Das Social-Shopping-Programm Amigos ist ein Erfolg – stösst aber auf Kritik

Die Migros freut sich über eine positive Entwicklung des Pionier-Projektes Amigos. Gewerkschaften hingegen kritisieren die Einkaufs-App scharf und sprechen von einem «Uber des Detailhandels».

Mit Amigos geht die Migros neue Wege. «Social Shopping» nennt der Detailhändler das Prinzip der App, welche Einkaufsdienste vermittelt. Die Idee: Per Mausklick kann man sich Einkäufe von einem «Bringer» heimliefern lassen. Dieser erhält dafür 7.90 Franken für eine Tasche und 2 Franken für jede weitere. Wer sich als Bringer registrieren lässt, kann Aufträge nach Lust und Laune annehmen – wer zuerst annimmt, erhält den Zuschlag.

Wie die SonntagsZeitung berichtet, entwickelt sich das vor knapp einem Jahr lancierte Projekt gut. So sollen sich schon mehrere Tausend Bringer registriert haben. Genaue Zahlen hält die Migros aber unter Verschluss.

Das Projekt, das in Europa Pionier-Charakter hat, stösst aber nicht nur auf Begeisterung. Gewerkschaften kritisieren die Migros scharf. Der Vorwurf: Der Detailhändler spare sich auf diese Weise den Lieferservice, der Menschen korrekt anstelle und entlöhne. Als «eine Art Uber des Detailhandels» bezeichnet etwa Philipp Zimmermann von der Unia Amigos. «Die Migros tut so, als würden die Lieferanten nicht arbeiten, sondern einfach nur Spass am Einkaufen haben. Das ist absurd», kritisiert Zimmermann gegenüber der SonntagsZeitung. Auch Marco Geu von der Gewerkschaft Syna spricht von «Hungerlohn» und vergleicht Amigos mit Geschäftsmodellen von Amazon oder Uber, welche für «prekäre Arbeitsverhältnisse» sorgten.

Die Migros weist die Vorwürfe zurück. Den Bringern gehe es nicht in erster Linie ums Geld, sondern um die Begegnung mit den Bestellern und darum, ihnen eine Freude zu machen. So sei auch die Entschädigung nicht als Lohn zu betrachten, sondern als Taschengeld, sagt Sprecher Patrick Stöpper zur Zeitung. Diese Schlüsse zieht das Unternehmen aus der Sichtung der Profilbilder und aus Gesprächen mit den Nutzern.

Die Migros zieht in Betracht, den Service auszubauen. Nach dem baldigen Ende der Testphase könnten neue Gebiete dazukommen oder Amigos in anderen Onlineshops des Konzerns zur Verfügung gestellt werden.

Den Konsumenten freut's: Amigos ist günstiger als der offizielle Migros-Lieferservice LeShop. Es gibt keinen Mindestbestellwert und bis zu einer Bestellung über 160 Franken fällt nur die Hälfte der Kosten an für den Endkunden.