Hintertür zur Tabakwerbung

Onlinewerbung Auf www.telebasel.ch ist das Sendearchiv gratis zugänglich, da werbefinanziert. Auch Alkohol-, Tabak- und Politspots sind erlaubt.

Onlinewerbung Auf www.telebasel.ch ist das Sendearchiv gratis zugänglich, da werbefinanziert. Auch Alkohol-, Tabak- und Politspots sind erlaubt. Wer bisher im Onlinearchiv auf www.telebasel.ch eine Sendung abrief, musste jeweils rund fünf bis acht Sekunden lang Däumchen drehen, bis die riesigen Datenmengen für das Streaming geladen waren. Nun haben findige Onlinevermarkter von TeleBasel die Wartezeit verkürzt: Die Besucher werden mit maximal achtsekündigen Werbeclips unterhalten.Zwar braucht der PC für den Download der mehrminütigen Sendungen weiterhin dieselbe Zeit wie vorher, ein vorgeschalteter kurzer Clip hingegen ist innert einer Sekunde auf dem Bildschirm. «Jeder Sendung, die ins Archiv kommt, setzen wir neuerdings einen Clip voran. Dieser enthält jetzt Eigenwerbung für TeleBasel, künftig wollen wir aber Fremdwerbung zeigen», sagt Joel Jira von der Abteilung Multimedia-Marketing bei TeleBasel. Der Regionalsender will den so genannten Preload als neue Onlinewerbeform ins Angebot aufnehmen, um mit den Einnahmen dereinst die Kosten für das Gratisarchiv zu decken.
Und so sieht das Angebot aus: Der Kunde bestimmt entsprechend seiner Zielgruppe eine Senderubrik, die er beclippen will – beispielsweise News, das Kurzinterview Telebar oder die Jugendsendung Mash. Daraufhin stattet TeleBasel jede neue Sendung der gewählten Art mit dem Clip des Kunden aus.
Zusätzlich aber wird jede Archiv-sendung derselben Rubrik mit dem Clip versehen. Da das Onlinearchiv mindestens ein Jahr zurückreicht, kann dies durchaus attraktiv sein. Immerhin verzeichnet das Archiv von TeleBasel rund 34000 Downloads pro Monat.
Die Tarife hat Jira bereits festgesetzt. Die Mindestbuchungsdauer beträgt einen Monat, was beispielsweise bei der werktäglich ausgestrahlten Telebar 500 Franken kostet, für die gesamte Newssendung 7 vor 7 bezahlt man 1500 Franken und für Einzelberichte 1000 Franken. Voraussetzung ist zudem, dass der Kunde bereits über einen TV-Spot oder zumindest ein Billboard verfügt. Diese kürzt TeleBasel auf die gewünschte Sendelänge von maximal 8 Sekunden und wandelt sie in den erforderlichen technischen Standard um.
Die neue Werbeform hat, abgesehen von der Zielgruppenselektion, für den Kunden weitere Vorteile: So wird der Clip pro Rubrik exklusiv geschalten, auch kann er von den Archivbesuchern nicht übersprungen werden. Der Kunde kann zudem bis zu vier verschiedene Clips liefern, die dann nach einem Zufallsgenerator abgespielt werden. Und schliesslich ist TeleBasel in der Lage, pro Einzelclip die Zahl der Besucher auszuweisen. Theoretisch möglich, aber von TeleBasel nicht angeboten, sind Unterbrecherwerbung oder die Einschränkung der Schaltung auf bestimmte Zeiten, denkbar etwa für Erotikwerbung, die nur nachts erscheinen soll. Und selbst Tabak-, Alkohol- oder politische Werbung wären möglich, auch rechtlich, das hat Jira bereits beim Bundesamt für Kommunikation abgeklärt.
Bisher hat TeleBasel das neue Angebot nicht aktiv verkauft, Jira hat aber bei vier Kunden schon mal einen Versuchsballon gestartet. Mit Erfolg: Zwei haben bereits einen Clip gebucht.
34000 Downloads pro Monat: gefragtes Sendearchiv von TeleBasel.
Markus Knöpfli

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