Swisscom kürzt die Löhne der Bluewin-Mitarbeitenden

Gekürzte Löhne, unklare Strategie, Sinnesfrage: Beim News-Portal von Swisscom sollen die Zeichen derzeit auf Sturm stehen.

Bluewin.ch

Wie die Schweiz am Wochenende in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt, wurde einem Teil der 30-köpfigen Bluewin-Redaktion auf Mitte Jahr die Verträge gekündigt. Auf Anfang Juli werden die Betroffenen nahtlos wieder eingestellt – mit neuen Verträgen, die bis zu 1000 Franken Lohneinbussen pro Monat beinhalten. Betreffen die Änderungskündigungen vorerst diejenigen Mitarbeitenden, die über die Temporärfirma Adecco bei Bluewin arbeiten, sollen nach einer Frist von einem Jahr auch die Angestellten mit Swisscom-Vertrag von Lohnkürzungen betroffen sein. Alle Bluewin-Mitarbeitenden laufen neu über die Tochtergesellschaft Teleclub.

Wie die Schweiz am Wochenende schreibt, sei die Stimmung beim Newsportal entsprechend schlecht. Es herrsche ein Klima der Angst, der Führung wird fehlende Kommunikation vorgeworfen, Leute die sich offen gewehrt hätten, seien bereits Ende 2018 gegangen.

Problematischer Bundesbesitz

Eigentlich möchte Bluewin redaktionell Gas geben (Werbewoche.ch berichtete) und mit den grossen Online-Medien Schritt halten. Hierzu wurden ehemalige NZZ-Leute geholt. Das Problem: Eigentlich dürfte das Portal gar kein richtiges Medium sein. Swisscom gehört zu 51 Prozent dem Bund und ist somit ein Staatsunternehmen. Für diese herrscht in der Schweiz ein striktes Medienverbot. Dass Bluewin dennoch redaktionell tätig ist und etwa Bundesrätin Amherd zur Kampfjet-Frage interviewt hat, ist vermutlich nur deshalb möglich, weil weder die Swisscom-Chefetage noch der Bund bisher interveniert haben.

Unklare Zukunft, schwindende Marktanteile

Wohin die Swisscom mit ihrem Nachrichtenportal genau will, ist weiterhin unklar. Von einer fehlenden Strategie sei intern die Rede, weiss die Zeitung. Gerüchten zufolge habe das Telekom-Unternehmen Bluewin schon vor einiger Zeit den Stecker ziehen wollen und sehe die Zukunft des Portals vor allem als Inhaltslieferanten für die hauseigenen TV-Aktivitäten. Bluewin ist ja neuerdings auch in den Räumlichkeiten von Teleclub untergebracht.

Nichtsdestotrotz ist Bluewin immer noch ein relevanter Akteur in der Schweizer Online-Landschaft. Die Marktanteile werden aber nicht grösser – im Gegenteil. Ein Problem, mit dem man zu kämpfen hat, ist der langsame Schwund der Internet-Nutzer, die automatisch nach dem Einwählen ins Internet auf die Bluewin-Seite gelangten. Vor 20 Jahren war dies noch für grosse Teile der Bevölkerung Standard, heute ist dies längst nicht mehr der Fall.