Umfrage: Schweizer wollen kein Bankkonto bei Google & Co.

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Schweizerinnen und Schweizer können es sich nur schlecht vorstellen, bei den Internet-Riesen Google, Amazon, Facebook, Apple & Co. ein Bankkonto zu eröffnen oder ihre Versicherungen zu kaufen.

Schweizer Banken und Versicherungen bläst ein eisiger Wind entgegen: Sie erhalten zunehmende Konkurrenz von digitalen Firmen aus dem Ausland. In Zukunft könnten die internationalen Technologie-Giganten mit innovativen Bank- und Versicherungsprodukten den Schweizer Banken und Versicherungen den Todesstoss versetzen, so die Befürchtung. Das Vertrauen von Schweizer Konsumenten in die grossen Technologie-Firmen sei ausserdem nicht schlechter als in Schweizer Banken und Versicherungen, hört man immer wieder. Doch stimmt das wirklich?

moneyland.ch hat im Rahmen einer repräsentativen und anonymen Online-Umfrage 1500 Personen in der Deutsch- und Westschweiz befragt, wie gut sie sich auf einer Skala von 1 (gar nicht) bis 10 (sehr gut) vorstellen könnten, ihr Bankonto oder ihre Versicherungen bei verschiedenen Firmen zu haben.

Zur Auswahl standen sowohl beim Bankkonto als auch bei den Versicherungen die folgenden Unternehmen: Die digitalen «Riesen» Google, Amazon, Facebook, Apple, Tesla, Samsung, Microsoft, Uber; das internationale Startup Revolut; die grösseren Schweizer Banken UBS, Credit Suisse, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank, Migros Bank, Bank Cler und Valiant; die grösseren Schweizer Versicherungen Mobiliar, Axa und Generali. Auch sind die folgenden Firmen als allgemeine Kategorie erfragt worden: Schweizer Pensionskassen, Schweizer Versicherungen sowie Schweizer Banken.

Schweizer skeptisch gegenüber Technologie-Konzernen

Resultat der Umfrage: Ganz so schwarz steht es um die Zukunft der Schweizer Banken und Versicherungen im Kampf gegen die Internet-Riesen noch nicht, wie Unkenrufe immer wieder behaupten. Zumindest wenn es nach der aktuellen Meinung der Schweizer Konsumenten geht.

«Die grosse Mehrheit der Befragten kann es sich gar nicht bis eher schlecht vorstellen, bei Google, Amazon, Facebook, Apple & Co. ein Bankkonto zu eröffnen oder eine Versicherung zu kaufen», so Benjamin Manz, Geschäftsführer von moneyland.ch. Nur 23% der Schweizer Bevölkerung könnten es sich «gut bis sehr gut» vorstellen, bei mindestens einem der grossen Technologie-Konzerne ein Bankkonto zu haben, bei Versicherungen sind es 18%. Die grosse Mehrheit möchte weiterhin Kunde bei einer Schweizer Bank oder Versicherung bleiben.

Google als Bank- und Versicherungs-Alternative nicht gefragt

Google ist als möglicher zukünftiger Konkurrent von Banken und Versicherungen immer wieder im Gespräch. Allerdings scheint das in nächster Zeit unwahrscheinlich. Nur 14% der Befragten geben an, dass sie sich ein Bankkonto bei Google «gut bis sehr gut» vorstellen könnten, 72% könnten es sich «gar nicht bis eher schlecht» vorstellen. Bei Versicherungen sieht es ähnlich aus: Nur 11% könnten es sich vorstellen, bei Google Versicherungen zu kaufen, 77% könnten es sich «gar nicht bis eher schlecht» vorstellen.

Grosse Skepsis gegenüber Facebook

Dass auch Social-Media-Apps Finanzdienstleistungen anbieten können, machen beispielsweise chinesische Anbieter wie WeChat vor. Facebook dürfte dieser Schritt schwerer fallen. In der Schweiz ist Facebook neben Uber die unbeliebteste Bank- beziehungsweise Versicherungsalternative überhaupt. Nur 6% der Schweizer Bevölkerung kann sich ein Bankkonto bei Facebook «gut bis sehr gut» vorstellen, bei Versicherungen sind es ebenfalls nur 6%.

Bankkonto bei Apple? Lieber nicht!

Apple ist mit Apple Pay bereits in den Bereich der Finanzdienstleistungen eingedrungen. Ein Bankkonto bei Apple würde aber bei Schweizer Konsumenten noch auf taube Ohren stossen: Nur 12% könnten sich das gut bis sehr gut vorstellen. Bei Versicherungen sieht es noch schlechter aus: Weniger als jeder Zehnte (9%) könnte sich mit einer Versicherung von Apple anfreunden.

Online Banking

Auch Amazon nicht als Bank oder Versicherung begehrt

Häufiger als Facebook, Google und Apple wird Amazon von Experten als zukünftiger Versicherungs-und Bankenschreck eingestuft. Aus Sicht der Schweizer Konsumenten hätte aber auch Amazon als Bank- und Versicherungsalternative keine guten Karten. 80% könnte sich Amazon als Bank-Alternative «gar nicht bis eher schlecht» vorstellen, nur 7% «gut bis sehr gut». Bei Versicherungen sind es 82% beziehungsweise 7%.

Microsoft, Samsung, Tesla und Uber

Uber schneidet bei der Umfrage von allen Firmen am schlechtesten ab. Offensichtlich können es sich Schweizerinnen und Schweizer nur sehr schlecht vorstellen, bei einem Taxi- und Transport-Unternehmen ein Bankkonto oder Versicherungen zu haben: Nur 4% der Bevölkerung könnte es sich «gut oder sehr gut» vorstellen, ein Bankkonto bei Uber zu eröffnen, ebenfalls nur 4% eine Versicherung bei Uber abzuschliessen.

Nicht viel besser sieht es bei anderen Technologie- Riesen wie Microsoft, Samsung und Tesla aus. Ein Bankkonto können sich bei Microsoft nur 11% gut bis sehr gut vorstellen, bei Samsung sind es 9% und bei Tesla nur 8%. Als Alternative zu Versicherungsfirmen können sich Samsung nur 9% vorstellen, bei Microsoft 9% und bei Tesla 8%.

Internationale Fintech-Startups haben es noch schwer

Nicht viel bessere Karten als die grossen Technologie-Riesen im Kampf um Bank- und Versicherungskunden haben einzelne internationale Fintechs – zumindest wenn es um das aktuelle Vertrauen der Schweizer Konsumenten geht. Das zeigt exemplarisch der Fall des internationalen Startups Revolut, das als Bank-Alternative auch Versicherungsprodukte vertreibt und in der Schweiz schon einigermassen bekannt ist. Trotzdem können es sich erst 6% der Befragten gut bis sehr gut vorstellen, ein Bankkonto bei Revolut zu eröffnen. Ebenfalls nur 6% sind es bei Versicherungen.