Digitalisierung in der Gastronomie: Traditionen neu gedacht

Jürgen Renghart, Gründer und Geschäftsführer der Food-Plattform Speisekarte.de zeigt, wie sowohl innerbetrieblicher Abläufe als auch die Kommunikation zwischen Gast und Gastronom durch digitale Projekteschmackhafter gemacht werden können.

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Bewertungsplattformen, digitale Zahlungsmöglichkeiten, Reservierungssysteme: Die Digitalisierung etabliert sich immer mehr in der Gastronomie. Im Branchenvergleich der Studie «Digitalisierungsindex Mittelstand 2018» liegt das Gastgewerbe bisher seinen Mitstreitern, wie Finanzdienstleistern oder dem Handel, noch leicht hinterer, jedoch könnten digitale Lokale die Zukunft sein. Die Veränderung des Bereichs wird somit wichtige Voraussetzung für künftige Erfolge. Sowohl für die junge Gastronomie-Szene als auch traditionelle Restaurants.

 

Digitaler Mehrwert: Effizienz steigern und Kundenkontakt verbessern

Ohne Zweifel steht die nächste Phase der Digitalisierung an. Gewerbe, die dem Trend in den letzten Jahren noch nicht gefolgt sind, rüsten auf. Zwar hat bisher nur ein Drittel der Gastronomen in Deutschland eine digitale Gesamtstrategie, Einzelmassnahmen werden aber bereits in allen Restaurants umgesetzt. Durch die Digitalisierung wichtiger Abläufe wird dabei sowohl auf Effizienzsteigerung als auch die Optimierung des Kundenkontakts gesetzt. Unabdingbar für eine Branche, die entlang der ganzen Wertschöpfungskette eine enge Verbindung zum Gast hat und gleichzeitig unter enormen Wettbewerbsdruck steht. Bestes Beispiel hierfür ist die Nutzung von Online Reservierungssystemen. Sie erweitern nicht nur den Zeitraum an dem Tischreservierungen angenommen werden können auf das Maximale, sondern bieten in aller Regel eine direkte Feedback-Möglichkeit für den Gast nach dem Restaurantbesuch. Die Ergebnisse dieser zumeist nicht-öffentlichen Bewertungen helfen dabei, eigene Prozesse oder Angebote zu optimieren oder auch das Personal gezielter anzuleiten.

 

Transparenz und Fehleranalyse: Optimierung innerbetrieblicher Abläufe

Die Nutzung digitaler Anwendungen für Abläufe im Tagesgeschäft ist dabei einer der Eckpfeiler, der für Gastronomen unabdingbar werden sollte. Die Implementierung bedeutet vorerst Mehraufwand und eventuell bedarf es an externem Know-how, jedoch können massgeschneiderte technische Lösungen eine enorme Entlastung für das Gewerbe und vor allem die Mitarbeiter bedeuten. Durch automatisierte Prozesse werden Fehler vermieden und Arbeitsschritte transparenter gemacht. Neben der digitalen Aktenführung lässt sich unter anderem die Zeiterfassung oder auch der Dienstplan deutlich einfacher organisieren.

 

So lassen sich Gast und Restaurant digital verknüpfen

Nicht nur in der Küche muss es schnell gehen, auch die Kommunikation mit dem Kunden sollte reibungslos ablaufen. Dabei geht es nicht darum, den persönlichen Kontakt zum Gast zu verlieren, vielmehr werden Prozesse effizienter gestaltet und der Restaurantbesuch dadurch noch kundenfreundlicher. Von den bereits erwähnten Reservierungssystemen über Sprachassistenten bis hin zu digitalen Gutscheinen – der Markt bietet einige effektive Tools, die ohne grossen Kostenaufwand eingesetzt werden können und Prozesse sowohl für Kunden als auch für Mitarbeiter erleichtern:

  • Digitale Gutscheine: Neben den bekannten Spargutscheinen stellen Wertgutscheine ein interessantes Marketing- und Kundengewinnungsinstrument dar. Entsprechende Anbieter generieren eigene Reichweite und sorgen so für Neukundenkontakte.
  • Bestellservices: Diese Erweiterung des Service lässt sich vor allem aus grossen Städten nicht mehr wegdenken. Kunden können über Cloud-Anwendungen Bestellungen aufgeben und sich nach Hause liefern lassen oder selbst abholen. Individuelle Lösungen können hier ebenso genutzt werden als die grossen Anbieter, die man aus Funk und Fernsehen kennt – in Einzelfällen sogar deutlich kostengünstiger.
  • Mobile Payment: Gäste lieben es, wenn man ihre Gewohnheiten unterstützt und mit der Zeit geht. Besonderen Hype erfährt derzeit das Thema Mobile Payment aufgrund der enormen Werbemassnahmen für Apple Pay oder auch Google Pay, weshalb es sich anbietet diese Zahlmöglichkeit anzubieten, vor allem weil der Aufwand sehr überschaubar ist.
  • Digitale Kundenbindungssysteme: Stempel- bzw. Rabattkarten gibt es mittlerweile auch in digitaler Form, beispielweise als App oder auch zur Integration in die eigene Homepage.
  • Digitale Speisekarte: Speisekarten in digitaler Form bieten dem Gast nicht nur eine Feedbackmöglichkeit auf modularer Ebene, sondern lassen sich durch den Einsatz von Filtern (vegetarische/vegane Gerichte, Unverträglichkeiten, Vorlieben/Abneigungen, etc.) individualisieren und stehen fremdsprachigen Gästen mit nur einem Klick in verständlicher Form zur Verfügung.
  • Chatbots und Sprachassistenten wie Siri, Alexa und Co. ermöglichen eine unkomplizierte Restaurantsuche, unterstützen bei der Menüauswahl oder reservieren einen Tisch. Viele Webportale betreiben eigene Apps auf diesen Plattformen, so dass ein vollständiger Eintrag auf diesen Portalen in der Regel bereits ausreicht um entsprechend Aufmerksamkeit zu bekommen.

 

Fazit: Zeitalter der Digitalisierung auch für traditionelle Branchen

Die Transformation schreitet voran. Die Gastronomie muss hier vor allem Wert auf die Beziehung zum Kunden legen. Intuitive und digitale Services machen eine simple Verbindung zu den Zielgruppen möglich. Hier können Gastronomen mit Einzelmassnahmen einsteigen, sollten sich für die Zukunft aber auch mit umfassenden Konzepten positionieren. Mut zur Veränderung lässt Traditionen neu denken, fördert die Effizienz und bringt letztlich erkennbaren digitalen Mehrwert.