Problem doch nicht unter Kontrolle: Facebook unterstützt Nazis als Werbezielgruppe

Wer auf Facebook mit Werbung Rechtsextreme erreichen will, hat es Anfang 2019 immer noch leicht. Denn das grösste soziale Netzwerk ermöglicht ein Targeting anhand von Begriffen wie «Heinrich Himmler», den Namen von Neonazi-Bands oder Mussolinis Faschistischer Partei, berichtet die L.A. Times.

Facebook Himmler

Dabei hatte Facebook 2017 eigentlich versprochen, dass Moderatoren im Kampf gegen Hassbotschaften jede Targeting-Kategorie prüfen. Das Unternehmen hat eingeräumt, dass hier offensichtlich Nachholbedarf besteht.

Nazi-Grössen und mehr

Facebook verdient gut mit Werbung, 2018 lagen die Einnahmen bei 55 Milliarden Dollar. Dazu trägt nicht zuletzt die Tatsache bei, dass Marketer auf dem sozialen Netzwerk ihre Werbung gezielt Nutzern zeigen können, die an bestimmten Themen interessiert sind. In einem Test hat die L.A. Times festgestellt, dass sich dabei nach wie vor jede Menge einschlägige Begriffe zur Zielgruppenwahl nutzen lassen – von Nazi-Grössen wie Göbbels, Mengele oder Himmler bis zur Neonazi-Punk-Band Skrewdriver. Das System schlägt auch gleich passende Schlüsselwörter vor, die eine rechte Reichweite unter anderem in Deutschland auffetten könnten, wie die als rechtsextremes Erkennungssymbol geltende Modemarke «Thor Steinar» und das AfD-Dauerthema «Flüchtlinge».

«Was sie beschreiben, nämlich wie eine klare hasserfüllte Idee oder Erzählung verstärkt werden kann, um mehr Menschen zu erreichen, ist genau das, wovon sie sagten, dass sie es nicht tun wollen», kritisiert Oren Segal, Leiter des Center of Extremism der Anti-Defamation, gegenüber der Zeitung. Denn nach einem Skandal um antisemitische Targeting-Begriffe im Jahr 2017, hatte Facebook eigentlich versprochen, gegen derart einschlägige Werbekategorien vorzugehen. Im August 2018 hatte das Unternehmen auch stolz verkündet, über 5000 problematische Targeting-Begriffe gelöscht zu haben.

Weiter noch viel zu tun

Tatsächlich verstossen jedoch die meisten der im Rahmen der aktuellen Zeitungs-Recherche gefundenen Begriffe gegen die aktuell gültigen Facebook-Richtlinien, wie Unternehmenssprecher Joe Osborne bestätigt. «Wenngleich wir unsere Targeting-Optionen laufend überprüfen, müssen wir eindeutig mehr tun, also werfen wir einen umfassenderen Blick auf unsere Richtlinien und Erkennungsmethoden», verspricht er. Das wäre nicht zuletzt für legitime Medien wichtig, denn Test-Werbung wurde oft mit Beiträgen von Medien wie CNN und BBC, aber auch von Breitbart angezeigt – für User eine scheinbare Verbindung.

Tatsächlich scheint die Prüfung von Begriffen für das gezielte Werben auf Facebook noch eine Grossbaustelle zu sein. Den Stein ins Rollen gebracht hat nämlich ein Musiker aus Los Angeles, der sich daraufhin an die L.A. Times gewandt hat. Dem Künstler zufolge hatte er in Facebooks Werbe-Portal «Black Metal» eingegeben und daraufhin automatisch den Vorschlag bekommen, doch auch «nationalsozialistischer Black Metal» als Targeting-Begriff zu nutzen. (pte)