Radios auf Standby

Vermarkter Gelingt es der Publicitas, ein Dutzend Radios unter ihre Fittiche zu bringen? Zweifel sind angebracht.

Vermarkter Gelingt es der Publicitas, ein Dutzend Radios unter ihre Fittiche zu bringen? Zweifel sind angebracht.
Wie letzte Woche gemeldet, wurde der One Pool fristgerecht und «vorsorglich» per Ende 2005 von drei Radios gekündigt. Bei den andern Pools blieb es ruhig. Doch der Schein trügt: Auch beim Pool 2000 sind zwei Radios auf dem Sprung, nur haben die Poolmitglieder dort mit einem Trick die Harmonie länger haltbar gemacht: Noch am 30. Juni beschlossen sie, die halbjährige Kündigungsfrist um ein paar Wochen zu verschieben. Und beim Swiss Radio Pool, der vertraglich bis Ende 2006 läuft, blieb es nur deshalb still, weil jede Kündigung per Ende 2005 – egal ob sie nun im Juni, Juli oder August erfolgt – ohnehin ausservertraglich wäre und somit keine Eile besteht.Allen austrittsbereiten Radios gemeinsam ist, dass sie zu Medienhäusern gehören, mit denen die Publicitas ein Pachtverhältnis hat. Konkret sind dies die Radios Basel 1, BE1, Grischa, 32, Argovia, offenbar auch Pilatus, Aktuell und Ri. Doch diese Radios allein ergeben noch keinen Pool, der der P genehm wäre. Dem Vernehmen nach strebt die P danach, die Zentren Basel, Bern und Zürich mit jeweils beiden Marktplayern abzudecken, weshalb sie versuchen wird, 24, Basilisk, Energy Zürich und ExtraBern ebenfalls einzubeziehen.
Labile Angelegenheit
Die Hauptfrage allerdings ist, weshalb all diese Radios – insbesondere jene von Tamedia, Goldbach Media und Espace Media – der P dazu Hand bieten sollten. Womit kann die P sie ködern? Crossmedia mit Print? Kaum. Interessanter wäre eine Kombination mit Kino – ein Projekt, das schon lange in den Schubladen der PubliGroupe-Tochter Cinecom steckt. Auskünfte gibt es dazu jedoch nicht.
Doch der Standby-Modus bei den Pool-Kündigungen zeigt, wie labil die Angelegenheit noch ist, nicht zuletzt wegen der vielen involvierten Streithähne unter den Radios. Zudem drängt die Zeit: Die bestehenden Pools wollen bis Mitte August wissen, woran sie sind, denn am Radioday vom 30. August wollen sie ihre Tarife präsentieren.
Gut möglich also, dass die P die Differenzen in der Radioszene unterschätzt hat.
Markus Knöpfli

More articles on the topic