Auf Facebook ist jetzt jeder User über die Handynummer auffindbar

Neu lassen sich Facebook-User auch per Handy-Nummer finden, wenn sie diese eigentlich nur aus Sicherheitsgründen angegeben haben. Die Änderung stösst auf scharfe Kritik.

Es mangle Facebook selbst an der kleinsten Spur von Anstand, schreibt Tech-Journalist Walt Mossberg auf Twitter. Und Sonos-Mitgründer spricht von einer «kompletten ethischen Bankrotterklärung». Dies berichtet unter anderem Sueddeutsche.de. Die Zitate beziehen sich auf eine Änderung, die am Freitag auf Twitter die Runde machte: Neu können Facebook-Nutzer die Option, dass sie von niemandem durch die Handynummer-Suche gefunden werden können, nicht mehr auswählen. Es bleiben nur noch von «jedem», «Freunden von Freunden» oder «Freunden». Wie lange Facebook die letzte Option schon entfernt hat, ist bisher unklar.

Direkt ist die Suche von Usern durch Handynummer oder E-Mail-Adresse via Suchleiste zwar seit April 2018 nicht mehr möglich, wie ein Facebook-Sprecher betont. Aber: Dritte können sich die Nutzer anzeigen lassen, indem sie Facebook Zugriff auf das eigene Adressbuch gewähren. Das Soziale Netzwerk gleicht die Daten ab und verknüpft die Handynummern.

Das Vorgehen stösst auf schärfste Kritik unter Experten und Datenschützern. Denn viele Facebook-Nutzer haben ihre Nummer nicht angegeben, weil sie sich identifizierbar machen wollten, sondern weil es bei der Anmeldung nötig war: Aufs Handy wird ein Code gesendet, den man aus Sicherheitsgründen eingeben muss. So bestätigt man, dass man eine echte, existierende Person ist. Gerät das Profil in falsche Hände, kann man es über die eigene Handynummer wieder zurückerhalten. Die Zwei-Faktoren-Authentifizierung sorgt im Netz zwar für Sicherheit. Dass bei Facebook nicht dieser Aspekt im Vordergrund steht, wurde nun – einmal mehr – deutlich. Handynummern sind wertvolle Daten, die Menschen identifizierbar und zuordenbar machen, unabhängig davon, welche Daten sie sonst von sich preisgeben und ob diese der Wahrheit entsprechen. Durch sie lassen sich etwa die Daten der Konten der Konzern-eigenen Unternehmen WhatsApp, Instagram und Facebook problemlos zusammenführen.

Sueddeutsche.de weist aber auch darauf hin, dass es einen Weg gibt, die eigene Handynummer aus dem Facebook-Konto zu entfernen. So kann unter «Einstellungen»/«Sicherheit und Login»/«Zweistufige Authentifizierung» eine App wie den Google Authenticator oder Authy hinzugefügt werden, was eine Telefonnummer unnötig mache. Dies sei ausserdem sicherer, weil SMS von Angreifern abgefangen werden könnten.

Ob Facebook die Handynummer dann wirklich löscht, ist unklar. Denn: Das Unternehmen gibt im eigenen Hilfebereich zum Beispiel auch zu, den Konten Nummern zuzuordnen, auch wenn die User diese gar nicht selbst hinzugefügt haben. Es reicht schlichtweg aus, dass ein Bekannter sein Adressbuch für Facebook oder WhatsApp freigibt.

 

Facebook Handynummer

Dass bei Facebook nie der Datenschutz der Nutzer im Zentrum stand, sondern in erster Linie die Monetisierung der Daten zählt, ist seit Jahren bekannt und dürfte niemanden mehr wirklich überraschen. Ob sich das einst übermächtige Netzwerk, welches besonders bei einer jüngeren Zielgruppe ohnein kontinuierlich an Attraktivität einbüsst, durch Datenschutz-Skandale – beispielsweise der Fall Cambridge Analytica oder nun der Missbrauch der Zwei-Faktoren-Authentifizierung – für die Zukunft rüstet, ist mehr als fraglich.