Namics: Fünf Digitaltrends für die Retail-Branche

1) Datenerhebung: Die Digitalisierung des Raums

Mit den Kunden kommen zahlreiche Daten in die Verkaufsräume der Händler. Bislang werden sie
allerdings nur selten erhoben. Dadurch entgeht den stationären Händlern enormes Potential:
Immerhin generieren die Informationen aufschlussreiche Insights, aus denen Unternehmen
entsprechende Massnahmen oder sogar neue Geschäftsmodelle ableiten können. Über Daten lassen
sich zum Beispiel die folgenden Fragen klären:

• Welche Produkte fallen dem Kunden sofort ins Auge?
• Berührt der Konsument bestimmte Objekte, um das Material zu prüfen?
• Wie wirken Werbemassnahmen?
• Welche Bewegungsmuster entstehen im Verkaufsraum?

Ein Vorreiter in der Digitalisierung des Raumes ist Amazon Go. Der amerikanische Supermarkt
funktioniert ohne Kassen, dafür müssen sich Kunden am Eingang per Smartphone-Code registrieren.
Ihre Bewegungen und Handlungen im Verkaufsraum werden von diversen Sensoren erfasst und von
einem Algorithmus ausgewertet.

(2) Offline, Online, Timeline: Daten optimal vernetzen

Daten spielen auch im zweiten Trend die Hauptrolle: Je mehr Fakten über den Kunden zur Verfügung
stehen, desto wichtiger ist deren Vernetzung. Mit smarten Einkaufswagen, RFID und iBeacon-
Technologie werden in der Retail-Branche zahlreiche Werte offline erhoben.

Um diese optimal nutzen zu können, ist eine funktionierende Verknüpfung mit Daten aus anderen Kanälen, zum Beispiel dem
Customer Relationship Management oder dem Suchverhalten auf der Website, essenziell. Damit sich
die Werte zu einem 360-Grad-Kundenbild zusammensetzen, braucht es eine ausgefeilte Strategie.
Folgende Aspekte müssen dabei berücksichtigt werden:

• Welche Daten sollen erhoben werden und was sagen sie aus?
• Über welche Plattform werden die Daten gesammelt bzw. verknüpft?
• Wie vollzieht sich die Auswertung?
• Wie kann ich die Ursprungsdaten für Predictive und Prescriptive Analytics nutzen?

Gerade Prescriptive Analytics werden für den Handel immer wichtiger: Sie gehen noch einen Schritt
weiter und ermöglichen dem Unternehmen zusätzliche Handlungsempfehlungen. Ein Beispiel ist die
Justierung von Parametern im Rahmen einer Promotion, um die Abverkaufszahlen zu steigern.

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In wenigen Wochen bricht das neue Jahr an. Der ideale Zeitpunkt, einen Blick auf anstehende digitale Entwicklungen im Handel zu werfen. Laut Namics, einer der führenden Schweizer Fullservice-Digitalagenturen, werden 2019 für den Retail-Bereich fünf Digitaltrends besonders wichtig.[/caption]

(3) Vom Einkauf zum Erlebnis: Die In-Store-Experience

Auch die Kunden selbst bewegen sich immer mehr in digitalen Welten. Sei es beim Online-Shopping
oder im sozialen Miteinander. Damit die Erfahrung im realen Geschäft mit der im Online-Shop
mithalten kann, sollten Händler die Gestaltung ihrer Verkaufsräume überdenken und digitale
Lösungen einbeziehen.

Smart Screens können beispielsweise in der Umkleide die passenden Accessoires zur Hose oder
zum Kleid vorschlagen. Der Einsatz von Virtual Reality ermöglicht dagegen, Möbel oder Bilder besser
in die eigene Wohnungseinrichtung einzuplanen. Roboter können dem Kunden zum Beispiel Anzüge
in anderer Grösse und Farbe zur Kabine bringen. Und dank intelligenter Spiegel lassen sich neue
Outfits über Social-Media-Kanäle mit den Freunden teilen.

(4) Disruption: B2B-Plattformen auf dem Vormarsch

Für das gesamte B2B-Segment birgt der Einstieg diverser Global Player wie Google, Amazon oder
Alibaba ins B2B-Geschäft Risiken und Chancen zugleich. Fest steht: Langfristig werden Händler nicht
um Plattformen wie Amazon Business oder Google-Shopping herumkommen. Wer sich in dieses
noch unbekannte Terrain vorwagt, muss in jedem Fall mit einer guten Strategie gewappnet sein. Ist
die entsprechende Plattform überhaupt relevant für die Customer Journey? Welche technologischen
Voraussetzungen muss ich erfüllen, um an den digitalen Marktplätzen aktiv zu werden? Auf diese
Fragen braucht der Handel im nächsten Jahr dringend Antworten.

(5) Technologie: System-Architektur im Wandel

Um in der digitalen Welt zu überleben, sind auch im Retail-Bereich die richtigen Tools und Methoden
unabdingbar. Die dahinter stehende Technologie wird immer ausgefeilter und vielfältiger. Dank
Modularisierung wird zudem die Softwarearchitektur flexibler. Der Austausch von bis dato genutzten
Systemen steht zur Debatte. Heute und vor allem im kommenden Jahr sehen sich Unternehmen mit
den folgenden Fragen konfrontiert:

• Software On Premises oder cloudbasierte Services? Die Frage stellt sich allerdings immer
seltener, da viele Hersteller ihre Software nur noch als Cloud Service anbieten und auf On
Premise Software verzichten.
• Kann KI genutzt werden, um Angebote relevanter zu präsentieren beziehungsweise die Kanäle zu
optimieren? Der Einsatz kann zum Beispiel dabei helfen, auf Basis des Surfverhaltens die richtigen
Produkte vorzuschlagen.
• Wie kann die Datenverfügbarkeit über Touchpoints hinweg gesteigert werden? Ein Kontaktpunkt
ist zum Beispiel die stationäre Kasse, die dem Händler die gesamte Kaufhistorie des
jeweiligen Kunden zeigt.
• Wie lässt sich mit dem DevOps-Ansatz ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess gestalten?
Zum Beispiel lassen sich so digitale Innovationen schneller live schalten und an den Kunden
bringen.

Unabhängig davon, wie die jeweilige Entscheidung ausfällt, Händler sollten stets berücksichtigen,
dass der Wandel nicht nur für das eigene Unternehmen, sondern auch für den Kunden mehr Komfort
schafft.

*Alexander Henss ist Senior Principal Consultant bei Namics.