Web-Daten-Analyse: Warum Frauen gründen – Motive und Herausforderungen

Im Rahmen einer Studie hat SEMrush Google-Suchdaten ausgewertet und daraus geschlossen, wieso deutsche Frauen und Männer sich selbstständig machen.

Gruenderinnen

Mehr als 13'600 Mal pro Monat suchten die Deutschen 2018 durchschnittlich nach Work Life Balance, eine Steigerung von 24 Prozent gegenüber 2015. Das ergibt eine Analyse der Suchanfragen bei Google von SEMrush. Dabei wurden auch Frauen zu ihren Gründungsherausforderungen und -motiven befragt. «Laut Startup Monitor steigt der Anteil der Gründerinnen in Deutschland stetig, aber verhältnismässig langsam. Eine Parität zwischen Gründern und Gründerinnen würden wir so erst im 22. Jahrhundert erreichen», sagt Olga Andrienko, Head of Global Marketing bei SEMrush. «Deshalb haben wir die Suchanfragen analysiert, um herauszufinden, mit welchen geschlechtsspezifischen Gründungshürden und -motiven die Deutschen sich besonders beschäftigen.»
 
Vor allem die Themen Familie und Beruf sowie Benachteiligung am Arbeitsplatz spielen laut SEMrush-Analyse eine zentrale Rolle für die Suchenden: Die Suchanfragen zu «Familie und Beruf vereinbaren» haben sich seit 2015 verdoppelt. Für Lisa Jaspers, Gründerin von Folkdays.de, war das eine persönliche Gründungsmotivation: «Ich konnte mir nicht vorstellen, in meinem Angestellten-Job als Beraterin eine Familie zu gründen. Die meisten Unternehmensstrukturen sind leider nicht besonders familienfreundlich. Ich persönlich wollte da mehr Freiheit in der Gestaltung meiner Arbeitszeiten.»
 
Ausserdem wurde im letzten Jahr durchschnittlich mehr als 4300 Mal im Monat nach «Gender Pay Gap» gesucht. Auch die sogenannte gläserne Decke beschäftigt die Deutschen – 118 Prozent häufiger als 2015 suchten User 2018 nach «Gläserne Decke Frauen». Stefanie Treiber, Gründerin von Industriestil-deluxe.de, appelliert an die Geschäftswelt: «Wir leben immer noch in einer männerdominierten Geschäftswelt, in der Frauen nicht dasselbe zugetraut wird beziehungsweise auch Frauen sich nicht dasselbe zutrauen. Was schade ist, denn in über zehn Jahren Selbstständigkeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass männliche Kollegen oft den Mund zu voll nehmen, wohingegen die Frauen oft bedachter, gewissenhafter und vor allem nachhaltiger in Projekten arbeiten.»

Die Vorteile einer Web-Daten-Analyse gegenüber einer Umfrage

Die Analyse der Suchanfragen bei Google kann die repräsentativen Umfrageergebnisse zu geschlechtsspezifischen Gründungsmotiven und -hürden optimal ergänzen. Es lohnt sich deswegen durchaus, seinen Blick darauf zu richten, nach welchen Schlagworten und Fragestellungen Nutzerinnen und Nutzer im Internet letztendlich von sich aus suchen, und diese Ergebnisse gegenüberzustellen. Die Analyse der Web-Daten lässt Rückschlüsse darauf zu, welche Themen und Fragen gesellschaftlich an Relevanz gewinnen oder verlieren. Damit lassen sich eindeutige Trends erkennen.

Methodik

SEMrush hat für die Studie über 14'960 Datensätze analysiert. Basierend darauf wurde das Suchverhalten von Nutzerinnen und Nutzern bei Google im Zeitraum von Januar 2015 bis Dezember 2018 ausgewertet. Die vollständige Studie finden Sie hier.

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