Zu guter Letzt: Miss Trillerpfeife

Der Boulevard beglückt die öffentliche Agenda mit einem neuen Thema: Schöne Schiedsrichterinnen. Die Italienerin ist sehr schön, die Schweizerin noch viel schöner. Die Leser sind sich uneinig.

Am 7. März unterhielt Blick Online die Leser mit der Geschichte über eine «Sexy Schiedsrichterin», die Italien begeistert. Elena Tambini jobbe nebenbei als Model und sei «ein wahres Naturtalent», erfährt man. In Italien hoffen ihre Fans nun, dass sie bald auch in der höchsten Liga, der Serie A, Spiele leitet. Blick.ch meldet berechtigte Zweifel an: «Ob sich die Kicker aufs Spiel konzentrieren können, wenn die hübsche Elena in die Pfeife bläst?»

Das ist schon mal sehr brisant. Aber es geht noch brisanter. Am Montag der Paukenschlag: Die Schweiz schickt eine Bewerberin ins Rennen um die Miss-Schiedsrichter-Krone. «Unsere Schiri-Frau ist noch hübscher». Es wurde auch Zeit, dass die Schweiz ein Wörtchen mitredet, hat man doch die weibliche Spielleiterin mit Nicole Petignat sozusagen erfunden.

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Leider will die Zürcherin, bei der schon der Name klingt wie ein teures Parfüm (Aurélie Sarà Bollier), sportlich auf Regionalliga-Niveau bleiben. Im Gegensatz zu ihrer italienischen Kollegin verzichtet sie darauf «den Profis den Marsch zu blasen», wie es Blick formuliert. Komischerweise wurde im Artikel auf den folgenden Satz verzichtet, deshalb wird er an dieser Stelle nachgeliefert: Sie pfeift auf die Super League! Zumindest als Linienrichterin könnte sie es sich aber vorstellen – und diesen Steilpass verwertet Blick eiskalt: «Bei ihr will bestimmt keiner im Offside stehen».

Kein Wunder, wird alles schlimmer

Man könnte meinen, zum Thema sei alles gesagt. Doch das letzte Wort haben wie immer die Leser. Obwohl der Mehrheit laut Umfrage die Vorstellung gefällt, künftig regelmässig attraktive Frauen pfeifen zu lassen («Ja! Schön fürs Auge!»), fallen in der Kommentar-Spalte auch kritische Bemerkungen. Paul Entlebucher hält im Stile eines Vujo Gavrics diplomatisch fest:

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Er hätte sicherlich für beide Ladys eine Rose bereit. Das gewisse Etwas halt. Meier Anton aus Ebikon hingegen mahnt zu mehr Sachlichkeit:

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Trotz etwas holpriger Rechtschreibung erntet dieser Kommentar positive Daumen en Masse. Die Message zählt – und die ist angekommen. Auch bei Henri Burri. Er erteilt der schönen Spielleiterin kurzerhand einen Zuchtauftrag:

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Gerber Hanspeter nutzt die Gelegenheit und erklärt anhand der Schiedsrichterinnen-Thematik die komplexen Zusammenhänge der Welt:

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Kein Wunder, wird alles schlimmer. Als nächstes fordern die Frauen vermutlich das Wahlrecht! Ob sich die beiden unparteiischen Damen, als sie sich damals für ihren ersten Schiedsrichterkurs angemeldet haben, bewusst waren, dass sie eines Tages für Probleme globalen Ausmasses verantwortlich gemacht werden? Vermutlich hätten sie sich im falschen Planeten gewähnt.

Thomas Häusermann

Alle Bilder: Screenshots Blick.ch
 

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