Der Soundtrack für das Breitband-Zeitalter

Privatradios Internet statt UKW: Mit zwei neuen Programmen startet 105 dreifach in die Radiozukunft.

Privatradios Internet statt UKW: Mit zwei neuen Programmen startet 105 dreifach in die Radiozukunft.«Mein Ausgangspunkt war die Frage: Wo sind heute Radioinnovationen möglich?», erklärt Giuseppe Scaglione den jüngsten Evolutionsschritt von Radio 105. Nach sieben Jahren Kampf um eine terrestrische Konzession hat der streitbare Senderchef den UKW-Markt abgeschrieben. Stattdessen setzt er nun aufs Internet. Seit Ende April dieses Jahres ist Radio 105 nicht nur im Kabel-
netz, sondern auch als 128-Kilobit-Stream über seine Website zu empfangen. Das bedeutet CD-Qualität – und dies gleich dreifach. Denn
neben dem eigentlichen 105-Programm lanciert Scaglione zwei reine Onlinekanäle, 105 Classics und 105 Dope. 105 Classics fokussiert auf Clubhits aus den 70er- und 80er-Jahren, 105 Dope auf Hiphop und R’n’B. Beide senden praktisch ausschliesslich Musik – ohne Moderation und ohne Werbung. Giuseppe Scaglione ist überzeugt, dass der richtige Zeitpunkt für den Launch im Internet gekommen ist. Gemäss der Kommunikationstechnologie-Studie der IGEM verfügen heute 44 Prozent der Schweizer ab 15 Jahren über einen Breitbandanschluss, der Radioübertragungen in hoher Qualität ermöglicht. Unter den 15- bis 24-Jährigen sind es sogar 60 Prozent. Dass das Interesse an Onlineradio zunimmt, berichtet die Neue Zürcher Zeitung: Die Nutzung der SRG-Spartensender Swiss Classic, Swiss Pop und Swiss Jazz via Internet habe sich gegenüber dem Vorjahr auf 10000 Personen im Januar 2005 verdoppelt. Währenddessen zeichnet sich am Horizont bereits die nächste technologische Innovation ab: Radio vom Internet direkt auf das
Handy. Bei dieser Entwicklung will 105 an vorderster Front dabei sein. «Während die Radiobranche an Innovationen offensichtlich nicht interessiert ist, hat die Telecombranche ein Rieseninteresse an der Entwicklung neuer Verbreitungswege», glaubt Giuseppe Scaglione. Hätten diese sich im Publikum einmal durchgesetzt, würden zweifellos alle Sender auf den Zug aufspringen. Doch bis dann will Radio 105 seinen Vorsprung nutzen und seine Marke fest etablieren.
Die Finanzierung setzt GrenzenScaglione betont die Wichtigkeit der Marke gerade in der endlosen Vielfalt der Internetangebote. «Die Leute brauchen ein Zuhause, sie wollen jemanden, der für sie die Musik aussucht, die ihnen gefällt», meint er. Deshalb soll auch die Zahl der 105-Onlinekanäle nie ins Uferlose wachsen, obwohl sich der Radiopionier eine Erweiterung des Angebots als Option offen hält. Vorläufig setzt allerdings die Finanzierung der Expansion Grenzen. Scaglione ist bewusst, dass viele Hörer Internetsender nicht zuletzt deshalb einschalten, weil sie ohne Werbespots daherkommen. Andere Ideen sind gefragt: «Kommerziell ist unser Hauptziel die Verschmelzung von Radio und Online zu neuen Werbeformen», so Scaglione.
Stefano Monachesi

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