Kampagnen-Teams sollten Social-Media-Pausen einlegen

Betreiber sozialer oder politischer Social-Media-Kampagnen müssen gelegentlich im Netz Pausen einlegen, um nicht vom Stress durch Hasskommentare emotional zermürbt zu werden. Wenn sich einzelne Mitglieder einer Organisation bei der Social-Media-Kommunikation abwechseln, hält die Kampagne länger an und ist auch erfolgreicher, so eine Studie der University of Bath.

Eine englische Studie besagt, dass eine Auszeit von Hasskommentaren Energie zurückgibt und einen nachhaltigeren Effekt schafft. (Symbolbild: Unsplash)

«Pausen sind nicht nur für die emotionale Erholung von Kampagnen-Betreibern wichtig, sondern auch für die Standpunkte, die sie vertreten. Zu intensive Nutzung von Social Media sorgt dafür, dass Menschen immer nur einen Bezugsrahmen haben, wodurch Filterblasen entstehen. Durch das Durchatmen können sie mit besserer Kritikfähigkeit und psychischer Hygiene wieder an die Arbeit gehen», erklärt Medienpsychologe Jo Groebel vom Deutschen Digital Institut im Interview mit dem Nachrichtenportal Pressetext.

Die Forscher haben für die Studie als Beispiel die britische Kampagne «No More Page 3» untersucht. Die 2012 begonnene Kampagne hatte das Ziel, die Zeitung The Sun zur Entfernung der Nacktbilder von Frauen zu bewegen, die seit 1970 regelmässig auf der dritten Seite zu sehen waren. Trotz massiver Anfeindungen auf Social Media hat die Kampagne im Jahr 2015 tatsächlich ihr Ziel erreicht. Wichtig dafür waren laut den Forschern regelmässige Auszeiten vom Social Web.

Profile zeitweise gelöscht

Mitglieder der Kampagne haben regelmässig ihre Social-Media-Profile nicht besucht oder sie sogar zeitweise komplett gelöscht. Dabei waren die Zeiträume unterschiedlich, manche waren nur für eine Stunde nicht mehr in sozialen Netzwerken aktiv, einige sogar mehrere Wochen. Das hat nicht nur ihnen selbst geholfen, sondern auch ihrer Aktion. Die Pausen haben sie emotional gestärkt und ihnen Energie gegeben. Ausserdem hat sich das Verhältnis zwischen den Kampagnen-Betreibern verbessert, weil sie Verständnis für die Auszeiten gezeigt haben.

Um die Dynamik der Social-Media-Aktion nicht zu stören, haben die Betreiber sich mit ihren Pausen abgewechselt. So waren immer einzelne Akteure auf Plattformen wie Twitter aktiv, während die anderen sich Offline-Aufgaben zuwendeten. Diese Arbeitsteilung hat das langfristige Überleben der Kampagne gesichert. Auch wichtig war laut den Wissenschaftlern, dass die Betreiber besonders viel Überzeugungsarbeit bei den schärfsten Angreifern geleistet haben. Dafür sei aber viel emotionale Kraft nötig, die nur durch Auszeiten erhalten bleibt. (pte)

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