das Logo des Betreibers XM wird auf Kaffeetassen und Broschüren zu finden sein. «Am Anfang sah es so aus, als würde der Trend es schwerer für die Werbungtreibenden machen», sagt Denise Garcia vom Forschungsinstitut Gartner G2. «Aber es könnte im Gegenteil eine interessante Möglichkeit für sie werden, Inhalte zu kreieren, die sie dann exklusiv sponsorn können». Beide Unternehmen haben Exklusiv-Deals mit Autohändlern zur Installation ihres Equipments in den Wägen abgeschlossen.
Darüber hinaus schloss XM Radio eine Zusammenarbeit mit AOL ab. Abonnenten des Internetdienstes können XM Radio künftig kostenlos per Internet hören. Wer AOL nicht nutzt, muss eine geringe Monatsgebühr zahlen. Eine grosse Stärke des Satellitenradios sei seine Vielfältigkeit, ist Marketingprofessor Fader überzeugt. «Sie haben sogar Kanäle für Minderheiten, wie etwa Homosexuelle», sagt er. «Es gibt viele Nischen, und die werden sie finden.»
Per Handy oder iPodDass Satellitenradio zu einem Erfolg werden könnte, wird durch die Bemühungen beider Anbieter verstärkt, weitere Plattformen zu erforschen: So sollen die digitalen Kanäle in absehbarer Zukunft auch per Handy oder tragbare digitale Audiogeräte, wie dem iPod, empfangbar sein. Selbst Videostreaming, das vor allem für die Rücksitze von Autos gedacht ist, soll eingeführt werden. Bereits 14 Prozent der Amerikaner, so heisst es in einer Studie der beiden Forschungsunternehmen Arbitron und Edison Media Research, besitzen einen iPod oder ein anderes tragbares digitales Audiogerät. Die Mehrzahl davon ist unter 35 Jahre alt. 36 Prozent der Amerikaner geben an, dass sie regelmässig im Internet Radio hören. Doch genau dieser Trend kann umgekehrt auch zu einem Problem für das Satellitenradio werden: «Internetradio wird immer populärer, und wenn man Radio kostenlos per iPod haben kann, dann kommt das Satellitenradio in ernsthafte Schwierigkeiten», meint Tom Taylor vom Branchendienst Inside Radio. «Es wird vom Content abhängen. Und wer weiss, was morgen erfunden wird.»
Gerti Schön

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